Barack Obama "I love Berlin"


Obama-Begeisterung in Berlin: Kanzlerin Angela Merkel und ihr Außenminister Frank-Walter Steinmeier entdecken Gemeinsamkeiten mit dem designierten US-Präsidentschaftskandidaten. Auch Obama ist begeistert - er liebe Berlin, sagte er. Gleichzeitig will er die Deutschen in die Pflicht nehmen und bei seiner Rede mehr Engagement im Einsatz gegen den Terror fordern.

Die Wagenkolonne, mit der sich Barack Obama den Weg durch die Straßen von Berlin bahnte, war eines Staatsgastes schon überaus würdig: Motorräder, schwarze Limousinen, weiße Geländewagen, darüber ein Hubschrauber. Als der US-Präsidentschaftsbewerber am Mittag am Kanzleramt eintraf, wurde er von Hunderten Schaulustigen erwartet.

Obama traf sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier - beide sahen danach außenpolitische Gemeinsamkeiten mit dem US-Politiker. Steinmeier sagte nach seinem Gespräch mit dem demokratischen US-Senator, es gebe Übereinstimmungen in der Sicht auf die Krisenherde der Welt. Nach dem separaten Meinungsaustausch mit Merkel sprach Regierungssprecher Ulrich Wilhelm von einem "sehr offenen und in die Tiefe gehenden Gespräch in sehr guter Atmosphäre". Bei den Gesprächen im Kanzleramt und im Außenministerium in Berlin standen vor allem die internationalen Krisenherde wie Afghanistan, Iran und Nahost im Mittelpunkt. Die beiden Treffen des designierten Präsidentschaftskandidaten dauerten jeweils knapp eine Stunde.

Wilhelm sagte, Merkel und Obama hätten die Bedeutung der deutsch- amerikanischen Freundschaft hervorgehoben. Persönliche Erklärungen gaben Kanzlerin und Kandidat wie erwartet nicht ab. Auch für Fragen standen sie nicht zur Verfügung. Nach Wilhelms Angaben wurde auch der Nato-Gipfel 2009, der in Kehl und im benachbarten Straßburg stattfindet, in dem Meinungsaustausch kurz angerissen. Weitere Themen waren die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und den USA, Klima- und Energiefragen sowie die Situation der Weltwirtschaft. Anschließend trat Merkel ihren Urlaub an.

Steinmeier sagte nach seinem Treffen mit Obama: "Ich habe auch bei diesem Gespräch noch mal festgestellt, das unsere Philosophie der Außenpolitik "Kooperation statt Konfrontation" auch Ziel seiner außenpolitischen Vorstellungen ist." Es sei darum gegangen, wie Europa und die USA in einer Welt, die nach einer neuen Ordnung suche, gemeinsam handeln könnten und "aus meiner Sicht sogar handeln müssen". Steinmeier warb nach Angaben eines Sprechers für eine verstärkte transatlantische Zusammenarbeit bei Umwelt, Klima und Abrüstungskontrolle.

Obama selbst war auch begeistert: "I love Berlin", sagte er beim Treffen mit Steinmeier. Doch diese Liebesbezeugung war einer der wenigen Sätze, die von ihm zu vernehmen waren - erst am Abend wird Obama sprechen. Dann wird er an der historischen Siegessäule eine Rede halten. Der US-Senator will sich dabei vor allem den transatlantischen Beziehungen widmen. Wie es aus seinem Stab hieß, will er dann auch einen stärkeren Einsatz der Europäer im Kampf gegen den Terror fordern. Der US-Senator hatte bereits angekündigt, im Fall seiner Wahl mehr US-Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Er erwartet auch einen größeren Beitrag der Verbündeten dazu. Die Bundesregierung hatte bereits in den vergangenen Tagen klar gemacht, dass sie Forderungen zu einem größeren Beitrag ablehnt.

Für kurzfristige Aufregung hatte am Mittag ein verdächtiges Paket an Obama gesorgt, das im Hotel "Adlon" nahe dem Brandenburger Tor von einem Taxifahrer abgegeben wurde. Sicherheitshalber wurde Sprengstoffalarm ausgelöst und ein Spezialfahrzeug angefordert. Der Wirbel hatte allerdings einen unverdächtigen Hintergrund: Ein Anhänger Obamas aus Hamburg sandte das Päckchen mit einer Biografie des US-Präsidentschaftsbewerbers an das Hotel und bat um ein Autogramm. Das Rückporto lag bei. Die Polizei riet von dieser Art der Kontaktaufnahme ab. Zu Obamas Schutz sind in Berlin bis zu 1000 Polizisten im Einsatz.

Nicht nur die Politiker, sondern auch die Bürger sind begeistert von Obama: Die Polizei rechnet mit mehreren Zehntausend Besuchern, die die Rede des US-Politikers hören wollen. Bereits Stunden vor der für den Abend geplanten Rede hatten sich rund 1000 Schaulustige an der Siegessäule eingefunden.

ukl/DPA/Reuters DPA Reuters

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