Vaterschaftstests "Nicht im Kindeswohl, wenn ein Vater zweifelt"

Nur wenige Themen spalten die Parteien so sehr, wie das geplante Gesetz zum Verbot heimlicher Vaterschaftstests. Uneinigkeit herrscht in der Koalition und CDU und FDP sind nur fast einmütig gegen die Regelung.

Die Grünen sind sich uneins, die Sozialdemokraten auch. Nur CDU und FDP scheinen sich einig darüber zu sein, dass es kein Verbot von heimlichen Vaterschaftstests geben darf, wie von Brigitte Zypries (SPD) vorgeschlagen wurde.

Anfang des Jahres hatte die Bundesjustizministerin einen Gesetzentwurf angekündigt, der heimliche Vaterschaftstests mit Geld- und Freiheitsstrafen belegt. Bestraft werden sollen demnach Männer, die ohne schriftliche Einwilligung der Frauen genetische Proben ihrer Kinder untersuchen lassen, und Labors, die solche Tests vornehmen. Schätzung zufolge sind zehn bis 15 Prozent aller Kinder in Deutschland so genannte Kuckuckskinder. Umfrage haben zudem ergeben, dass 93 Prozent der befragten Männer das Kind nicht mehr akzeptieren würden, sollte sich herausstellen, dass sie nicht der Erzeuger sind.

"Ein Mann muss klären können, ob er Vater ist"

Rechtspolitiker von FDP und CSU wehren sich strikt gegen das Verbot. "Ein Mann muss klären können, ob er Vater ist", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Zeitlmann der "Bild"-Zeitung. Dieses Recht ausschließlich von der Zustimmung der Frau abhängig zu machen, sei lebensfremd", so der Christsoziale.

Auch Klaus Haupt, Familienexperte der FDP, hält ein Verbot für die falsche Lösung. "Es liegt nicht im Kindeswohl, wenn ein Vater ständig zweifelt oder gar klagen muss", so Haupt. Ein heimlicher Test könne den Klageweg vermeiden und diene damit dem Familienfrieden.

Kritik kommt auch von der Organisation Väteraufbruch e.V. "Das Verbot stellt die Lügen der Mutter unter staatlichen Schutz", sagte Bundesvorstandsmitglied Dietmar Nikolai Webel der Zeitung.

Widerstand regt sich auch beim Koalitionspartner. Die Grünen- Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, sagte der "Süddeutschen Zeitung", sie werde der von Zypries vorgeschlagenen Regelung nicht zustimmen. Durch eine offene Anfechtung der Vaterschaft vor Gericht - die einzige Alternative zu heimlichen Tests - würde Familien oft mehr geschadet. Falls sich der "Kuckuckskind-Verdacht" als falsch herausstelle, sei die Beziehung ohne Not beschädigt. Außerdem dürften Männer nicht benachteiligt werden. Sie müssten genauso sicher wie die Frau wissen dürfen, ob sie der Vater sind.

Schröder unterstützt die Pläne seiner Justizministerin

Zuvor hatte schon Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck erklärt, der Entwurf des Gendiagnostik-Gesetzes sei "noch nicht überzeugend". Die Gesundheitsexpertin der Fraktion, Birgitt Bender, hatte die Pläne der Justizministerin dagegen begrüßt. "Es darf keinen Bonus für männliche Feigheit geben", sagte die sie der "Berliner Zeitung". Derartige Tests seien gegen die Interessen von Frauen und Kindern gerichtet und müssten bestraft werden. Einen richtig prominenten Fürsprecher soll Brigitte Zypries übrigens schon gewonnen haben: Es ist niemand geringerer als Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Mit Material von DPA/AP/Reuters AP Reuters

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