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"Spiegel"-Bericht Staatsstreich mit Doppelgängern: Verhinderter Lauterbach-Entführer soll skurrile Umsturzpläne verfolgt haben

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)
© Michael Kappeler / DPA
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sollte als Teil eines Staatsstreichs entführt werden – das soll nun ein Mann gestanden haben, der im April festgenommen wurde. Einem "Spiegel"-Bericht zufolge verfolgte er bizarre Umsturzpläne.

Ein im April festgenommener Mann hat nach Informationen des "Spiegel" gestanden, mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Entführung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplant zu haben. Das Nachrichtenmagazin berichtete am Freitag unter Berufung auf den Verteidiger des Mannes, darauf habe ein politischer Umsturz folgen sollen.

Es sei geplant gewesen, einen Doppelgänger des Bundespräsidenten, des Kanzlers oder eines anderen prominenten Politikers auftreten zu lassen – dem Bericht zufolge, um das Volk auf den Regierungswechsel vorzubereiten und die Rechtmäßigkeit des Umsturzes zu bestätigen.

Demnach habe nach der Entführung Lauterbachs eine "konstituierende Sitzung zur Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit des Deutschen Reichs" durchgeführt werden sollen, wie das Nachrichtenmagazin den Anwalt des Geständigen zitierte.

Laut Bericht plante der Mann nach Angaben seines Verteidigers, Gesundheitsminister Lauterbach durch Bewaffnete vorübergehend gefangen zu nehmen und vor laufenden Kameras einen "Haftbefehl" gegen ihn zu verkünden.

Anschließend sollten mehrere hundert Telegram-Kontaktpersonen an einem geheimen Ort zusammenkommen, um das Grundgesetz gegen eine modernisierte Form der Reichsverfassung von 1871 auszutauschen und einen Regierungswechsel vorzubereiten. Darüber hinaus habe die Bevölkerung durch einen bundesweiten Stromausfall von der Medienberichterstattung abgeschnitten werden sollen.    

Ein Verdächtiger wollte offenbar Kalaschnikow-Gewehre kaufen

Die Bundesanwaltschaft äußerte sich auf Anfrage nicht dazu. Der Mann und drei mutmaßliche Mitstreiter sitzen seit Mitte April in Untersuchungshaft. Wenig später hatte die Karlsruher Behörde die Ermittlungen übernommen. Sie hält die Gruppe für eine terroristische Vereinigung. Dreien der Männer werfen die Ermittler vor, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Zwei sollen versucht haben, sich an einem Verbrechen zu beteiligen.

Die vier Deutschen stammen nach früheren Angaben der Ermittlungsbehörden aus Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz), Falkensee bei Berlin sowie aus den Kreisen Landshut (Bayern) und Ammerland (Niedersachsen). Bei dem geständigen Mann handelt es sich laut "Spiegel" um den Mann aus dem Berliner Umland. Die Bundesanwaltschaft ermittelt außerdem noch gegen einen fünften Beschuldigten, zu dem keine weiteren Angaben gemacht wurden.

Das Motiv des Geständigen sei eine tiefe Unzufriedenheit mit der deutschen Politik gewesen, insbesondere den Coronamaßnahmen, berichtete das Magazin unter Berufung auf dessen Anwalt. Er wird wie die zeitgleich verhafteten anderen Beschuldigten der Corona-Protestszene zugerechnet. Einer von ihnen war demnach in Neustadt an der Weinstraße beim Versuch festgenommen worden, von einem verdeckten Ermittler Pistolen und Kalaschnikow-Gewehre zu kaufen. Ein Beschuldigter hortete bereits Waffen.

fs DPA AFP

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