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Vor der Kultusministerkonferenz: GEW fordert bessere Kinderbetreuung

Der Vorschlag von Arbeitsministerin von der Leyen, Schlecker-Mitarbeiterinnen zu Erzieherinnen umzuschulen, sorgte für Wirbel. Gewerkschafter warnen vor der Kultusministerkonferenz, gerade bei Kleinkindern Betreuungs-Standards zu vernachlässigen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bund, Länder und Kommunen aufgefordert, die Kleinkinder-Betreuung nicht zu vernachlässigen. Unter dem Druck des kommenden Rechtsanspruches auf einen Kita-Platz und drohender Elternklagen dürfe der Ausbau der Kinderbetreuung "nicht zu Lasten der Qualität gehen", warnte GEW-Vorstandsmitglied Norbert Hocke.

Hocke sagte: "Es geht hier um ein- und zweijährige Kinder. Das erfordert Engagement, Zuwendung und Liebe von qualifizierten Mitarbeitern. Der Beruf der Erzieherin oder des Erziehers ist kein einfacher Job."

Die Kultusminister der Länder kommen an diesem Donnerstag in Berlin zusammen, um über den neuen nationalen Bildungsbericht zu beraten. Die Autoren des Berichts, namhafte Wissenschaftler, warnen darin unter anderem vor der Einführung des vor allem von der CSU verlangten Betreuungsgeldes für daheim erziehende Eltern. Zugleich zeigen sie Mängel bei der Qualifikation des Personals auf. So verfügen nur 40 Prozent der von den Kommunen eingesetzten Tagesmütter über eine Minimalqualifikation von 160 Stunden pädagogischer Weiterbildung.

Nicht am falschen Ende sparen

Ab 1. August 2013 haben auch die Eltern von Kindern unter drei Jahren einen Rechtsanspruch auf ein staatlich gefördertes Betreuungsangebot. Hocke sagte, auch als Anfang der 90er Jahre der Rechtsanspruch für die Über-Dreijährigen im Zuge der Neuregelung des Abtreibungsparagrafen 218 eingeführt wurde, sei zunächst unter dem Kapazitätsdruck die Qualität sträflich vernachlässigt worden. Daraus müsse man Lehren ziehen. Für Kleinkinder könne man nicht einfach die Gruppen vergrößern oder pädagogische Standards ignorieren.

Ausdrücklich lobte der Gewerkschafter dagegen das Kita-Sprachprogramm von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Der Bund fördert derzeit bundesweit in 4000 Kindergärten "alltagsintegrierte Sprachübungen" für Migrantenkinder. Dabei werden mit den Kleinen altersgerecht Redewendungen des täglichen Lebens geübt. Anders als beim umstrittenen Betreuungsgeld habe sich die Familienministerin hier von Wissenschaftlern, Praktikern und den Gewerkschaften beraten lassen, sagte Hocke.

DPA / DPA