HOME

Vorwurf der Kinderpornografie: Tauss-Anwalt attackiert Ankläger

Der Anwalt von Jörg Tauss geht auf die Barrikaden. Das Vorgehen der Ankläger in dem Verfahren gegen den Bundestagsabgeordneten sei ein Skandal. Es dränge sich der Verdacht auf, dass "hier jemand zur Strecke gebracht werden soll", sagt der Vertreter des unter Kinderpornografie-Verdacht geratenen Politikers.

Der Anwalt des unter Kinderpornografie-Verdacht geratenen Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss hat die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Karlsruhe scharf angegriffen. "Die Ermittlungsbehörde hat meinen Mandanten in einer Weise vorverurteilt, die einer sozialen Exekution nahe kommt", sagte Verteidiger Jan Mönikes. Die Ermittler selbst wiesen die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher der Karlsruher Staatsanwaltschaft betonte, von einer Vorverurteilung könne keine Rede sein.

"Jemand soll zur Strecke gebracht werden"

Die Kritik des Anwalts bezog sich vor allem auf die Informationspolitik der Ankläger, die ihm erst am Mittwoch Einsicht in die Akten gewähren wollen. Danach will der 55-Jährige erneut öffentlich zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Der Verteidiger hält das Vorgehen der Ankläger für einen Skandal. Die Ermittlungsbehörde hatte am Freitag erklärt, der Verdacht gegen den SPD-Politiker habe sich erhärtet. "Es kann nicht sein, dass die Staatsanwaltschaft in einem derart sensiblen Verfahren aus der Distanz stündlich Wasserstandsmeldungen an die Presse weitergibt, ohne dass dem Angeschuldigten und seinem Verteidiger die Möglichkeit gegeben ist, in der Sache Stellung zu nehmen", kritisierte der Anwalt.

Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft sei auch deshalb ungeheuerlich, weil Tauss seine Bereitschaft erklärt habe, die Vorwürfe nach Einsicht in die Akten in einem Gespräch mit den Ermittlern auszuräumen. Es dränge sich der Verdacht auf, dass "hier jemand zur Strecke gebracht werden soll", sagte Mönikes.

"So zurückhaltend wie möglich"

Der Karlsruher Oberstaatsanwalt Rehring sagte dem Berliner "Tagesspiegel": "Eine Vorverurteilung war und ist ganz und gar nicht unsere Absicht. Wir sind vielmehr so zurückhaltend wie möglich vorgegangen." Art und Details der Vorwürfe gegen Tauss seien nicht von der Staatsanwaltschaft veröffentlicht, sondern von den Medien in die Welt gesetzt worden. Er habe sich als Sprecher der Ermittlungsbehörde erst geäußert, nachdem die Vorwürfe bereits bekannt gewesen seien. "Ich habe lediglich erklärt, dass wir bei der Durchsuchung von Räumen von Herrn Tauss am vergangenen Donnerstag in Berlin fündig geworden sind und einschlägiges Material sichergestellt haben, und dass es keine Anhaltspunkte gibt, dass Herr Tauss dieses Material für seine Tätigkeit als Abgeordneter benötigt hat", wird Rehring zitiert. Dabei habe er ständig darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte damit keineswegs überführt sei und die Ermittlungen auch zu seiner Entlastung führen könnten.

SPD sucht Nachfolger

Die SPD Baden-Württemberg will bis Ende der Woche einen Nachfolger für Tauss als Generalsekretär der Landespartei benennen. Das kündigte die Landesvorsitzende Ute Vogt nach einer Präsidiumssitzung an. Namen nannte sie noch nicht. Tauss hatte diese Funktion am Freitag ebenso niedergelegt wie seine Ämter in der SPD-Bundestagsfraktion. Sein Abgeordnetenmandat will Tauss aber behalten, der nach wie vor seine Unschuld beteuert. Welches Material ihn genau belaste, sei weder ihr noch dem Beschuldigten selbst bekannt, sagte Vogt. Einen Schaden für die Partei sehe sie nicht, nachdem Tauss sofort seine Ämter zur Verfügung gestellt und damit die Partei entlastet habe. Jetzt sei es wichtig, dass die Staatsanwaltschaft die Angelegenheit möglichst schnell und umfassend aufkläre.

AP/DPA / AP / DPA