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VW und Porsche: Wenn zwei sich einigen, freut sich Wulff

Zumindest einen Gewinner hat der geplante Zusammenschluss von VW und Porsche schon jetzt: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff wird in den Verhandlungen eine gewichtige Rolle spielen - und könnte sie theoretisch scheitern lassen.

Von David Böcking

Christian Wulff sah zufrieden aus, als er am Mittwochabend vor die Kameras trat. Es biete sich jetzt "die Chance, dass die Erfolgsgeschichten von Volkswagen und Porsche gemeinsam in die Zukunft fortgeschrieben werden", kommentierte Niedersachsens Ministerpräsident die geplante Fusion, die beide Konzerne kurz zuvor bekannt gegeben hatten.

Lange galt der CDU-Politiker als Nachwuchshoffnung seiner Partei. Im vergangenen Juli hatte er einer überraschten Öffentlichkeit dann mitgeteilt, ihm fehle "der unbedingte Wille zur Macht", eine Kanzlerkandidatur traue er sich jedenfalls nicht zu. Jetzt kann der 49-Jährige zeigen, dass sich auch von Hannover aus große Politik machen lässt. Dank seiner Sperrminoriät von 20 Prozent über das VW-Gesetz könnte Niedersachsen das Vorhaben theoretisch zu Fall bringen.

Der Verteidiger des VW-Gesetzes

Bei seinem waghalsigen Übernahmeplan hatte Porsche darauf gewettet, dass die EU das VW-Gesetz kassieren würde. Doch die Bundesregierung hält bislang trotz einer erneut drohenden EU-Klage daran fest, nicht zuletzt dank des Einsatzes von Wulff. Der präsentierte sich als wehrhafter Landesvater, der etwa EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy beschied, dieser könne sich nicht wie der "Herrscher aller Preußen" aufführen. Auch mit seinem Parteikollegen Günther Oettinger, als Ministerpräsident des Porsche-Heimatlandes Baden-Württemberg ein Gegner des VW-Gesetzes, stritt sich Wulff öffentlich.

Ähnlich kämpferisch zeigte sich Wulff im VW-Aufsichtsrat, wo er Niedersachsen vertritt. Im vergangenen Jahr wehrte er erfolgreich einen Versuch von Porsche ab, die Grenze für die Sperrminorität zu erhöhen - und verärgerte damit nicht nur Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, sondern auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech. Das Verhältnis von Piech und Wulff gilt als angespannt. Der Porsche-Enkel soll den mehr als 20 Jahre jüngeren Wulff lange nicht für voll genommen haben. Dieser verärgerte ihn unter anderem, als er erfolgreich gegen Piechs Doppelrolle als VW-Chefaufseher und Porsche-Erbe protestierte.

Trauzeuge einer Vernunftehe

Jetzt finden die beiden auf Ferdinand Porsche zurückgehenden Unternehmen doch noch zusammen - wenn auch nicht so wie von Piech und Wiedeking erhofft. Es gebe "keine Hochzeit im Himmel, sondern eine Vernunftehe", sagte Wiedeking vor rund 3000 Beschäftigten im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen.

Wulff wird bei der Heirat den selbstbewussten Trauzeugen geben, der auch beim Sportwagenbauer auf Vebündete hoffen kann: Er kämpfe dafür, dass das VW-Gesetz auch bei Porsche gelte, sagte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück am Donnerstag. "Denn ich habe festgestellt, nur durch das VW-Gesetz kann ich meine Leute schützen, nicht mehr allein durch das Kapital".

FTD