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Wahlabend in Wiesbaden: "So sehen Loser aus"

Der Wiesbadener Landtag ist im Belagerungszustand: 800 Journalisten haben sich akkreditieren lassen, denn die Wahl könnte die alte CDU-Welt auf den Kopf stellen. stern.de hat den Einschlag der ersten Prognosen beobachtet.

Von Sebastian Christ und Lutz Kinkel, Wiesbaden

18 Uhr, Fraktionssaal der SPD

Es dauert eine Sekunde, bis die erste Zahl den Weg in die Köpfe der Sozialdemokraten findet. Die CDU bei 36,5 Prozent. Minus zwölf. Stille. Dann reißen die Wahlkämpfer ihre Arme hoch. Fast verschwindet das eigene Wahlergebnis im Jubelrauschen. Nach 17 Jahren ist die SPD wieder stärkste Kraft in Hessen. "Koch ist weg, Koch ist weg", brandet es durch den Saal. Die Hitze ist unerträglich. Egal. Viele der Juso-Aktivisten hier haben ihre Partei noch nie bei einer Wahl vor der CDU gesehen.

Der Fraktionsraum, in dem die Sozialdemokraten untergebracht wurden, ist vielleicht halb so groß wie der CDU-Saal. Andrea Ypsilantis Wirtschafts- und Umweltexperte Herman Scheer war schon einige Minuten vor der Hochrechnung geflüchtet. Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul dreht ihre Runden im abgesperrten Backstage-Bereich abseits des Saals. Ein Blick in Richtung des Medienpulks. Sie redet mit einem Wahlkampfhelfer. "Da sind so viele Kameraleute. Klär das mal, wo Andrea nach der zweiten Hochrechnung ihre Rede halten soll." Auf ihren Lippen ist ein beseeltes Lächeln zu sehen. Und mit jedem positiven Ergebnis wächst es zu einem Lachen heran.

Im Saal steigert sich die Euphorie von Minute zu Minute. Eine SPD-Fahne wird geschwenkt. Viele Wahlkämpfer spreizen Mittel- und Zeigefinger zum Victory-Zeichen. An den ausgestreckten Armen sieht es aus wie ein "Ypsilon". Als erstmals Bilder von der CDU über den Flachbildfernseher an der Stirnseite des Saals flimmern, skandieren die Sozialdemokraten: "So sehen Loser aus".

Mitten in der schwitzenden Menschenmenge steht ein aufrechter, älterer Herr. Sozialdemokrat seit 55 Jahren."Das ist der schönste Wahlkampf, den ich erlebt habe", sagt Erich Meffert aus Limburg. "Andrea Ypsilanti hat das Soziale aufgegriffen, das hat mir als alten Sozialdemokraten in der letzten Zeit gefehlt." Meffert ist 82 Jahre alt. Er hat persönlich in der Innenstadt die Ypsilanti-Plakate geklebt. "Und soll ich ihnen mal etwas sagen? So schön war Limburg noch nie." Noch ist zu diesem Zeitpunkt nicht klar, in welcher Konstellation Hessen nach diesem Abend regiert wird. Rot-Grün? Große Koalition? Oder doch Schwarz-Gelb? Die blanken Fakten jedoch sprechen heute Abend zuerst für Andrea Ypsilanti. Ihre SPD gewinnt mehr als acht Prozent, die CDU verliert zwölf Prozent. Als sie um viertel vor sieben auf dem Weg zum Fraktionssaal einbiegt, feuern Blitzlichter durch den Raum. Vor ihr stellen sich mehr als ein Dutzend Kameraleute auf, die Scheinwerfer bauen eine Wand aus Licht. Zwei Minuten braucht sie für die zwanzig Meter zur Bühne. Oben angelangt, sagt sie: "Die Sozialdemokraten sind wieder da." Wieder Jubel. Ypsilanti kann ihre eigenen Parteifreunde vor lauter Kamerateams nicht sehen. Aber hören.

18 Uhr, CDU-Sitzungssaal

"Uaahg", "Ooooh", dann: Stille. Die erste Prognose, wonach die CDU mehr als zehn Prozent verloren hat - und noch hinter der SPD liegt - trifft die Konservativen wie ein Tritt in den Magen. Ratlosigkeit. Fassungslosigkeit. Jeder wusste, dass Roland Koch seine absolute Mehrheit nicht würde verteidigen können. Aber ein Crash? Ausflüchte. Roland Kochs Kampagne zur Ausländergewalt habe nicht geschadet, behauptet Christean Wagner, Fraktionschef der CDU im hessischen Landtag. Er sei besorgt, weil Koch im Wahlkampf so übel diffamiert worden sei, als "Rassist" und "Brandstifter". Koch, ein Opfer? Man müsse abwarten, sagt Wagner. Bis die Wahlergebnisse sicher seien.

Klaus Schröbel vom hessischen CDU-Wirtschaftsrat stehen Schweißperlen auf der Stirn, obwohl der Saal weder voll noch heiß ist. Schröbel spricht anerkennend über Christian Wulffs Kuschelwahlkampf in Niedersachsen - und sagt mit Blick auf Koch: "Manchmal ist weniger mehr". Deutlicher kann oder will Schröbel nicht werden. Antonin Finkelburg arbeitet für die Berliner CDU-Geschäftsstelle. Die Berliner fragen sich, ob Kronprinz Koch ein Kronprinz bleibt, ob er Merkel eines Tages beerben könnte. "Es gibt keine Personaldiskussion, egal, wie es ausgeht", sagt Finkelburg trotzig. Es sei doch ein großer Erfolg, dass die CDU die "Kommunisten" aus dem Landtag herausgehalten habe. Aber selbst das ist noch nicht sicher. Die Linkspartei schrappt nach den ersten Prognosen an der Fünf-Prozent-Marke. Die große Bühne im Hintergrund des Saals - sie bleibt gähnend leer. Keiner der hessischen CDU-Granden tritt ans Mikrofon, um die enttäuschte Anhängerschaft zu trösten. Gespräche finden am Rande statt, Redakteure und Kameraleute versuchen, überhaupt jemanden zum Reden zu bringen. Dieter Weirich, ehemaliger Intendant der Deutschen Welle, saß fünfzehn Jahre lang für die CDU im hessischen Landtag und im Bundestag. Er hat kein Amt und keine Position, er kann frei reden. "Einen so beschissenen Wahlkampf habe ich noch nie erlebt", sagt Weirich in kleiner Runde. "Ich habe körperlich darunter gelitten." Niemand sonst erlaubt sich solche Worte.

Der Fraktionssaal der CDU liegt im fünften Stock, ein großes Rechteck mit Panorama-Fenstern zu beiden Seiten. Der Blick fliegt über die Dächer der Stadt, solange es hell ist. Inzwischen ist dunkel. Das Gerücht macht die Runde, Koch wolle sprechen. Der Raum füllt sich mit jeder Sekunde. 19. 30 Uhr. "Roland! Roland!"-Sprechchöre, Applaus. Koch bahnt sich einen Weg zur Bühne. Er wirkt gefasst. Blickt aber zu Boden. "Natürlich ist das Ergebnis nicht einfach - und für mich persönlich nicht einfach", sagt Koch. Aber die Wahl sei noch nicht entschieden. Man müsse das Ergebnis abwarten. Dann greift er Wagners Argumentationslinie auf. Er habe unter einer "Diffamierungskampagne" zu leiden gehabt, er habe die Angriffe von "drei Linksparteien" ertragen müssen. Koch, ein Opfer? Er trage die Verantwortung, sagt Koch. Es wird für ihn noch ein langer Abend werden.

Liebe Leser,

leider ist uns bei der Bildauswahl am Wahlabend ein Fehler unterlaufen. Auf dem ursprünglichen Bild zu diesem Text waren Anhänger der FDP zu sehen. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen und danken für die Hinweise.

Die stern.de-Redaktion

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(

Von:

und Sebastian Christ