Wahlkampf "Bökel - weil die SPD keinen anderen hat"


Während sich Roland Koch schon siegessicher gibt, kämpft sein Herausforderer Gerhard Bökel mit mangelnder Bekanntheit. Das Satiremagazin "Titanic" leistete Schützenhilfe und zog als Bökel in den Wahlkampf.

Der Wahlkampf in Hessen läuft auf Hochtouren. Doch während sich CDU-Spitzenkandidat Roland Koch schon siegessicher gibt, kämpft sein SPD-Herausforderer Gerhard Bökel mit mangelnder Bekanntheit. Nun bekam der SPD-Politiker vom Satiremagazin "Titanic" unerwartet Schützenhilfe: Ausgerüstet mit billigen Polyester-Anzügen, Nelken, Postkarten und selbst beklebten Zündholzschachteln gingen die Redakteure als Gerhard Bökel in Frankfurt auf Stimmenfang.

So suggestiv wie die SPD

"Ich habe noch nie einen so vergurkten Wahlkampf gesehen", kommentiert "Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn die Idee zum Haustürwahlkampf. Da Bökel in einem Fernsehinterview die Meinung vertreten habe, dass er bei 67 Prozent der Hessen bekannt sei, "sind wir auf die 33 Prozent der Bevölkerung losgegangen, die ihn nicht kennen." Mit durchschlagendem Erfolg: Alle dachten, dass der echte Bökel vor ihnen stand.

"Warum nicht mal Bökel wählen, na?", "Bökel - weil die SPD keinen anderen hat", "Mein Motto - ihr Motto", "Ich erledige ihre Einkäufe für Sie" und "Bökel - bekannt durch diese Karte" stand auf den Postkarten, mit denen die Redakteure abwechselnd als SPD-Spitzenkandidat Bökel im Frankfurter Stadtteil Bornheim um Stimmen warben. "Wir waren ungeheuer suggestiv, wie die SPD das so macht", sagte Sonneborn. "Die Wähler trauen der SPD solche Mottos offensichtlich zu." Zu mehr als Postkarten und beklebten Streichholzschachteln habe es aber nicht gereicht. "Wir wollten es nicht zu teuer werden lassen, weil das Ruder eh nicht mehr rumgerissen werden kann."

Ähnlichkeit der "Titanic"-Bökels mit dem SPD-Politiker waren dabei weder beabsichtigt noch vorhanden: Einer der Redakteure trage sogar fünf rote Bärte, berichtet der Chef des Satire-Magazins. Dennoch war der Wiedererkennungswert offenbar groß: "Einer hat sogar zu mir gesagt ’ich hab Sie neulich im Fernsehen gesehen’", freut sich Sonneborn über die ungewohnte Popularität.

Als "Bökels Neue" ging auch eine Frau mit auf Stimmenfang. "Wir wollten das offensiver angehen als Schröder", sagt Sonneborn. Mit dem Spruch: "Guten Tag, ich bin Gerhard Bökel, und das ist meine Neue" habe er die Kollegin vorgestellt. "Die Leute fanden das etwas gewagt, haben es aber positiv aufgenommen."

Einige Leute, darunter auch die Frau eines SPD-Ortsvorstehers, hätten den "Titanic"-Bökels allerdings vorgeworfen, dass die Partei im Wahlkampf zu wenig präsent sei. Immer wieder hätte es geheißen: "Man sieht nichts von Euch", berichtet Sonneborn.

Das Resultat der Aktion: Von den rund 20 Personen, die angesprochen wurden "haben 15 Leute versprochen, SPD zu wählen", meint Sonneborn stolz. "Und das innerhalb von zwei Stunden".

Der echte Bökel nahm die "Titanic"-Aktion mit Humor und war auch zu einem Interview gemeinsam mit dem Chef des Satiremagazins bereit. Mit rund 70 Prozent verfüge der SPD-Spitzenkandidat zwar über einen "ganz ordentlichen Bekanntheitsgrad", betonte der Sprecher des SPD-Landesverbandes, Gert-Uwe Mende. Aber: "Es gibt Klischees, und es gibt Zahlen."Sein Wunsch für die "Titanic": "So viele Abonnenten, wie wir am Wahlabend Stimmen haben."


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