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Keine Neuinfektionen Was macht Jena anders? Wie die Großstadt mit einer Maskenpflicht das Coronavirus in Griff hält

Dr. Zinn erklärt, wie man seine Schutzmaske richtig desinfiziert
Jena wird im Kampf gegen das Coronavirus eine Vorreiterrolle zugeschrieben. Die thüringische Stadt meldet keine Neuinfektionen. Wie machen die das? Bürgermeister Thomas Nitzsche hat eine Erklärung.

Die Fallzahlen müssen sinken, alles andere ist Wind und nichts – so lautet das Mantra des Robert Koch-Instituts (RKI) seit Beginn der Coronapandemie in Deutschland. Besonders erfolgreich im Kampf gegen das Virus: die thüringische Stadt Jena. Hier werden praktisch keine Neuinfektionen gemeldet, seit mehreren Tagen in Folge. 

Keine weiteren Fragen, außer: Wie machen die das?

Kurz: "Wir haben in Jena sehr, sehr früh eine ganz, ganz strikte Eindämmungspolitik betrieben", bricht Bürgermeister Christian Gerlitz die Erfolgsformel im Gespräch mit BR24 herunter.

Ausbuchstabiert: Man habe die häusliche Quarantäne angeordnet, und nicht nur dringend empfohlen, und die Risikogebiete des RKI zum Teil weiter gefasst als das Institut selbst. "Mitte bis Ende März hatten wir sehr stark steigende Fallzahlen, weil wir auch viel getestet haben", erläutert Bürgermeister Gerlitz, "aber dann haben wir recht rasch ein stabiles Niveau erreicht."

Die Maßnahmen zeigten offenbar Wirkung. Nach Angaben von "Jena TV" (Stand: 20. April) zähle Jena 155 Infizierte, zwei Personen befänden sich auf stationärer Behandlung. Insgesamt gebe es drei Todesfälle und 124 Genesene.

"Wir wussten aber auch, dass die Fallzahlen deutschlandweit massiv steigen. Und so haben unser Universitätsklinikum und unser Gesundheitsamt vorgeschlagen, die Mund-Nasen-Bedeckung verpflichtend in der Stadt Jena als flankierende Maßnahme einzuführen." Gerlitz: "Gesagt, getan."

Jena in der Vorreiterrolle

In der Tat: Jena lässt sich bei der Maskenpflicht eine Vorreiterrolle zuschreiben, als erste Großstadt (knapp 110.000 Einwohner) führte sie diese bereits am 2. April schrittweise ein (der stern berichtete). Viele Landesregierungen ziehen (erst) in diesen Tagen nach, verfügen in der Regel über eine Mund-Nasen-Bedeckung im ÖPNV und in Geschäften. Während in Jena schon seit Ostern die Regelungen auch in geschlossenen Räumen, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum gelten – vorausgesetzt, dass nicht gewisse Mindestflächen und ein Abstand von 1,5 Metern gewährleistet werden können. Maskenpflicht für ganz Deutschland? 

Auch in Jena seien medizinische Mund- oder Atemschutze kein Muss. Es könnten auch selbst genähte Masken, Schals oder Tücher getragen werden. "Damit da keine Konkurrenzsituation mit den Kliniken und den Pflegeeinrichtungen eintritt", erklärt Bürgermeister Gerlitz im Gespräch mit BR24. Die Bürgerinnen und Bürger selbst seien "sehr aktiv" geworden, hätten Masken selbst genäht. Die Stadt habe aber auch in der ersten Woche mehr als 10.000 einfache Masken erworben, die man dem Einzelhandel und den Sozialverbänden zur Verfügung gestellt habe, "um die Menschen, die sich nicht selbst schnell genug versorgen können, mit einer Maske auszustatten." 

Flankiert werden die Maßnahmen von: Fakten, Fakten, Fakten. "Sie sehen hier kaum ein Großplakat oder eine Laterne, an der es keine Informationen über die Coronapandemie gibt." Man kommuniziere täglich "auf allen Kanälen", über die Tagespresse, soziale Netzwerke, auf der Internetseite. 

"Wie bei jeder Krankheit gilt: Der Rückfall ist das Schlimmste"

Sein wichtigster Tipp an andere Bundesländer, die eine Mund-Nase-Bedeckung verpflichtend einführen? "Keine Sorge davor zu haben, dass es zu sehr einschränken würde oder dass es nicht funktionieren würde." Entsprechende Sorgen, die Bürgerinnen und Bürger in Jena würden diese aufgrund fehlender Vergleichswerte nicht akzeptieren, hätten sich schnell zerstreut. "Die Menschen sehnen sich danach, dass wir möglichst rasch zu mehr Normalität zurückkehren können. Und die Mund-Nasen-Bedeckung kann zweifellos dabei helfen, rascher andere Maßnahmen wieder lockern zu können", so Bürgermeister Gerlitz. "Bis heute haben wir in Jena kein einziges Bußgeld verhängen müssen, weil sich jemand resistent gegen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung verweigert hat."

Doch Gerlitz will sich nicht auf den ersten Erfolgen in Jena ausruhen. Was jetzt zähle, sei: "nicht unvorsichtig werden." Man solle die Maßnahmen nach wie vor respektieren, so sein Appell an die Bürgerinnen und Bürger bei "Jena TV". "Es wäre ein Jammer, wenn wir jetzt durch ein zu schnelles unvorsichtig werden die Erfolge, die wir heute sehen, wieder infrage stellen würden. Wie bei jeder Krankheit gilt: Der Rückfall ist das Schlimmste."

Quellen:BR24, "Focus Online"

fs

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