HOME

Weniger Englisch im Verkehr: Deutsche Bahn wird deutscher

Die Deutsche Bahn will in Zukunft sparsamer mit Begriffen in englischer Sprache umgehen.

Dies habe Bahn-Chef Rüdiger Grube in einem Schreiben an den bayerischen Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken (CSU) erklärt, sagte ein Bahn-Sprecher am Dienstag in Berlin. Anstatt Counter nutze der Konzern mittlerweile wieder den Begriff "Schalter", statt Hotline etwa "Service-Rufnummer" und anstelle von Flyer "Broschüre". Auslöser dafür sei nicht der Briefkontakt mit dem Abgeordneten gewesen, der Vorgang sei dadurch lediglich öffentlich geworden. Der Konzern bemühe sich schon länger darum, wo es gehe auf deutsche Begriffe zu setzen.

Ziel des Unterfangens sei, "eine maximale Verständlichkeit gegenüber unseren Kunden zu erreichen", sagte der Bahn-Sprecher. Einige eingebürgerte Begriff englischer Herkunft würden aber auch in Zukunft bleiben. Beispielsweise werde die viel genutzte Bahncard auch in Zukunft ihren Namen behalten, ebenso die Intercity-Züge. Auch "Call a bike" sei eine solche Ausnahme, werde jedoch mit dem Zusatz "das Mietrad-Angebot der Deutschen Bahn" ergänzt. Daneben werde es wegen der vielen Fahrgäste aus anderen Ländern in Fernverkehrszügen auch weiterhin Durchsagen auf Englisch geben.

Hintergrund des Briefkontakts zwischen Bahn-Chef Grube und dem Straubinger Bundestagsabgeordneten Hinsken ist eine Diskussion um eine Kurzparkzone am Bahnhof in der bayerischen Stadt. Diese trug die laut Bahn-Sprecher "international gängige" Bezeichnung "Kiss & Ride" - zu Deutsch etwa: küssen und wegfahren. Ein Lehrer vor Ort war über die Verwendung des missverständlichen Begriffs verärgert und wandte sich deswegen an Hinsken. Hinsken wiederum leitete die Beschwerde direkt in die Führungsetage der Bahn mit der Frage weiter, ob der Konzern keine deutschen Begriffe verwenden könne. Die Bahn hatte den Begriff "Kiss & Ride" eigenen Angaben zufolge nicht genutzt.

Die Bahn hatte in den vergangenen Jahren viele englische Begriff in ihrer Kundenkommunikation eingeführt. Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte 2007 vom Verein Deutsche Sprache den Titel "Sprachpanscher des Jahres" verliehen bekommen.

AFP / AFP