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Wolf Biermann im Bundestag Neues vom Drachentöter


Die Freiheit nehm ich mir - Wolf Biermann tritt im Bundestag als Sieger der Geschichte auf und rechnet mit der Linken ab. Angela Merkel und Sigmar Gabriel gratulieren.
Von Axel Vornbäumen

Wolf Biermann hat im Bundestag "Du lass Dich nicht verhärten, in dieser harten Zeit" gesungen. Aber bevor er seinen Ermutigungs-Klassiker aus Mauer-Zeiten in die Seelen der gesamtdeutschen Abgeordneten klampft - da redet er, der Wolf. Und wie. Denn das Reden hat er sich noch nie verbieten lassen. Damals nicht in der DDR und heute nicht von Norbert Lammert, dem Bundestagspräsidenten. Der hatte ihn eingeladen. Ganz ohne Hintersinn kann das nicht gewesen sein. Dazu ist Lammert, der Christdemokrat, zu klug.

Ein freies Land. Ein freier (Bier-)Mann. So wird es tatsächlich eine denkwürdige Stunde, diese Debatte aus Anlass des Mauerfalls vor 25 Jahren, die sich dank des allzeit zornigen Barden um den Wert des freien Wortes an sich dreht - und, ja, auch um all jene Verhärtungen, die wohl nie mehr ganz verschwinden werden. Und die deshalb immer noch politisch sind. Biermann, der große Dissident, wer sonst, darf diese Verhärtungen benennen.

Gern geduldeter Bruch des Protokolls

Und so nimmt sich der Liedermacher die Linke vor - wie erwartet (und klammheimlich wohl auch erhofft). Und er tut das mit dem biermannschen Maß an Unversöhnlichkeit - wie gewohnt. Er spricht ihr ab, links zu sein. Er nennt sie den "elenden Rest", die "Drachenbrut", die er, Biermann als "Drachentöter" nicht mehr niederschlagen könne - "die sind schon geschlagen".

Wer das bereits für einen Eklat hält, wie manche vorschnell meinen, der hat nichts von Rollenprosa verstanden. Wolf Biermann - das war unüberhörbar - sprach sein herablassendes Verdikt eindeutig als Sieger der Geschichte. Dazu hatte man ihn eingeladen, seinen mangelnden Respekt vor dem parlamentarischen Protokoll wohl einkalkulierend.

Als er fertig ist, mit Singen, kommen Angela Merkel und Sigmar Gabriel zum Gratulieren. Die Umarmungen wirken warm, spontan, sie wirken echt. Man wird den Eindruck jedenfalls so schnell nicht mehr los, dass ihnen das Lied sehr gut gefallen haben muss - vor allem aber: dass da aber mal einer den beiden aus tiefster Seele gesprochen hat.


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