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Wulff, Merkel und der Integrationsgipfel: Thilo Sarrazin wirft mit Kritik um sich

Der frühere Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat Bundespräsident Christian Wulff in der Integrationsdebatte scharf angegriffen. In einem Interview der "Bild am Sonntag" bezeichnete er die These Wulffs, dass der Islam zu Deutschland gehört, als falsch.

Thilo Sarrazin kann es nicht lassen: Im Interview mit der "Bild am Sonntag" kritisiert der frühere Bundesbank-Vorstand Bundespräsident Wulff für dessen Äußerungen zur Integrationsdebatte. "Die deutsche Kultur ist weitgehend ohne Bezug auf den Islam entstanden." Sarrazin warf Wulff zudem vor, sich während seiner Türkei-Reise nicht deutlich genug zur Diskriminierung von Christen geäußert zu haben. "Der Bundespräsident hat über diese nicht sehr erfreulichen Zustände eine Harmonie-Kitsch-Sauce gegossen."

Außerdem fordert Sarrazin in dem Interview, integrationsunwilligen Migranten staatliche Zuwendungen komplett zu streichen. "Nach meiner Überzeugung zieht die Möglichkeit des Zuzugs in unsere Sozialsysteme die falsche Art von Migranten an", sagte Sarrazin. Er regte an, nach dem Vorbild der USA oder Kanadas den Bezug von Sozialleistungen für Einwanderer ganz oder für längere Übergangsfristen ausschließen. "Dann kommen nur noch die zu uns, die von ihrer Hände oder Köpfe Arbeit leben und sich deshalb besser integrieren", sagte der SPD-Politiker.

Nach seinen Worten gehen die Druckmittel auf intergrationsunwillige Zuwanderer nicht weit genug. Er schlug unter anderem vor, in allen öffentlichen Dienststellen Hinweise in türkischer oder arabischer Sprache abzuhängen. "Denn wer seinen Antrag auf einen Personalausweis oder auf Sozialhilfe nicht auf Deutsch ausfüllen kann, hat bei uns nichts verloren", sagte Sarrazin weiter. Entsprechend stieß auch das Konzept des Integrationsgipfels der Bundesregierung am kommenden Mittwoch auf seine Kritik: "Wenn Sie Probleme lösen wollen, müssen sie auch Maßnahmen ergreifen, die wehtun", sagte er "Bild am Sonntag". Das aber gehe in Runden wie dem Integrationsgipfel, die grundsätzlich auf Konsens angelegt seien, nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für kommenden Mittwoch 115 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Sport und von Migrantenverbänden eingeladen. Hauptthemen sollen Sprache, Bildung, Arbeitsmarkt und Integration vor Ort sein. Die Runde will sich vornehmen, bis nächstes Jahr einen Aktionsplan zur Verbesserung der Integration von Ausländern zu erarbeiten.

AFP/DPA / DPA