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Zentralrat der Juden wählt neue Führung Knobloch erwartet "keine Zäsur"

Am Sonntag wählt der Zentralrat der Juden eine neue Führung. Alles spricht dafür, dass der bisherige Vize Dieter Graumann gewählt wird. Zum ersten Mal könnte ein Präsident an der Spitze des Gremiums stehen, der die Schrecken des Nationalsozialismus nicht mehr mit eigenen Augen erlebt hat.

Die scheidende Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, sieht nach eigenen Worten "keine Zäsur" darin, dass nach ihr erstmals kein Holocaust-Überlebender mehr an der Spitze des Rats steht. Ihr voraussichtlicher Nachfolger Dieter Graumann habe zwar "die Schrecken des Nationalsozialismus nicht selbst erlebt, aber er ist mit den Erzählungen seiner Eltern aufgewachsen", sagte Knobloch der "Augsburger Allgemeinen" vom Samstag. "Insofern sehe ich keine Zäsur." Der bisherige Zentralratsvize Graumann soll am Sonntag auf einer Ratsversammlung in Frankfurt am Main zum Nachfolger Knoblochs gewählt werden. Er wird der erste Präsident sein, der den Holocaust nicht selbst erlebt hat.

Der Zentralrat der Juden werde sich auch künftig mit dem Thema Holocaust beschäftigen, sagte Knobloch. Sie betonte zugleich, die Erinnerung dürfe nie Selbstzweck sein. Ihr persönlich sei es immer darum gegangen, jungen Menschen etwas Positives zu vermitteln. "Ich kann ihnen berichten, dass es Menschen gab, die in dieser furchtbaren Zeit unter Einsatz ihres Lebens andere Menschen gerettet haben - wie mich", sagte die 78-Jährige. Knobloch hatte die Nazi-Zeit versteckt auf einem Bauernhof in Mittelfranken überlebt.

Sie appelliere an die junge Generation, sich aktiv in der Gesellschaft einzumischen, sagte die scheidende Zentralratspräsidentin. "Junge Menschen sollten dringend die politische Zukunft ihres Landes mitgestalten, weil sie allen Grund haben, dieses Land zu schätzen, dieses Land zu ehren, sogar dieses Land zu lieben."

Knobloch warnte, dass Antisemitismus nach wie vor ein Problem in Deutschland sei. "Dass diese braunen Banden verschwinden, habe ich leider nicht erreicht", sagte die 78-Jährige. Sie forderte ein NPD-Verbot und eine Verschärfung des Versammlungsgesetzes. Es sei "unerträglich, wenn die Neonazis ungehindert durch unsere Städte stiefeln und jeder von ihnen von fünf Polizisten geschützt wird".

AFP AFP

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