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Die Morgenlage Kretschmann plädiert für kürzere Schulferien – um Corona-Wissenslücken zu schließen

RKI registriert fast 12.000 Corona-Neuinfektionen +++ Amazon eröffnet in London ersten Laden ohne Kassen in Europa +++ SpaceX-Rakete explodiert nach scheinbar erfolgreicher Landung +++ Die Nachrichtenlage am Donnerstagmorgen. 

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

in Deutschland wird es nach dem Bund-Länder-Gipfel erste vorsichtige Lockerungen des Corona-Lockdowns geben – grundsätzlich bleibt er aber bestehen, und die Einschränkungen können ebenfalls rasch wieder verschärft werden. Und kaum ist der Gipfel vorbei, geht eine neue Debatte los: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann schlägt eine Verkürzung der Schulferien vor.

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag:

RKI registriert 11.912 Corona-Neuinfektionen und 359 neue Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 11.912 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 359 weitere Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von heute hervor. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 11 869 Neuinfektionen und 385 neue Todesfälle verzeichnet.

Lockdown wird aufgeweicht – Impfen und Testen sollen Sicherheit geben

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Ministerpräsidenten am späten Mittwochabend in mehr als neunstündigen Verhandlungen beschlossen. Vereinbart wurde eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse: Führen in einer Region einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen, werden dort automatisch alle schon erfolgten Erleichterungen wieder gestrichen. Alle Einzelheiten zum Stufenplan lesen Sie hier.

Kretschmann für kürzere Schulferien zur Schließung von Corona-Wissenslücken

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat eine Verkürzung der Schulferien vorgeschlagen, um Bildungsdefizite wegen Corona-Schließungen aufzuholen. "Man könnte an den Ferien ein bisschen was abknapsen, um Unterrichtsstoff nachzuholen", sagte der Grünen-Regierungschef in einem Interview mit dem "Mannheimer Morgen" (heutesausgabe). Eine Verkürzung der Sommerferien sei denkbar.

Er fürchte, dass tiefe Schäden in der Bildung und der Psyche der Kindern entstanden seien, sagte Kretschmann der Zeitung. "Wir müssen uns verstärkt um diese Kinder kümmern, wenn der Unterricht wieder normal läuft. Das wird eine große Aufgabe."

Biden kritisiert Corona-Lockerungen als "Neandertaler-Denken"

US-Präsident Joe Biden hat die Lockerung von coronabedingten Beschränkungen in mehreren US-Bundesstaaten kritisiert und den zuständigen Gouverneuren „Neandertaler-Denken“ vorgeworfen. „Ich glaube, dass es ein großer Fehler ist“, sagte der Demokrat am Mittwoch (Ortszeit) im Weißen Haus zur Aufhebung von Restriktionen in Texas und Mississippi. Erst Ende Mai werde es genug Impfstoff geben, um alle erwachsenen Amerikaner impfen zu können. „Das letzte, was wir brauchen, ist ein Neandertaler-Denken, dass in der Zwischenzeit alles in Ordnung ist.“ Es sei „entscheidend“, die von der Wissenschaft empfohlenen Schutzmaßnahmen zu befolgen.

Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hatte am Dienstag angekündigt, die Maskenpflicht und alle Kapazitätsgrenzen für Restaurants und andere Betriebe in seinem Bundesstaat aufzuheben. Auch der republikanische Gouverneur von Mississippi, Tate Reeves, hatte erklärt, alle Anordnungen zum Tragen von Masken und Kapazitätsgrenzen für Restaurants und Firmen würden beendet. Weitere Bundesstaaten, darunter Ohio und Michigan, kündigten zumindest Lockerungen ihrer Corona-Auflagen an.

Impfung der Schwestern von König Felipe VI. sorgen für Empörung in Spanien

Die Schwestern von König Felipe VI. haben sich außer der Reihe in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegen das Coronavirus impfen lassen und damit für Empörung in Spanien gesorgt. Prinzessin Elena und Prinzessin Cristina bestätigten am Mittwoch, dass sie sich während eines Besuchs bei ihrem Vater Juan Carlos im Februar in Abu Dhabi impfen ließen. Sie hätten dies aber nur getan, um ihn künftig regelmäßig besuchen zu können.

Israel gibt Iran Schuld an massiver Ölverschmutzung

Israel hat dem Iran die Schuld an einer massiven Ölverschmutzung vor seiner Küste gegeben. "Ein Piratenschiff unter libyscher Flagge, das aus dem Iran kam, ist dafür verantwortlich", teilte Umweltschutzministerin Gila Gamliel am Mittwoch auf Twitter mit. Es handle sich um "Umweltterrorismus". Im Februar waren Tonnen von Teer auf einer Länge von 160 Kilometern an die israelische Küste zwischen Rosch Hanikra und Aschkelon gespült worden. 

Das fragliche Schiff sei in "Israels Sonderwirtschaftszone eingedrungen" und habe das Meer mit Absicht verschmutzt, sagte die Verbündete von Regierungschef Benjamin Netanjahu, der selbst eine harte Haltung gegenüber dem Iran vertritt.

Entsetzen über Tote in Myanmar

In Myanmar herrscht nach dem bisher blutigsten Tag seit dem Militärputsch vor einem Monat Entsetzen über die Gewalt der Sicherheitskräfte. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind allein am Mittwoch 38 Menschen ums Leben gekommen, als die Polizei in verschiedenen Landesteilen mit scharfer Munition auf Demonstranten schoss. „Heute war der schwärzeste Tag seit dem Putsch am 1. Februar“, sagte die UN-Sonderbeauftragte Christine Schraner Burgener.

Auf Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Polizisten wahllos auf Menschen zielten und Leichen über den Boden schleiften. Auch Schraner Burgener berichtete von „sehr verstörenden“ Videos, auf denen Gewalt und das offensichtliche Erschießen eines Protestierenden zu sehen gewesen sei. „Es scheint so, dass die Polizei Waffen wie Neun-Millimeter-Maschinenpistolen, also scharfe Munition, einsetzt.“

SpaceX-Rakete explodiert nach scheinbar erfolgreicher Landung

Minuten nach seiner Landung im US-Bundesstaat Texas ist ein unbemannter Prototyp einer neuen Rakete des Unternehmens SpaceX explodiert. In einer Videoübertragung des Unternehmens war am Mittwoch (Ortszeit) zu sehen, wie Flammen aus der Rakete SN-10 schlugen, nachdem sie nach einem Testflug zunächst erfolgreich aufgesetzt war. Es ist bereits die dritte gescheiterte Landung der Starship-Rakete in Folge. Das Unternehmen gab zunächst keine Erklärung zu dem Fehlschlag ab.

Amazon eröffnet in London ersten Laden ohne Kassen in Europa

Amazon bringt Supermärkte ohne Kassen mit einem ersten Geschäft in London nach Europa. Der Laden unter dem Markennamen Amazon Fresh soll heute eröffnen, wie die Agentur PA unter Berufung auf das Unternehmen meldete. Weitere Geschäfte seien in der britischen Hauptstadt in Planung. Das Konzept gleicht den Amazon-Go-Läden in den USA. Kunden nehmen einfach Artikel aus dem Regal und verlassen das Geschäft. Kameras und andere Sensoren wie Waagen in den Regalböden registrieren, wer welche Waren mitgenommen hat. Der Preis wird nach Verlassen des Ladens per App abgebucht.

Das wird heute wichtig:

Kurz und Frederiksen reisen für Impfstoff-Gespräche nach Israel

Die Regierungschefs der EU-Länder Österreich und Dänemark reisen für Gespräche über eine engere Impfstoff-Zusammenarbeit nach Israel. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz und die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wollen mit Regierungschef Benjamin Netanjahu darüber diskutieren, wie die drei Länder bei der Erforschung und Produktion von Impfstoffen und Medikamenten enger kooperieren können. Das Treffen war für 15 Uhr (MEZ) geplant, Statements vor der Presse für 16 Uhr (MEZ).

Bundestag soll erneut "epidemische Lage" feststellen

Der Bundestag soll um 9 Uhr über eine weiter bestehende "epidemische Lage von nationaler Tragweite" wegen der Corona-Pandemie entscheiden. Ein Antrag von Union und SPD sieht vor, dies erneut festzustellen. Die Koalitionsfraktionen verweisen auch auf das Auftreten neuer, ansteckenderer Virus-Varianten. Diese Ausnahmelage gibt dem Bund besondere Befugnisse, direkt und ohne Zustimmung des Bundesrates Verordnungen zu erlassen, etwa zu Tests und Impfungen. Der Bundestag hatte die "epidemische Lage" erstmals am 25. März 2020 festgestellt und dies im November erneut bestätigt.

Lufthansa zieht Corona-Bilanz 

Mitten im Lockdown-Winter mit sehr wenig Flugverkehr zieht der Lufthansa-Konzern heute seine Bilanz für das von der Corona-Pandemie geprägte Horror-Jahr 2020. Wegen der zahlreichen Flugabsagen und andauernden Reisebeschränkungen werden deutlich gesunkene Umsätze und Verluste in Milliardenhöhe erwartet. Bereits nach neun Monaten hatte der staatlich gestützte M-Dax-Konzern einen Verlust von 5,6 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 11 Milliarden Euro angehäuft. Mit dem ebenfalls schwierigen Schlussquartal erwarten die Analysten nun Gesamterlöse um die 13,8 Milliarden Euro nach 36,4 Milliarden Euro im Jahr zuvor.

Khashoggi-Prozess in Istanbul geht weiter

Im Fall des vor mehr als zwei Jahren brutal ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi geht in Istanbul ein Prozess gegen 26 Angeklagte weiter. Hauptbeschuldigte sind ein ehemaliger enger Berater von Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman und der ehemalige stellvertretende Geheimdienstchef des Landes. Ihnen wird vorgeworfen, andere Angeklagte zu Mord unter Folter angestiftet zu haben. Alle Angeklagten sind saudische Staatsbürger. Das Gericht verhandelt in ihrer Abwesenheit. Nach einem am Freitag veröffentlichten Bericht des US-Geheimdiensts hatte bin Salman die Operation zur Gefangennahme oder Tötung Khashoggis genehmigt. Saudi-Arabien wies dies als falsch zurück.

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Ihre stern-Redaktion

fs / anb DPA AFP

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