VG-Wort Pixel

Lockerungen, aber mit Notbremse Das ist der neue Öffnungs-Fahrplan von Bund und Ländern

An einem Tisch sitzen ein Mann und eine Frau im Freien, haben je ein Bier vor sich und blicken bei Sonne über einen See
Sehen Sie im Video: So sieht die Corona-Öffnungsstrategie aus.




Bund und Länder planen in ihrer Corona-Politik eine Kurswende. So soll eine weitaus höhere Sieben-Tage-Inzidenz als zentraler Wert bei der Öffnungsstrategie herangezogen werden als bislang. Künftig sollen auch bei Werten von unter 100 Öffnungen möglich sein. Bund und Länder gehen aber davon aus, mit der ausgeweiteten Impfung sowie Massen-Schnelltests eine Ausbreitung der Pandemie trotz weiterer Öffnungsschritte beherrschen zu können. Der Lockdown wird generell bis zum 28. März verlängert. Die Möglichkeit zu privaten Zusammenkünften mit Freunden, Verwandten und Bekannten wird aber ab 8. März wieder erweitert. Es sind nunmehr private Zusammenkünfte des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt möglich, jedoch auf maximal fünf Personen beschränkt. Kinder bis 14 Jahren werden dabei nicht mitgezählt. Nach den ersten Öffnungsschritten im Bereich der Schulen und Friseure, sollen in einem zweiten Schritt Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte einheitlich in allen Bundesländern dem Einzelhandel des täglichen Bedarfs zugerechnet werden. Mit entsprechenden Hygienkonzepten sollen sie wieder öffnen dürfen. Das Gleiche gilt für bisher noch geschlossene körpernahe Dienstleistungsbetriebe sowie Fahr- und Flugschulen. Abhängig von den Infektionszahlen soll ein dritter Öffnungsschritt möglich sein. Dies beginnt bereits bei einer 7-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern: Dazu gehören die schrittweise Öffnung des Einzelhandels und die Öffnung von Museen. Wenn es das Infektionsgeschehen erlaubt, soll ein vierter Öffnungsschritt folgen. Dieser beinhaltet die Öffnung der Außengastronomie, die Öffnung von Theatern, Konzert- und Opernhäusern sowie von Kinos. Auch kontaktfreier Sport im Innenbereich soll wieder möglich sein. In einem fünften Schritt - wieder abhängig vom Infektionsgeschehen - sollen weitere Lockerungen möglich sein. Zum Beispiel Freizeitveranstaltungen mit bis zu 50 Teilnehmern im Außenbereich. Sollten die Inzidenzen wieder deutlich steigen, sollen die Beschränkungen wieder verschärft werden. Die sogenannte Notbremse wird angezogen. Über weitere Lockerungen zum Beispiel für die Gastronomie und Hotels soll am 22. März beraten werden.
Mehr
Deutschland macht sich locker – aber unter Bedingungen. Bund und Länder haben sich auf Öffnungsschritte verständigt, die von der Entwicklung der Pandemie abhängen. Im Notfall greift eine Notbremse. Der Überblick.

Die Sehnsucht nach mehr Freiheit in der Coronakrise ist groß. Der Weg dorthin ist für manche aber kürzer als für andere. Wie schnell es geht, hängt von der Entwicklung der Infektionen im jeweiligen Land oder der Region ab. Bund und Länder haben Kriterien festgelegt, nach denen die Länder über weitere Öffnungsschritte entscheiden sollen. Mehrere Länder behalten sich Abweichungen ausdrücklich vor. Dort, wo Bund und Länder keine neuen Regelungen vereinbart haben, sollen die bisherigen Beschlüsse bis zum 28. März weiter gelten. Der Überblick.

Was sich zeitnah ändern soll

Tests: Bis Anfang April sollen Corona-Testmöglichkeiten deutlich ausgeweitet werden. Jeder soll mindestens einmal pro Woche einen kostenlosen Schnelltest machen können. Wer positiv getestet wird, muss sich isolieren und einen zuverlässigeren PCR-Test machen. Beide Tests sollen gratis sein.

Homeoffice: Die Pflicht für Arbeitgeber, ihren Beschäftigten wann immer möglich das Arbeiten daheim zu erlauben, soll bis zum 30. April verlängert werden.

Impfungen: Ab der zweiten Märzwoche soll es Regelungen geben, damit auch einzelne niedergelassene Ärzte Menschen gegen Corona impfen können. Ab Ende März/Anfang April sollen die Haus- und Fachärzte mitimpfen und dabei auch über die Priorisierung vor Ort entscheiden.

Kontakte: Ab dem 8. März sollen sich maximal fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen. Paare sollen generell als ein Hausstand zählen - auch, wenn sie nicht zusammen wohnen. Sinkt die Inzidenz unter 35, können Treffen von bis zu zehn Personen aus drei Haushalten erlaubt werden. Kinder bis 14 Jahre kommen jeweils hinzu.

Angela Merkel spricht und gestikuliert

Die Notbremse

Wenn die 7-Tage-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 liegt, greift eine Notbremse. Dann gelten ab dem zweiten darauffolgenden Werktag wieder die Regeln, die bis zum 7. März griffen. Das heißt etwa im Fall der Kontakte: Ein Haushalt und eine weitere Person dürfen sich treffen, Kinder bis 14 Jahre ausgenommen.

Die weiteren Öffnungsschritte

Stufe zwei: Nachdem im ersten Schritt schon ab dem 1. März Schulen und Friseure geöffnet wurden, sollen nun (ab 8. März) auch Buchläden, Blumengeschäfte und Gartenmärkte sowie der Einzelhandel des täglichen Bedarfs öffnen dürfen. Bei größerer Ladenfläche sind mehr Kunden erlaubt. In manchen Bundesländern gibt es solche Öffnungen bereits.

Sogenannte körpernahe Dienstleistungen wie etwa Massagen sollen wieder erlaubt werden. Was genau gemeint ist, kann sich von Land zu Land unterscheiden. Auch der Unterricht in Fahr- und Flugschulen soll wieder losgehen. Kunden müssen einen tagesaktuellen Schnell- oder Selbsttest vorweisen, falls sie bei ihrem Termin die Maske nicht aufbehalten können (zum Beispiel bei Kosmetik oder Rasuren).

Weitere Öffnungsschritte liegen in der Entscheidung der Länder. Diese sehen so aus:

Stufe drei (frühestens ab 8. März):

  • Stabile 7-Tage-Inzidenz von unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner: Weitere Öffnungen landesweit oder regional im Einzelhandel, Museen, Galerien, Zoos, botanischen Gärten und Gedenkstätten möglich. Maximal 10 Personen sollen an frischer Luft kontaktfrei zusammen Sport treiben dürfen.
  • Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen bei mehr als 50 Neuinfektionen oder stabile oder sinkende Inzidenz von unter 100: Einzelhandel sowie Museen, Galerien, Zoos, botanische Gärten und Gedenkstätten können Termine zum Einkauf oder Besuch vergeben. Maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten können draußen gemeinsam Sport treiben. Bei Kindern bis 14 Jahren ist eine Gruppe von bis zu zwanzig erlaubt.

Stufe vier (frühestens ab 22. März): Voraussetzung ist eine 7-Tage-Inzidenz, die sich in der dritten Stufe 14 Tage lang nicht verschlechtert hat.

  • Inzidenz stabil unter 50 Neuinfektionen: Öffnung von Außengastronomie, Theatern, Konzert- und Opernhäusern sowie Kinos. Kontaktfreier Sport drinnen, Kontaktsport draußen erlaubt.
  • Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen bei mehr als 50 oder Inzidenz stabil oder sinkend unter 100 Neuinfektionen: Öffnung der Außengastronomie mit Terminbuchung. Ein tagesaktueller Covid-19-Test ist nötig, wenn sich mehrere Haushalte einen Tisch teilen, für den Besuch von Theatern, Konzert- und Opernhäusern sowie Kinos. Das Gleiche gilt für kontaktfreien Sport drinnen oder Kontaktsport draußen.

Stufe fünf (frühestens ab 5. April): Voraussetzung ist eine 7-Tage-Inzidenz, die sich in der vierten Stufe 14 Tage lang nicht verschlechtert hat.

  • Inzidenz stabil unter 50 Neuinfektionen: Freizeitveranstaltungen mit bis zu 50 Teilnehmern an frischer Luft, Kontaktsport drinnen.
  • Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen bei mehr als 50 oder stabile oder sinkende Inzidenz unter 100 Neuinfektionen: Weitere Öffnung des Einzelhandels mit Kundenbegrenzung, kontaktfreier Sport drinnen, Kontaktsport ohne Testzwang draußen.

Für die Stufen drei bis fünf gibt es – ähnlich der Kontaktregelung – eine Notbremse. Wenn die 7-Tage-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen bei über 100 liegt, gelten ab dem zweiten darauffolgenden Werktag wieder die Regeln, die bis zum 7. März griffen.

"Impfen, Testen, Notbremse" - Sehen Sie die PK zum Corona-Gipfel in voller Länge

Und so geht es weiter

Am 22. März wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten über das weitere Vorgehen beraten. Es soll dann um Gastronomie, Kultur, Veranstaltungen, Reisen und Hotels gehen.

fs DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker