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Kaiser Wilhelm II.: Der verhinderte Marinemaler

Schiffe malen blieb des Kaisers Lieblingshobby, nachdem er den ersten Weltkrieg und seine Krone verloren hatte. Eine Ausstellung des Freizeitkünstlers in Wilhelmshaven zeigt nun Werke mit einem "flotten Strich".

Schiffe versenken ließ er als kaiserlicher Kriegsherr, Schiffe malen blieb ein Lieblingshobby von Deutschlands letztem Kaiser Wilhelm II. (1859-1941), nachdem er den Ersten Weltkrieg und seine Krone verloren hatte. Eine öffentliche Ausstellung seiner Werke hat der prominente Freizeitkünstler nicht erlebt. Die holt jetzt die Kunsthalle Wilhelmshaven nach: Unter dem Titel "Kaiser Wilhelm II. als Zeichner und Maler" werden vom 14. September bis 16. November 40 Werke aus der künstlerischen Hinterlassenschaft des Kaisers präsentiert. Hauptleihgeber ist das niederländische Haus Doorn, Exilsitz des abgedankten Kaisers.

"Wenn ich das Talent gehabt hätte, wäre ich kein Kaiser, sondern Marinemaler geworden" - dieser Ausspruch zeugt von realistischer Selbsteinschätzung des wegen seiner Eitelkeit ansonsten eher belächelten Monarchen. Als "Strandgut der Geschichte" möchte Kunsthallenleiter Daniel Spanke seine "Spätentdeckung" verstanden wissen. Trotzdem riskiert der Kunsthistoriker ein seriös gemeintes Urteil über den ewigen Dilettanten: "Er war nicht unbegabt und hatte einen flotten Strich".

Kriegsschiffe im Kampf und griechische Mythologie

Den hatte der kleine Prinz mit dem verkrüppelten linken Arm früh geübt. Dank seiner malenden Mutter lernte Wilhelm bereits als Zehnjähriger unter professioneller Anleitung Zeichnen und Malen. "Wilhelm, P.v.P." signierte der Prinz von Preußen seine Werke. "I.R." (Imperator Rex) lautete das gelegentlich benutzte kaiserliche Kürzel. Die Skizzen zu seinen Bildern von Kriegsschiffen im Kampf mit Wind und Wellen brachte er von seinen zahlreichen Seereisen mit. Zur Abwechslung vom maritimen Einerlei dekorierte er Porzellanteller mit Kriegshelden der griechischen Mythologie. Linkische Karikatur- Versuche zielten auf den französischen Erbfeind.

Als Namensgeber der im Historismus schwelgenden "wilhelminischen Epoche" diktierte der Kaiser den Architekten öffentlicher Bauten sein auf Antike und Renaissance beschränktes Kunstverständnis. Denkmäler entwarf er eigenhändig, auch das des Admirals Gaspard de Coligny (1519-1572), das auf dem Platz vor der Kunsthalle der Marinestadt Wilhelmshaven steht. Der Admiral war zwar ein Franzose, aber immerhin um viele Ecken mit den Hohenzollern verwandt.

"Tragische Figur"

Künstlerische Abstecher ins Private erlaubte sich der abgedankte Kaiser erst im Exil. Für eine Buntstift-Zeichnung stand ihm seine zweite Ehefrau Hermine in der Aufmachung einer mondänen Dame der wilden nachkaiserlichen Berliner Halbwelt Modell. Wenigstens eine gewisse "Frivolität" könne man dem Zeichner und seinem Modell nicht absprechen, meint Spanke und hofft auf "unvoreingenommene" Betrachter mit Verständnis für die "tragische Figur" des verhinderten Marinemalers.

Karin Güthlein / DPA