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Juso-Postkarte mit Hoeneß und Merkel Heult doch!


Alle fallen über die Jusos her, weil sie es gewagt haben, Steuersünder Hoeneß und Kanzlerin Merkel anzurempeln. Hallo?! Es ist WahlKAMPF. WahlKUSCHELN hatten wir genug.
Von Andreas Hoidn-Borchers

Na also, geht doch. Der alte Polit-Holzschnitzer Klaus Staeck (von dem man gar nicht wusste, dass er noch aktiv ist) und die Jusos (von denen man gar nicht wissen wollte, ob sie noch aktiv sind) haben es tatsächlich geschafft, ein bisschen Farbe und Leben in diese bisher so öden Vorwahlwochen zu bringen. Der CDU-Generalsekretär schäumt ("schmutziges Spiel"), und der neuerdings ziemlich zart besaitete Spiegel heult in einem Kommentar rum: "Mit Politik hat das nichts zu tun." Da kann man nur sagen: Glückwunsch! Kleine Postkarte, große Wirkung. So soll es sein.

Was sehen wir? Wir sehen eine Dame und einen Herrn beim Händeschütteln. Der Herr muss gerade fürchten, dass er ein paar Jahre dafür büßen muss, dass er Steuern in nicht unbeträchtlicher Millionenhöhe hinterzogen hat. Die Dame führt eine Regierung an, die mit einem Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz dafür sorgen wollte, dass sich solche Steuernichtzahler straffrei und heimlich hinter den Kulissen von ihrer Schuld freikaufen können. Über dem Foto steht: "Glückwunsch, Uli. Wir steuern das schon."

Wahlkuscheln hatten wir genug

Gemein? Aber sicher. Und ungerecht. Und übertrieben. Und unfair. Undsoweiter. Ungefähr auf dem Niveau von Freiheit statt Sozialismus. Aber hey, es ist WahlKAMPF. WahlKUSCHELN haben wir jetzt lange genug gehabt. Man nennt es: POLARISIERUNG. Und wem das schon zu viel ist, der soll halt weiter darüber lamentieren, dass die Kanzlerin das ganze Wahlvolk einschläfert.

Natürlich ist das Staeck-Werk wie üblich eher mäßig originell und eingeschränkt witzig, da hat der SZ-Chefredakteur Kurt Kister schon recht. Aber: Es wirkt. Und erregt. Vor allem das, was die SPD am dringendsten braucht: Aufmerksamkeit. Und das jenseits von den Tempo(limit)vorstößen ihres Parteivorsitzenden. Wann hat sich der Großgrantler und Altmännerrockhymniker K.K. denn zuletzt die Mühe gemacht, milde auf die Sozis einzuteufeln? (Obwohl der schönste Satz einen anderen Adressaten hat: "Heutzutage gilt nahezu alles, was ein wenig bescheuert wirkt und so gemeint sein könnte, als Satire, sogar die Besetzung der Chefredaktion des Spiegel." Aber das ist eine andere traurige Geschichte.)

Hingehen, wo's weh tut

Im Übrigen: Man darf auch vor Fußballspielen Wahlkampf machen. Wie in Altersheimen. Oder vor (oder sollte man sagen: in) Kirchen. Vor den Stadien ist die Gefahr nur größer, dass man eins auf die Mütze kriegt. Aber heißt es nicht, man müsse dahin gehen, wo's weh tut?

Und nur als Anregung, falls der CDU kein vernünftiger Konter einfällt, etwa zu den roten und grünen Steuerplänen. Es gibt da ein altes Staeck-Plakat aus den 70er Jahren: "Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen."


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