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M. Streck: Last Call: Von Rückwärtsläufern, Eimerköpfen und Poltergeistern

Großbritannien ist berühmt für seine Exzentriker. Völlig zu Recht. Einige gehen sogar rückwärts, um die Zeit zurückzudrehen. Funktioniert leider nicht, ist aber trotzdem schön.

Lord Buckethead

Erhielt immerhin 249 Stimmen bei der vergangenen Parlamentswahl: Lord Buckethead von der Gremloids-Partei, der im richtigen Leben intergalaktischer Weltraumherrscher ist und einen länglichen, schwarzen Eimer auf dem Kopf trägt

Wir leben im Norden von London in einem Stadtteil mit fast dörflichem Charakter. Man kennt sich, man grüßt sich.

Jedes Dorf, heißt es, hat seinen eigenen Trottel. Wir haben keinen, glaube ich. Der größte Trottel bin vermutlich ich. Aber wir haben, sagen wir so, ein paar Charaktere hier. Einer muss Schotte sein. Er trägt einen Kilt und ein Messer im Strumpf. Und er  liest. Er liest immer und überall. Er liest im Stehen, im Gehen und im Sitzen. Manchmal sitzt er vor dem Supermarkt und liest entweder ein Buch oder auf einem Kindle. Manchmal sitzt er im Irish Pub "Gertie Brownes" um die Ecke, während Fussball läuft und Fans beider Mannschaften grölen und schimpfen und trinken. Der Schotte liest. Völlig unbeeindruckt vom Getöse um ihn herum. Jeder kennt ihn bei uns, aber kaum jemand hat je mit ihm gesprochen, weil man ihn einfach nicht stören möchte beim Lesen.

Vielleicht ist er gar kein Schotte, sondern ein Engländer oder Ire oder Franzose, der gern Schotte wäre. Ich weiß es nicht. Und will es auch nicht wissen, weil ich fürchte, es könnte die Magie nehmen. Ich stelle mir einfach vor, dass der Schotte alle Bücher dieser Welt gelesen oder das zumindest vor hat. Das finde ich schön.

Wir haben noch ein paar andere Charaktere bei uns im Norden. Einer regelt gerne den Verkehr, ein anderer singt und flucht in der U-Bahn. Die beiden sind vermutlich ein bisschen verrückt, der U-Bahn-Flucher hat wahrscheinlich Tourette. Aber niemand beschwert sich über ihn. Man lässt ihn einfach singen und fluchen. Auch das finde ich schön.

Neulich erzählte ein Freund von einer seltsamen Begegnung im Nachbarkaff Highgate. Er saß da vor einem Restaurant. Ein Mann im Anzug ging vorbei, aber er ging rückwärts. Der Freund schaute ihm eine Weile zu, denn der Mann ging vor und zurück, alles rückwärts. Irgendwann fragte er ihn: "Warum gehst du rückwärts?". Und der sprach: "Weil ich die Zeit zurückdrehen möchte." Ich hätte ihn für diese Antwort küssen können.

"Wahnsinn wählen. Sie wissen, dass das Sinn macht"

Viele Deutsche glauben, die Briten seien exzentrisch. Im Vergleich zu Deutschen sind sie das vermutlich. Obschon ich auch in Deutschland ein paar wunderbare Exemplare kannte, vor allem im Ruhrpott. Einer ritt mit seinem Pferd früher auf dem Seitenstreifen der Autobahn zwischen Oberhausen und Duisburg. Alle nannten ihn nur Cowboy, weil er einen Lederanzug mit Fransen und einen Cowboyhut trug, wenn er auf dem Zossen saß. In England wäre der Cowboy nicht weiter aufgefallen. Das Land hat eine lange und stolze Exzentriker-Tradition.

Hierzulande gehen Exzentriker auch in die Politik. Seit mehr als 30 Jahren tritt bei den Wahlen die "Monster Raving Loony Party" an. Ich schätze sie sehr. Schon wegen ihres prominentesten Parteimitgliedes Tarquin Fin-tim-lin-bin-whin-bim-lim-bus-stop-F’tang-F’tang-Olé-Biscuitbarrel, der eigentlich John Desmond Lewis hieß, vor Gericht aber erstritt, dass er sich hochoffiziell Tarquin Fin-tim-lin-bin-whin-bim-lim-bus-stop-F'tang-F'tang-Olé-Biscuitbarrel nennen darf wie der bekloppte Politiker in einem alten Monty Python-Sketch aus den 70ern.

Die "Monster Raving Loony Party" verfügt selbstverständlich über ein Manifest, wie es sich für jede richtige Partei gehört. Es heißt aber Manicfest. Sie forderten dieses Jahr zum Beispiel, dass alle Social Media-Seiten für einen Tag vom Netz genommen werden und dieser Tag dann "Erinnert-Euch-an-die-Zeit-als-wir-noch-redeten"-Tag heißen sollte. Der Slogan von Parteigründer David Sutch, bekannter unter seinem Rufnamen "Screaming Lord Sutch" lautet: "Wahnsinn wählen. Sie wissen, dass das Sinn macht."

Einige der Irren schaffen es auch ins Parlament

Vor vier Wochen trat Sutchs Nachfolger Alan Howling Laud Hope im Wahlkreis von Theresa May an, bekam 119 Stimmen und damit 130 weniger als Lord Buckethead von der Gremloids-Partei, der im richtigen Leben intergalaktischer Weltraumherrscher ist und einen länglichen, schwarzen Eimer auf dem Kopf hat.

Die Exzentriker schaffen es aber auch ins richtige Parlament und manchmal auch ins Kabinett. Einer ist sogar Außenminister. Und demnächst infiziert ein Exzentriker auf den letzten Metern sogar noch Brüssel. Er heißt Rupert Matthews und zieht für die Konservativen ins Europaparlament. Matthews ist hauptberuflich Alien- und Poltergeist-Experte, ein Freund des Paranormalen. Er würde auch gut zur Gremloids-Party von Lord Buckethead passen. Matthews hat viele Bücher geschrieben, darunter das außerirdische Standardwerk "A History of Alien Activity from Sightings to Abductions to Global Threat". Demnächst geht er nach Brüssel, weil sein Vorgänger nach Westminster wechselt und Vakanz besteht.

Rupert hat ein etwas schräges, man könnte auch sagen: paranormales Verhältnis zur Wahrheit und zur EU, und es ist deshalb durchaus möglich, dass er in Brüssel unter den britischen Euroskeptikern und Brexit-Fans nicht verhaltensauffällig wird. Im vergangenen Jahr behauptete Matthews, die EU-Kommission habe die Macht, Truppen und Panzer auf die Insel zu schicken, um die Briten vom Brexit abzuhalten.

Die EU schickte keine Panzer, den Brexit erledigten sie hier friedlich, ungestört und von allen Poltergeistern verlassen. Nun wünschen sich einige eben, sie könnten die Zeit zurückdrehen und laufen deshalb rückwärts.

Wenn sie im Juni 2016 angekommen sind, melde ich mich wieder.

Kipplaster in Pool verwandelt
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.