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M.Streck: Last Call: Sie heißt Suzuki, und er liebt sie irgendwie

In London läuft gerade ein Theaterstück, in dem es um die Liebe zu einer Ziege geht. Das ist schon absurd. Es geht aber noch absurder. In Folkstone steht ein Mann vor Gericht, der sein Motorrad in gleich doppelter Hinsicht bestiegen haben soll.

Mann liebt Motorrad

Im englischen Folkstone hat sich ein Mann in ein Motorrad verliebt (Symbolbild)

Diese Woche waren wir im Theater und sahen ein Stück, das tolle Kritiken bekommen hatte. Es hieß "The Goat, Or Who Is Sylvia?", und es geht darum, dass sich ein Mann trotz glücklicher Ehe in eine Ziege namens Sylvia verliebt und mit der unter anderem das tut, was Jan Böhmermann Herrn Erdogan unterstellt. Klingt verwegen und ist es auch.

Früher, als Kinder in der Schule, pflegten wir uns ziemlich dämliche Witze zu erzählen über einsame Bauern, die in Ermangelung von Frauen und so weiter… RTL hat aus den dämlichen Witzen später ganze eine ganze Serie geronnen, "Bauer sucht Frau". Mir ist per se völlig egal, wer wen sucht. Bauer, Frau, Ziege. Hund, Katze, Maus. Jeder nach seiner Fasson.

Es gibt noch absurdere Dinge als Liebe zu und mit Ziegen. In Folkstone stand soeben ein Mann vor Gericht, der sich im Zentrum der Stadt an seinem Motorrad vergangen haben soll. Er ließ offenkundig die Hose runter, und den Rest müssen Sie sich jetzt denken. Der Beschuldigte verneint das. Er sagte aus, dass er sich an nichts mehr erinnern könne. Zu viel getrunken und dann auch noch Drogen genommen. Anscheinend war der Mann nach dem versuchten Akt auch nicht richtig glücklich und trat und prügelte auf das Motorrad ein. Das Motorrad, eine blaue Suzuki, schweigt zu den Vorwürfen. So sind die Asiaten.

In Schottland liebte ein Rentner ein Fahrrad

Liebe kann zuweilen sehr schräg sein. Ich liebe zum Beispiel, jenseits von Frau und Kindern, vor allem meinen Fußballverein. Jeden Samstag um halb vier, wenn Borussia Dortmund spielt, werde ich evolutionär um Jahrtausende zurückgeworfen und zum Tier. Rational ist das nicht. Manchmal habe ich nach Niederlagen tagelang schreckliche Laune, und dann kann ich auch das Geschwätz von der vermeintlich schönsten Nebensache der Welt nicht ertragen. Nun teilen meine Passion zum Fußball Milliarden. Insofern hat der Mann, der seine Suzuki liebt, vielleicht einfach nur Pech. Für seinen Zustand gibt es sogar einen Fachbegriff: Mechanophilia, die Liebe zu mechanischen Gegenständen. Streng genommen ist es natürlich nicht Liebe, sondern ein Fetisch. Menschen, die Mechanophilia haben, mögen alles Mögliche: Computer, Waschmaschinen, Autos, Rasenmäher oder Fahrräder. Vor paar Jahren wurde in Schottland ein Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er Sex mit seinem Fahrrad hatte. Offenbar einvernehmlich. Als zwei Putzfrauen sein Zimmer betraten und den schon etwas älteren Herrn beim Akt mit dem Zweirad überraschten, fragte er keinesfalls peinlich berührt, sondern ehrlich erstaunt: "Was ist denn los?" Und machte weiter.

Zu Beginn des Jahrtausends schrieb ein Mechanophilist unter dem Pseudonym "Schlessinger" ein Buch über seinen Fetisch, also einen Liebesroman der anderen Art. Schlessinger hatte beispielsweise ein etwas seltsames Verhältnis zu alten Tonbandgeräten, dessen Kurven und Rundungen ihn in Wallung brachten. Am Ende resümierte Schlessinger, er sei mit sich und der Welt jetzt im Reinen. Das ist doch was. Und wer kann das schon von sich behaupten?

Frank Zappa schrieb sogar ein Rock-Oper zum Thema

Und schließlich, Frank Zappa hat vor fast 40 Jahren bereits eine Rock-Oper auf der Folie von Autoerotik geschaffen. Sie heißt "Joe’s Garage" und handelt von eben diesem Joe, einem Musiker, der blöderweise seiner Freundin verlustig geht und sich fortan mit einem Industriestaubsauger verlustiert. Auch das und gerade für damalige Verhältnisse: mal mindestens verwegen. Aber, noch einmal zurück in meine Schulzeit, ich erinnere mich an eine unter uns Schülern legendäre Geschichte aus dem "Spiegel" in den 80er Jahren, in der genau das thematisiert wurde, also der Hang von einigen Herren, Triebabfuhr mittels eines Saugbläsers der Marke Vorwerk zu erfahren. Das inkriminierte Gerät hieß obendrein auch noch "Kobold", und ein Satz aus dem Artikel blieb schmerzhaft hängen bis heute. Der "Kobold" sei in Wahrheit gar kein Staubsauger, sondern ein Fleischwolf.

Diese Dinge gingen mir durch den Kopf, als wir im Theater saßen und dem großartigen Schauspieler Damien Lewis zuhörten, wie er seiner Frau gestand, dass er die Ziege Sylvia liebt. Es geht viel Porzellan zu Bruch in dem Stück, metaphorisch, aber auch in echt. Am Ende verließen die Leute das Theater und murmeln "Was es nicht alles gibt". So ist es wohl. Die an sich harmlose und durchaus korrekte Formulierung vom Motorrad besteigen hat für mich jedenfalls eine ganz neue Bedeutung.

Das Verfahren gegen den Herrn in Folkstone wird im Übrigen fortgesetzt. Es geht das Gerücht, seine geliebte Suzuki sei zur Pflege bis dahin in "Joe’s Garage" untergebracht.

Waghalsiges Wunderkind: Muss ein Vierjähriger wirklich schon Motorradrennen fahren?

                                                                                                          

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