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M. Streck: Last Call: Brenda, die Briten und die Wahlen. Oder auch: Ich kann nicht mehr!

Die Briten wählen zum dritten Mal in drei Jahren. Das ist ziemlich viel für eine kleine Insel. Gerade erst machte darüber eine Rentnerin ihrem Ärger Luft. Brenda aus Bristol ist nun ein Internet-Star. Und sprach unserem Kolumnisten aus der Seele

Die bevorstehenden Wahlen in Großbritannien haben bereits eine Siegerin. Es ist nicht Theresa May, das kommt erst noch. Die Siegerin heißt Brenda Parsons. Sie ist 75 Jahre alt, Rentnerin, lebt in Bristol und firmiert seit Dienstag landauf, landab nur als “Brenda from Bristol“. Als ein Reporter der BBC sie nach Neuwahlen fragte, sprach Brenda irgendwie allen Briten aus der Seele. Sie schaute erst verwundert, und dann quietschte sie regelrecht entsetzt in Kamera und Mikrofon: “Sie machen Witze! Bitte nicht schon wieder. Um Himmels willen, ich kann das nicht mehr ertragen. Es gibt viel zu viel Politik im Moment. Warum macht sie das?“ 

Brenda ist nun ein Social Media-Hit in Großbritannien, was  sie ebenso wenig versteht wie drei Wahlen in drei Jahren. Brenda weiß nicht, was Twitter ist und was “trending“ bedeutet, es ist ihr erst mal suspekt. Aber ich kann verstehen, warum sie voll im Trend liegt. Brenda leidet unter akuter Wahlmüdigkeit. Und es sei an dieser Stelle gestanden: ich auch.

May hatte ein Wahlversprechen: keine Wahlen

Wir zogen im Frühjahr 2014 auf die Insel, seitdem schreibe ich eigentlich ununterbrochen über Wahlen. Erst stimmten die Schotten über ihre Unabhängigkeit ab, das war im September und noch ziemlich spannend. Dann, im Mai 2015, waren Parlamentswahlen, die schon nicht mehr so spannend waren, weil die Tories klar gewannen und damit die nächste Wahl einklingelten. David Cameron, politisch selig, versprach der Nation ein Referendum über die EU.

Wir wissen alle, wie das ausging. Die Briten sind dann mal weg. Cameron verlor darüber immerhin seinen Job. Jetzt also Neuwahlen, die an sich keiner will. Nicht mal Theresa May wollte Neuwahlen bis vor kurzem. Das sagte sie zumindest ständig und auch ungefragt. Es war ihre Art von Wahlversprechen. Aber was Wahlversprechen wert sind, wissen wir ja auch alle. Ich kann nicht mehr. Vor allem will ich nicht mehr. Ich bin, das liegt in meinem Beruf irgendwie in der Natur der Sache, ein politisch denkender und fühlender Mensch. Zumindest hoffe ich das doch. Trotzdem sprach Brenda auch für mich.

Am Mittwoch war ein Briefing in der Downing Street, es ist jede Woche, und es ist jede Woche komplett sinnlos. Es gibt nicht mal Kekse. Das Beste an den Briefings in Downing Street ist, dass man dort jede Woche die lieben Kollegen aus der ganzen Welt trifft. Den lieben Kollegen aus der ganzen Welt geht es glücklicherweise wie mir. Sie sahen alle müde aus, wahlmüde. Vor allem die lieben Franzosen, die zu allem Überfluss auch noch zu Hause Wahlen haben. Sie sagten: “Ich kann nicht mehr.“ Wir hörten uns alle an wie Brenda aus Bristol.

Das einzig angenehme an hiesigen Wahlen ist, dass der Wahlkampf relativ kurz und damit relativ schmerzlos ist. Sie halten nicht mal eine zünftige Fernsehdebatte ab, weil May darauf keine Lust hat. Nach sechs Wochen ist alles überstanden. Theoretisch. Praktisch stimmt das natürlich auch nicht. Denn nach den Wahlen am 8. Juni werden ganz gewiss die Schotten beschließen, dass sie jetzt nochmals wählen wollen, wieder über ihre Unabhängigkeit. Die Schotten wollten genau wie Brenda und ich keine Neuwahlen. Aber wer hört schon auf uns?

Labour hat nur eine Chance: mich

Bald fahre ich also wieder nach Schottland und berichte nach den Wahlen vom 8. Juni darüber, dass Schottland…Das habe ich alles schon mal geschrieben vor drei Jahren, täglich grüßt das Murmeltier. Oder vielleicht doch nicht. Denn, noch ein Geständnis an dieser Stelle: Ich lag bei allen Wahlen mit meinen Wahlprognosen daneben. Bei ausnahmslos allen. Ich sah die Schotten 2014 unabhängig werden und Labour bei den Wahlen 2015 gleichauf mit den Konservativen, und den Brexit habe ich auch nicht kommen sehen.

Als Meinungsforscher und Wahlprognostiker bin ich eine absolute Null. Deshalb sage ich diesmal ganz bewusst und mit voller Überzeugung voraus, dass May und die Tories klar, ganz klar gewinnen.

Ich bin damit vermutlich die einzige Hoffnung der Labour-Party. Vorausgesetzt, dass die wahlmüden Briten die Wahlen nicht verpennen.

In diesem Sinne: Gute Nacht allerseits.

Fahrplan, Reisen, Proteste: Was passiert jetzt mit dem Brexit?


Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.