VG-Wort Pixel

Emily Atef “Niemand kann heute sagen, dass Frauen nicht gut genug sind"

Emily Atef
Emily Atef
© Carolin Windel / stern
Obwohl Frauen längst bewiesen haben, dass sie mindestens genauso talentiert und fähig sind, erreichen sie in Deutschland oft weniger als Männer. Emily Atef ist sicher: guter Wille reicht nicht.

Emily Atef ist 47 Jahre alt, Autorin und Regisseurin – und eine von 40 Frauen, die sich im stern solidarisch für die Frauenquote aussprechen.

Warum bezeichnen Sie sich als Quotenfrau?  

Ich bezeichne mich nicht als Quotenfrau, ich bezeichne mich als absolut solidarisch für Quotenfrauen. 

Warum finden Sie, dass Deutschland mehr gesetzliche Quoten braucht?  

Es ist ganz einfach. 50 Prozent der Menschen, die in Deutschland leben, sind Frauen. Insofern ist es ganz logisch, dass Frauen in allen Lebensbereichen des Landes mitreden, mitentscheiden, mitkreieren und mitentwerfen dürfen. Es gibt kein logisches Argument dagegen. Niemand kann heute in Deutschland sagen, dass Frauen nicht gut genug sind. Mädchen schließen ihr Abitur durchschnittlich mit einer besseren Note ab, bei Studentinnen ist es identisch und selbst in meiner Branche gewinnen Filmstudentinnen mehr Festivalpreise als ihre männlichen Kollegen. Aber trotzdem kommen Frauen nicht weiter und sind in allen Berufssparten unterrepräsentiert. Warum? Wir haben gemerkt, dass guter Willen nicht reicht, wir brauchen jetzt eine Quote. 

Bitte vervollständigen Sie den Satz: In diesem Moment wusste ich, es geht nicht ohne Quote.... 

Seit einigen Jahren werden unter anderem in Deutschland und Europa Studien veröffentlicht und diese Studien zeigen die Diskrepanz so deutlich. Die vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie der Allbright Stiftung zeigt, dass Deutschland 2020 sogar Rückschritte macht, was Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft angeht. Alle untersuchten westlichen Industrieländer schneiden besser ab als Deutschland, selbst das konservative Polen. 

Wer hat Sie wie gefördert?  

Das Wichtigste waren meine Eltern, die mir immer gesagt haben, dass ich alles sein kann, was ich mir wünsche, wenn ich hart arbeite. Und die mich auch auf der Suche und wenn ich mal gescheitert bin immer weiter bestärkt und unterstützt haben. 

Wer war warum Ihr Vorbild?  

Es gibt zu viele Menschen, die mich auf unterschiedliche Weise geprägt und inspiriert haben, um mich auf ein Vorbild festlegen zu wollen. Aber eine Frau, die mich schon als Kind fasziniert hat, war die Schriftstellerin George Sand, die eigentlich Amantine Dupin de Francueil hieß, aber unter diesem Männernamen veröffentlichte und Schnurrbart und Männerkleidung trug, um in dem männlich dominierten Literaturzirkel wahrgenommen zu werden, und die bereits im frühen 19. Jahrhundert für Frauenrechte eintrat. 

In welcher beruflichen Situation hat Ihnen Ihr Frausein geholfen?  

Ja, Männer und Frauen sind unterschiedlich, sehr sogar. Dennoch gibt es wiederum so unterschiedliche Frauen und so unterschiedliche Männer, dass sich dann doch bei allen Schnittmengen bestimmter Eigenschaften wiederfinden lassen. Ich würde gerne diese unzulänglichen Eigenschaftenzuschreibung "so ist ein Mann" und "so ist eine Frau" auflösen. 

Und in welcher Situation hat es Sie behindert? 

Behindert hat es mich in Situationen, in denen eben genau diese Eigenschaftenzuschreibungen noch relevant waren oder sind. Wir können nur ein moderner Staat, der in die Zukunft gerichtet ist werden, wenn beide Geschlechter diese Welt nicht nur gemeinsam bevölkern, sondern gemeinsam gestalten. 

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker