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Silke Bodenbender "Ich bin keine Quotenfrau - finde aber, es sollte mehr davon geben"

Als Schauspielerin hat Silke Bodenbender bisher nicht von einer Quote profitiert. Das heißt für sie aber nicht, dass es sie in anderen Branchen nicht geben sollte.

Silke Bodenbender ist 46 Jahre alt, Schauspielerin – und eine von 40 Frauen, die sich im stern solidarisch für die Frauenquote aussprechen.

Warum bezeichnen Sie sich als Quotenfrau?  

Ich profitiere als Schauspielerin von keiner Quotenregelung, deshalb würde ich mich nicht als Quotenfrau bezeichnen. Aber ich bin für eine Frauenquote, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen in der Wirtschaft, insbesondere in den Vorständen von Unternehmen geht. Ich finde, dass sich Geschlechternormen ändern müssen, weil ich selbst erfahren habe, dass es in vielen Bereichen weiterhin eine strukturelle Benachteiligung von Frauen gibt, aber auch Männer noch nicht selbstverständlich sagen können, dass sie beruflich kürzer treten wollen, um beispielsweise die Erziehung der Kinder oder die Pflege Angehöriger zu übernehmen.

Warum finden Sie, dass Deutschland mehr gesetzliche Quoten braucht?  

Ich finde es wichtig, dass Frauen auch in solchen Positionen sein müssen, in denen ökonomische und gesellschaftspolitische Entscheidungen getroffen werden. Ich glaube, dass ein weiterer Schritt hin zur Gleichberechtigung der Geschlechter notwendig ist und eine Frauenquote, vor allem für Vorstandspositionen, unabdingbar ist, um Frauen, überhaupt eine Chance zu geben, sich auf diese Spitzenpositionen erfolgreich bewerben und im Amt dann ihre Qualifikation zeigen zu können. 

Bitte vervollständigen Sie den Satz: In diesem Moment wusste ich, es geht nicht ohne Quote...

Als ich hörte, dass der Anteil an Frauen in Führungspositionen in Deutschland, besonders in der Wirtschaft, rückläufig ist, und dass es sogar Konzerne gibt, die überhaupt keine Frauen im Vorstand wünschen und Deutschland hierbei auch im Vergleich zu den Nachbarländern sehr viel schlechter abschneidet. 

Wer hat Sie wie gefördert?

In erster Linie haben mich meine Eltern gefördert, indem sie mich genderneutral erzogen haben und mir nicht nur Hobbys und meinen Berufswunsch ermöglicht, sondern vor allem soziale Aufmerksamkeit und Toleranz anderen gegenüber vermittelt haben, aber auch den Glauben an meine eigenen Stärken. Andrea Bürgin, eine Schauspielerin und inzwischen enge Freundin, hat mich ebenfalls sehr gefördert, indem sie mich bei meinem allerersten Casting entdeckt, sich für mich stark gemacht und später noch auf viele Dreharbeiten vorbereitet hat. 2006 standen wir dann sogar gemeinsam auf der Bühne, als Mutter und Tochter in dem Stück "Trauer muss Elektra tragen“ und sprechen uns seitdem liebevoll als “Böse Mutter“ und "Böse Tochter“ an. 

© Carolin Windel / stern

Wer war warum Ihr Vorbild?  

Die 1879 geborene Politikerin und Begründerin der Arbeiterwohlfahrt Marie Juchacz hat mich schon als junges Mädchen beeindruckt. Mein Vater, der als Sozialpolitiker auch einige Jahre für die AWO tätig war, hat mich auf diese starke Frau aufmerksam gemacht und mir immer vermittelt, dass ich als Frau die gleichen Rechte habe wie ein Mann. Im Kampf um die Gleichberechtigung der Frau spielte Marie Juchacz eine bedeutende Rolle. Sie hielt als erste Frau eine Rede in einem deutschen Parlament. Später erkannte sie die besondere Notlage der wegen des Krieges verstärkt berufstätigen Mütter, deren Existenzbedingungen sich verschlechterten. Für mich stand sehr früh fest, dass ich als Frau unabhängig sein möchte und mir eine gleichberechtigte Erziehung der Kinder wichtig ist.

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


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