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ABC-Interview: "Ich glaube, ich würde das annehmen" - Trump plaudert über Schmutz-Infos aus China und Russland

Die Russland-Ermittlungen von Robert Muller sind kaum abgeschlossen, da überrascht US-Präsident Donald Trump mit Äußerungen zu pikanten Informationen aus dem Ausland. Selbst Infos aus Russland oder China würde er durchaus annehmen, erklärte Trump im US-Fernsehen. 

US-Präsident Donald Trump Interview ABC

Infos aus Russland oder China über die politischen Konkurrenten? Warum nicht. Donald Trump brüskiert wenige Tage vor dem Wahlkampfauftakt nicht nur die Demokraten.

AFP

US-Präsident Donald Trump würde im anstehenden Wahlkampf Informationen von ausländischen Stellen annehmen, die seinem Gegner schaden würden. "Ich glaube, ich würde das annehmen", sagte der 72-Jährige auf eine entsprechende Frage in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC. Das sei keine Einmischung. Es gehe einfach um Informationen, so Trump weiter. Auf die Frage, ob sein Wahlkampfteam derlei Hinweise - zum Beispiel von Russland oder China - akzeptieren oder die Bundespolizei FBI einschalten sollte, sagte der US-Präsident: "Ich glaube, man sollte vielleicht beides machen." Betonte dann aber: "Ich denke, das sollte man sich anhören. Es ist nichts falsch daran, sich das anzuhören."

Trump versichert: "Habe noch nie beim FBI angerufen"

Derlei Informationen seien schlicht Nachforschungen über den politischen Gegner - und das sei durchaus üblich, erklärte Trump weiter. Nur falls er das Gefühl hätte, dass etwas faul sei, würde er das FBI einschalten, sagte Trump, der danach noch behauptete, in seinem ganzen Leben noch nie beim FBI angerufen zu haben. "Die haben auch gar nicht genug Leute, um sich um solche Dinge zu kümmern." Den Einwand des Interviewers, das FBI halte es keinesfalls für zulässig, Informationen über politische Konkurrenten aus dem Ausland anzunehmen, wischte Trump in seiner ihm eigenen Art vom Tisch. "Da liegt der FBI-Chef (Christopher Wray, Anm. d. Red.) falsch."

Die pikante Passage des im Oval Office aufgezeichneten Gesprächs des ABC-Reporters mit Trump dauerte keine zwei Minuten. Dafür könnte sie enorme politische Sprengkraft haben. 

Plauderei über schmutzige Auslandsinformationen

Denn Trumps Aussagen kommen wenige Tage bevor er seine Kampagne für den Präsidentschaftswahlkampf 2020 einläuten will. Und wenige Tage nachdem Sonderermittler Robert Muller die Russland-Untersuchungen offiziell abgeschlossen hat. Der hatte sich zwei Jahren lang mit der Frage befasst, ob Trumps Wahlkampfteam im US-Wahlkampf 2016 geheime Absprachen mit Russland getroffen und er als Präsident die Ermittlungen der Justiz behindert hat.

Auch deshalb erstaunt die flapsige Art, in der der US-Präsident darüber plaudert, dass er im Wahlkampf durchaus auch auf schmutzige Informationen aus dem Ausland zurückgreifen würde, um sich einen Vorteil gegenüber den politischen Gegnern zu verschaffen. Die Reaktionen auf das Trump-Interview ließen nicht lange auf sich warten.

Demokraten reagieren entsetzt

Jerry Nadler, Vorsitzende des Justizausschusses im US-Repräsentantenhaus, bezeichnete die Äußerungen als schockierend. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die im Rennen um die Präsidentschaft gegen Trump antreten möchte, twitterte: "Eine ausländische Regierung hat unsere Wahl 2016 angegriffen, um Trump zu unterstützen, Trump hat das begrüßt, und Trump hat die Ermittlungen behindert." Nun sage der Präsident offen, dass er dies noch mal tun würde. "Es ist an der Zeit, Donald Trump des Amtes zu entheben." Auch andere hochrangige Demokraten reagierten empört auf die Aussagen des US-Präsidenten.

Die Hand gehört eigentlich nicht an den Hut: Melania Trump (l.) muss bei einem Windstoß nach oben greifen. Der Hut der Queen sitzt hingegen perfekt. Donald Trump bleibt unbeirrt.
js / DPA