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Sagen Sie mal, Herr Steinbrück ...: Schmerzen Niederlagen im Schach mehr als in der Politik?

Es ist die Königin aller Spiele - und die private Leidenschaft von Peer Steinbrück: Schach. Der SPD-Finanzminister sagt, wie man Altkanzler Helmut Schmidt schlägt und sich gegen einen waschechten Schach-Weltmeister behauptet.

Herr Steinbrück: Welche Niederlagen tun mehr weh - die im Schach oder die in der Politik?
Die Niederlagen im Schach schmerzen mehr, aber kürzer. Weil sie eindeutig nur auf einen selbst zurückzuführen sind.

Sie spielen gegen Helmut Schmidt, Otto Schily und gegen Ihren Schachcomputer. Wer ist der unangenehmste Gegner?
Meine drei Schachcomputer sind gnadenlos und bestrafen jeden Fehler. Helmut Schmidt und Otto Schily sind nachsichtiger.

Schmidt sagt: Steinbrück gewinnt gegen mich immer. Stimmt das?
Nach meiner Erinnerung hat Helmut Schmidt einmal gewonnen.

Was für ein Schach-Typ sind Sie? Kühl kalkulierender Positionsspieler - oder Liebhaber der riskanten Offensive?
Keiner von beiden. Meine Offensiven sind häufig gut angelegt, scheitern dann aber meist in der Durchführung.

2005 spielten Sie gegen den damaligen Schach-Weltmeister Wladimir Kramnik und hätten fast ein Remis erreicht - erst nach 37 Zügen stürzte ein folgenschwerer Fehler Sie in die Niederlage. Ärgert Sie das noch heute?
Nein, ich mache keinen Hehl daraus, dass ich einen gewissen Stolz empfinde, 37 Züge überhaupt durchgehalten zu haben. Aber der 26. Zug beschäftigt mich bis heute, auch ob da nicht eine klitzekleine Chance vertan ist.

Tilman Gerwien ist Autor im Berliner stern-Büro. In seiner Reihe "Sagen Sie mal ..." spricht er mit Politikern über ein persönliches Thema - abseits der Politik

Tilman Gerwien