HOME

Stern Logo Wahl

stern-Umfrage: Westerwelle für Deutsche kein Außenminister

Herbe Schlappe für FDP-Chef Guido Westerwelle: Die Mehrheit der Bundesbürger traut ihm das Amt des Außenministers nicht zu. Das belegt eine Forsa-Umfrage des stern. Hohe Vertrauenswerte genießt eine Frau, die sich schon mal als Ministerin bewiesen hat: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Die Mehrheit der Deutschen traut dem FDP-Parteichef Guido Westerwelle nicht zu, das Außenministerium zu führen. Lediglich 39 Prozent der Bürger halten Westerwelle für geeignet. Das belegt die aktuelle Forsa-Umfrage des stern. "Westerwelle und Außenpolitik - das ist nicht das, womit man ihn sofort in Verbindung bringt", kommentiert Forsa-Chef Manfred Güllner im stern.de-Interview im Café Einstein. Dies sei allerdings auch bei dem Grünen-Politiker Joschka Fischer so gewesen, der 1998 unter Kanzler Gerhard Schröder Außenminister wurde. "Als er es dann wurde, hat man sich schnell mit ihm arrangiert", sagt Güllner.

Auch wenn Westerwelle nicht als Favorit für das Außenamt gilt - in punkto Bekanntheit und Verankerung in der eigenen Partei macht ihm kein anderer liberaler Spitzenpolitiker etwas vor. 88 Prozent der Deutschen kennen ihn, ein Spitzenwert. Außerdem trauen ihm 83 Prozent der FDP-Anhänger das Außenamt sehr wohl zu. Wollte Westerwelle seine Zustimmungswerte bundesweit verbessern, müsste er sich als stärker als Außenpolitiker profilieren - was für einen Parteichef, der naturgeemäß zu jedem Thema Stellung nehmen muss, in Wahlkampfzeiten schwierig ist.

Besser als Westerwelle schnitt bei der Vertrauensfrage eine Liberale ab, die schon bewiesen hat, dass sie das Format hat, ein Ministerium zu führen: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, 57. Sie war unter Helmut Kohl Justizministerin, sie könnte es unter Angela Merkel nach der Bundestagswahl im September wieder werden. 71 Prozent der Bundesbürger kennen sie, 52 Prozent trauen ihr das Amt zu. Die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin, die Familienministerin werden könnte, genießt - trotz sehr bunter Medienauftritte - auch mehr Vertrauen als Westerwelle. 45 Prozent der Bundesbürger kennen sie, 49 Prozent sagen, sie wäre für dieses Amt geeignet.

Trotz der mäßigen Werte des FDP-Spitzenpersonals, will ein Großteil der Deutschen die Liberalen gerne in der nächsten Bundesregierung sehen: 57 Prozent der Bürger fänden es gut, wenn die Freidemokraten nach der Wahl mitregierten. Andererseits fallen die Forsa-Werte für die FDP weiter ab: In der Vorwoche votierten noch 16 Prozent der Bundesbürger für die Liberalen, jetzt sind es nur noch 14 Prozent. Hat die FDP also bereits ihren Zenit in der Wählergunst überschritten? Forsa-Chef Güllner: "Man muss sehen, dass der hohe Wert für die FDP zustande kam, weil die mittelständischen Anhänger der Union irritiert waren über deren Kurs Richtung Verstaatlichung und Enteignung. Aber die kommen wieder zurück."

print