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Spektakuläres Bauprojekt: Hamburgs Hochbunker wird begrünt und bald von einem Lifestyle-Hotel gekrönt

Die Aufstockung des riesigen Bunkers in St. Pauli um ein Hotel mit begrüntem Dachgarten und einem bepflanzten Bergpfad hat begonnen. Jetzt steht die Hotelgesellschaft fest. Doch das Haus hat eine besondere Vorgeschichte.

Nhow-Hotel Hamburg

So soll der Bunker auf dem Hamburger Heiligengeistfeld ab 2021 aussehen: Auf das Dach kommen fünf weitere pyramidenartige Geschosse für das begrünte Nhow-Hotel.

Er gehört zu den größten seiner Art: der Flakturm IV im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Die Dicke der Wände beträgt 3,5 Meter, die Deckenstärke 5 Meter. Der auf dem Heiligengeistfeld freistehende Bunker wurde 1942 so massiv gebaut, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg nicht ohne Risiko hätte gesprengt werden konnte.

Zwar wurden bald Fensterschächte in das Bauwerk gefräst. Büros von Agenturen, Fotostudios, der Resonanzraum und der Club Uebel & Gefährlich zogen ein, doch die Zukunft des Bollwerks mit einer Kantenlänge von jeweils 75 Metern und insbesondere der Dachfläche blieben über einen langen Zeitraum ungewiss. Immer wieder war von einer Aufstockung mit der Nutzung als Hotelbetrieb die Rede.

Jetzt hat die NH-Hotelgruppe die Ausschreibung gewonnen, und sie konnte diese Tage den Vertrag mit dem Vermieter EHP Erste Hamburger Projektmanagement GmbH und dem Bauherrn, der Matzen Immobilien GmbH & Co. KG, unterzeichnen.

"Landschaftarchitektonisches Pionierprojekt"

Der Plan: Auf dem Dach des 38 Meter hohen Betonquaders werden fünf pyramidenartige Geschosse gesetzt, in denen die 136 Zimmer sowie eine Bar, ein Coffeeshop und ein Restaurant untergebracht werden. Bei der Fassadengestaltung kommen viele Grünpflanzen zum Einsatz. Neben einem öffentlich zugänglichen Dachgarten und Räume für Stadtteilkultur ist als ein rund um das Gebäude langsam ansteigender "Bergpfad" mit Grünpflanzen geplant.

Ein erstes Randering zeigt die Aufstockung der Betonfestung mit den hängenden Gärten und zusätzlichen außen angebrachten Fahrstuhlschächten. Der Ausblick vom Dachgarten dürfte für Gäste des Hauses grandios sein. Denn das Gebäude steht auf einer fast gänzlich unbebauten Fläche, dem Heiligengeistfeld, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Stadion des FC St. Pauli.

Architektur-Avantgarde für Nhow

Betreiber wird die Lifestyle-Marke Nhow der NH-Hotels sein. Von der spanischen Hotelgruppe mit Sitz in Madrid werden 350 Hotels in Europa und Amerika gemanagt. Dazu gehören auch die Häuser, die von berühmten Architekten entworfen wurden, wie das Nhow von Matteo Thun in Mailand, das Nhow von Rem Koolhaas in Rotterdam und das Nhow in Berlin von Karim Rashid.

Während der Fußball-WM im Sommer 2006 war eine auf dem Dach des Bunkers in Hamburger Stadtteil St. Pauli eine temporäre Bar eingerichtet.

Während der Fußball-WM im Sommer 2006 war eine auf dem Dach des Bunkers in Hamburger Stadtteil St. Pauli eine temporäre Bar eingerichtet.

Der Hamburger Flak-Bunker wurde im Zweiten Weltkrieg in 300 Tagen unter dem Einsatz von Zwangsarbeitern gebaut. "Uns ist die Geschichte des Bunkers und seine Bedeutung für die Stadt Hamburg bewusst“, sagt Maarten Markus, der Managing Director Northern Europe der NH Hotels. Er möchte das neue Hotel "gut in die Nachbarschaft und Kreativszene integrieren". Die im Bunker ansässigen Unternehmen und Institutionen sollen dort weiterhin ihren Standort haben.

Nach Angaben von NH-Hotels werden nun die genaue Entwurfsplanung erarbeitet. Die Eröffnung des Hotels ist für das Jahr 2021 vorgesehen. "Zusätzlich erhält der Bunker zum ersten Mal eine Gedenkstätte für die Opfer des NS-Regimes und des Zweiten Weltkrieges", heißt es in einer Presseerklärung.

Bleibt zu hoffen, dass dieser Erinnerungsort nicht einer Privatinitiative überlassen wird, wie bei der Renovierung der Stadthöfe in Hamburg im vergangenen Jahr. In unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Designhotels Tortue befand sich einst die Gestapo-Zentrale der Hansestadt. Aus dem geplanten Dokumentationszentrum mit 530 Quadratmetern wurde am Ende ein "Gedenk-Eckchen" in einer kleinen Buchhandlung, das für internationale Empörung sorgte.

Quellewww.bunker-stpauli.de und www.nh-hotels.de

Ergänzung vom 23.9.: In einer früheren Version hatten wir nicht erwähnt, dass der Dachgarten auch öffentlich zugänglich ist.

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