Tag der Deutschen Einheit Mit Einheitspunsch feiert Deutschland an der Saar


Goldene Currywürste, stolze Zipfelgemeinden und Mauerteile aus Styropor: In Saarbrücken feiern Bürger und Spitzenpolitiker den Tag der Deutschen Einheit. Dass Harmonie und Zusammengehörigkeit auch durch den Magen gehen, beweist das kulinarische Angebot auf der "Ländermeile".

Felicitas Bucher rührt den Einheitspunsch an. Rotwein aus dem Osten. Mandeln, Rosinen und Nüsse aus dem Westen. "Weil das bei uns früher Bückware war", sagt die Köchin aus Jeserig bei Wiesenburg in Brandenburg. Daneben steht Heinz Leifheit aus Bremerhaven vor einer Rollmops-Torte und erklärt Fische von Aal bis Zander. Wenige Meter weiter stimmen Kinder in einem nachgebauten Plenarsaal des Deutschen Bundestages für mehr Taschengeld ab. Kultur, Politik und Kulinarik: Mit einem bunten Bürgerfest hat Saarbrücken den 19. Tag der Deutschen Einheit gefeiert.

Auf der "Ländermeile" am Saarbrücker Landtag sind alle Bundesländer eng zusammengerückt. Besonderer Magnet ist das Brandenburger Tor, das für die zentrale Einheitsfeier eigens in die saarländische Landeshauptstadt transportiert wurde. Natürlich nachgebaut, als sechs Meter hohe Theaterplastik. "Alle wollen durchs Tor gehen und sich fotografieren lassen", sagt Olav Morales Kluge vom Berlin-Stand. Daneben malen Kinder eifrig zwei Styropor-Mauerteile voll, die am 9. November zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in einer Aktion mit 1000 Steinen in Berlin aufgebaut werden, um dann umgestoßen zu werden.

Nach 1993 ist das Saarland zum zweiten Mal Gastgeber für ganz Deutschland - die Feier findet immer in dem Land stand, das gerade den Vorsitz im Bundesrat hat. Zu dem Bürgerfest wurden rund 500.000 Gäste erwartet. Das Fest sei mittlerweile "zu einem Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Bundesrepublik Deutschland herangewachsen", sagt Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU). Bei strahlendem Sonnenschein ziehen die Besucher durch die Innenstadt. Nur ein paar Polizisten hier und da erinnern daran, dass nicht weit von der Partymeile die deutsche Politiker-Spitze in einem Festakt auch hochoffiziell die Einheit feiert.

Doch Deutschland ist am Nationalfeiertag nicht allein: Saarbrücken feiert zum Motto "Europa leben" gemeinsam mit den Nachbarländern der Großregion - Luxemburg, Frankreich und Belgien. "Das hier ist der größte grenzüberschreitende Arbeitsmarkt der EU", sagt der Leiter der Europaabteilung in der Staatskanzlei, Stefan Rabel. Jeden Tag überschritten rund 200.000 Menschen in der Großregion Grenzen, um zur Arbeit zu gehen.

Die Zipfel als "17. Bundesland"

Ein Beispiel für deutsches Zusammenwachsen sind auf der Festmeile die "Zipfelgemeinden" Oberstdorf im Allgäu, Selfkant im Maastal, List auf Sylt und Görlitz an der Neiße, die sich als äußerste Zipfel "17. Bundesland" nennen. Anfangs als "Schnapsidee" belächelt, gibt es den Bund jetzt im 10. Jahr. Es kursieren bereits 500 "Zipfelpässe", die man nur bekommt, wenn man in allen vier Orten war und ein Mal dort übernachtet hat. "Zu mir kommen jeden Woche zwei bis drei Leute mit Zipfelpass zum Abstempeln", sagt Kurdirektor Boris Ziegler aus List.

Auch kulinarisch kommen die Besucher auf ihre Kosten. Als extra feine Currywurst gibt es an einem Berliner Stand die "Currywurst Gold" - mit einer hauchdünnen Lage Blattgold umrundet. "Das Gold schmeckt man gar nicht", sagt Curry-Brutzeler Holger Schäfer. Wer es lieber deftig mochte, kann "saarländische Tapas" genießen: gebackene Blutwurst auf Omas Apfelstampf oder Schnittlauch-Eiersalat.

Und wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt einen Topf "Einheitssuppe". "Wir haben darin die besten Zutaten aus allen Bundesländern", sagt Koch Sandro Eifler aus Görlitz. Kartoffeln aus dem Saarland, Zwiebeln aus Rheinland-Pfalz, Wasser aus Hamburg und Tomaten aus Berlin. Plus Salz aus den Zipfelgemeinden.

Birgit Reichert/DPA DPA

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