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Urlaubsplanung 2009: Verreisen zu Kampfpreisen

Nicht nur mit Frühbucher-Rabatten locken die Reiseveranstalter. Airlines machen Dumping-Angebote, und Aida-Kreuzfahrten werden bei Tchibo vertickt. Mit Reisen zu Kampfpreisen wird das Geschäft angekurbelt. stern.de verrät, bei welcher Urlaubsform der Kunde profitieren kann und welche Ziele im Trend liegen.

Von Till Bartels

Sandra Müller hat für den nächsten Sommerurlaub lange gespart und bereits im September 2008 gebucht. Eine besondere Reise soll es sein: eine Transatlantik-Überfahrt von Southampton nach New York auf der legendären "Queen Mary 2" für 2347 Euro pro Person in der Doppelkabine inklusive aller Flüge. Doch der Preis für die Passage fällt. Seit der Reservierung erhielt die Lehrerin bereits zweimal Post von der Reederei. Darin werden ihr Preissenkungen mitgeteilt, ohne dass sie selbst aktiv wurde. Sie habe ein Sonderangebot gebucht, heißt es plötzlich. Außerdem entfalle jetzt der Treibstoffzuschlag, so die gute Nachricht von zehn Prozent nachträglichem Rabatt.

Die Preise purzeln

Das neue Jahr fängt für viele gut an, die eine Reise planen. In Zeiten der Finanzkrise gibt es nicht nur Hiobsbotschaften. Fluggesellschaften und Reiseveranstalter schaffen mit ihren Schnäppchen-Angeboten täglich neue Buchungsanreize. Denn seit August geht laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Flugreservierungen zurück. Im November 2008 nahm am Flughafen Frankfurt die Zahl der Passagiere um sieben Prozent ab. Nichts ärgert die Airline-Manager mehr als Flugzeuge mit unverkauften Sitzplätzen. Sie ziehen die Konsequenz und kappen neben den Frequenzen auch die Flugpreise.

Sogar erfolgsverwöhnte Veranstalter für Luxusreisen legen inzwischen Sonderangebote auf. "Shanghai ab 995 Euro" verkündet Windrose Fernreisen, inklusive Linienflug mit Lufthansa und Übernachtung im Fünf-Sterne-Hotel. Gerade Fernreisen vergünstigen sich im Jahr 2009. Viele Preiskalkulationen basieren auf hohen Rohölpreisen, die längst nicht mehr aktuell sind. Jetzt werden die Kerosinzuschläge drastisch gesenkt. Bei einem Langstreckenflug mit Thai Airways nach Bangkok bedeutet das eine Ersparnis von 100 Euro pro Person.

Die von der größten Reisemesse veröffentlichte Studie "ITB World Travel Trends Report" belegt, dass Menschen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht auf den Urlaub verzichten möchten. Martin Buck von der Internationalen Tourismusbörse glaubt, dass die negativen Entwicklungen stärker das Segment der Geschäftsreisen als das der Urlaubsreisen treffen. Zu einem ähnlichen Schluss kommt die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR): Wenn es zu Rückgängen kommt, dann nicht beim Sommerurlaub, sondern eher beim zusätzlichen Kurzurlaub. Die Zahl der Reisenden werde gleich bleiben, die der Reisen wird eher abnehmen.

Trendziel Deutschland

Die Heimat steht als Reiseland hoch im Kurs. Schon im letzten Sommer wurden knapp 43 Millionen Urlaube in Deutschland verzeichnet. Das entspricht einem Plus von 1,9 Prozent. Durch den günstigeren Benzinpreis dürfte die Anreise mit dem eigenen Auto eine Renaissance erleben. Die Mitte Januar veröffentlichten Ergebnisse der GFK-Marktforschung, die vier Mal pro Jahr 20.000 repräsentativ ausgewählte Haushalte nach ihren Reiseabsichten befragt, unterstreicht die Tendenz zu mehr Inlandsreisen. Für das kommende Frühjahr planen die Deutschen sieben Prozent mehr längere Urlaubsreisen im eigenen Land. Eine Rezession könnte diesen Trend hin zum Urlaub in der Heimat verstärken. "Denn in wirtschaftlich eher schlechten Zeiten dürften mehr Deutsche als bisher Freien zwischen Alpen und Nordsee machen", heißt es in der Untersuchung. Die Zahl der Auslands- und Flugreisen könnte dagegen sinken.

London ist wieder erschwinglich

Über Jahre stand London in dem Ruf, eine teure Metropole zu sein. Doch durch die Talfahrt des britischen Pfunds und den Wettbewerb vieler Fluglinien, die London im Flugplan haben, wird das Städtereisenziel in diesem Jahr wieder bezahlbar. Beim Shopping machen sich der Wertverlust des Pfunds und die Senkung der Mehrwertsteuer von 17,5 auf 15 Prozent bemerkbar. Und beim Preisvergleich entfällt fast das Umrechnen. Derzeit kostet ein Pfund nur 1,06 Euro. Zusätzlicher Vorteil, den die wenigsten London-Besucher kennen: Namhafte Museen wie das British Museum und das Victoria & Albert Museum erheben keinen Eintritt.

USA profitieren vom Obama-Fieber

Der USA-Tourismus zog im letzten Jahr durch den günstigen Dollarkurs bereits an. Nun hat George W. Bush das Weiße Haus geräumt, und es wird politisch wieder korrekt, in den Vereinigten Staaten seinen Urlaub zu verbringen. "Durch Obamas Amtsantritt haben die Leute wieder den Traum in die USA zu reisen", sagt Tilo Krause-Dünow von Canusa Touristik. Der Hamburger Spezialveranstalter für Nordamerikareisen verzeichnet auch durch den Imagewandel bei USA-Buchungen einen rasanten Anstieg. "Der 44. Präsident ist für den Tourismus wertvoller als jede millionenschwere Werbekampagne", so Krause-Dünow.

Europäische USA-Urlauber profitieren auch von der schwächelnden Inlandsnachfrage in den Staaten. "In Las Vegas sind die Hotelpreise im freien Fall, auch Florida und Hawaii werden immer günstiger", sagt Stefanie Berk, die Fernreisechefin von Thomas Cook im Branchenblatt FVW. Die sinkenden Hotelraten wirken wie ein touristisches Konjunkturprogramm. Jüngst ausgehandelte Extraleistungen wie kostenlose Tankfüllungen und Upgrades bei der Mietwagenreservierung gibt Canusa an seine Kunden weiter.

Preisvorteile kombinieren

Wenn in den Monaten Januar und Februar der Sommerurlaub gebucht wird, lassen sich attraktive Frühbuchertarife noch mit weiteren Rabatten kombinieren. Bei Aldiana heißt das konkret: Bei fast allen Clubs spart man bei der Buchung bis zum 31. Januar 50 Euro pro Person und Woche. Das ermäßigt die zweiwöchigen Sommerferien eines Paares bei um 200 Euro. Eine weitere Zauberformel lautet 14=12 oder 7=6 - lediglich sechs Übernachtungen bezahlen, aber sieben Tage bleiben. Auch Kinderfestpreise sollen zum frühen Buchen animieren.

Kreuzfahrten: Das Jahr der Premieren

Großer Beliebtheit erfreuen sich Schiffreisen. Doch 2009 wird ein besonderes Jahr für die Branche werden. Denn noch nie wurden innerhalb weniger Monate zehn neue Kreuzfahrtschiffe in Dienst gestellt. Auf den deutschen Markt drängen die italienischen Neubauten "MSC Fantasia", "MSC Splendida", "Costa Luminosa" und "Costa Pacifica". Im April folgt die Taufe der neuen "Aida Luna", einen Monat später wird das noch namenlose Schiff der Tui Cruises in See stechen. Das enorm erweiterte Angebot kann in einem wirtschaftlich angespannten Umfeld nur über den Preis abgesetzt werden.

Die Reederei Costa hat ihre Kataloge für 2009 gerade eingestampft und eine "Neuauflage mit vielen Preissenkungen" an den Reisebüros geschickt. Mitbewerber MSC-Kreuzfahrten preist "eine Woche Seereise inklusive Flug zum Mittelmeer ab 799 Euro" an, sagt Bernd Brümmer vom Reisebüro Koch in Hamburg. "Der Kunde achtet in diesem Jahr besonders auf das Preis-Leistungs-Verhältnis". Das Urlaubsbudget stecke man lieber in eine große Kreuzfahrt statt in mehrere Reisen. Versteckt wird an der Preisschraube gedreht. Die Reederei Deilmann bietet für das Traumschiff "Deutschland" eine Reise inklusive aller Getränke oder "doppelten Treuerabatt für Vielfahrer". Bei einer anderen Kreuzfahrt heißt es: "Zweite Person 50 Prozent".

Im Hochpreissegment gehen die Preise auf Talfahrt, wie ein Angebot von Travelzoo zeigt. Die Luxus-Kreuzfahrt von New York nach Southampton in der Queens-Grill-Suite mit Butler-Service an Bord der "Queen Mary2" wird im April statt für 6990 Euro für 2990 Euro angeboten. Daher kann es gut sein, dass Sandra Müller von der Reederei Cunard bald wieder Post bekommt und sie bis zum Ablegen des Schiffes nochmals bares Geld spart. "Wer schon immer eine Seereise machen wollte und sie in diesem Jahr trotz der Preisaktivitäten nicht bucht, der ist blöd", sagt der Kreuzfahrtprofi Bernd Brümmer.

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