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Lautsprecher HomePod Mini im Test: Zwei Gründe sprechen für Apples 96-Euro-Lautsprecher

Das Design des HomePod Mini ist ein Hingucker. Aber was kann der kleine Siri-lautsprecher?


Das Design des HomePod Mini ist ein Hingucker. Aber was kann der kleine Siri-Lautsprecher?
© Christoph Fröhlich/stern
Der HomePod Mini lockt mit einem Kampfpreis von 96 Euro. Dafür bekommt man einen Lautsprecher, der deutlich mehr draufhat, als nur Musik wiederzugeben. Was er kann und wer die Finger davon lassen sollte, verrät der Test.

Wo spielt die Musik? Diese Frage treibt Technikkonzerne seit einigen Jahren um. Denn während vor einem Jahrzehnt im Wohnzimmer vielleicht eine Stereoanlage neben dem Fernseher stand und in der Küche ein altes Radio dudelte, will man heute, im Zeitalter von Streamingdiensten und 60 Millionen Songs auf Abruf, überall Musik hören. Firmen wie Sonos machten aus diesem Bedürfnis mit eleganten Wlan-Lautsprechern ein gutes Geschäft. Richtig bequem wurde es jedoch erst durch Amazons Sprachlautsprecher Echo, der 2015 auf den Markt kam und auf Zuruf reagierte.

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Der Echo war komfortabel, aber klang nicht gerade umwerfend. An dieser Schwachstelle wollte Apple mit dem HomePod ansetzen. Der Siri-Lautsprecher kam 2018 auf den Markt und punktete mit exzellentem Klang. Doch einige Beschränkungen - der HomePod funktioniert etwa nicht mit Android-Geräten - und vor allem der hohe Preis von mehr als 300 Euro verhinderten einen Erfolg auf breiter Front. Den Analysen von Statista zufolge ist Apple im Segment der smarten Lautsprecher mit einem Marktanteil unter fünf Prozent ein Underdog. Den Markt haben Google und Amazon sowie einige chinesische Anbieter unter sich aufgeteilt.

Lange Zeit schien es, als hätte Apple das Lautsprecher-Kapitel abgehakt. Umso überraschender, als Tim Cook vor wenigen Wochen den HomePod Mini ankündigte: Dabei handelt es sich - der Name legt es bereits nahe - um eine kleinere Version des Siri-Lautsprechers. Vor allem aber beim Preis wurden viele hellhörig: 96 Euro kostet der kleine Siri-Speaker. Ein Kampfpreis für Cupertino. Was er kann und wie er klingt verrät dieser Test. 

Ummantelt ist der HomePod Mini mit einem netzartigen Stoff, an der Oberseite befindet sich ein Touch-Display


Ummantelt ist der HomePod Mini mit einem netzartigen Stoff, an der Oberseite befindet sich ein Touch-Display
© Christoph Fröhlich/stern

Android muss draußen bleiben

Das Design des HomePod Mini ist am großen Bruder angelehnt: Ummantelt ist der Lautsprecher von einem feinmaschigen Netzgewebe, welches der Klangkugel ein elegantes Äußeres verleiht. Zwei Farben stehen zur Auswahl, Weiß und ein sehr dunkles Grau.

Die Form des Mini erinnert an eine kugelförmige Vase und weniger an den Zylinder des größeren Modells. Kugeln scheinen derzeit ein Trend zu sein, Amazon setzt mit dem Echo der vierten Generation auf ein ähnliches Design. Auf der Oberseite des 8,4 Zentimeter hohen HomePod Mini gibt es jedoch einen Touchscreen, mit dem etwa die Lautstärke geregelt werden kann.

Die Einrichtung des Lautsprechers ist kinderleicht und in einer Minute erledigt. Zugangsdaten für das Wlan-Netzwerk oder den Musik-Streamingdienst zieht sich der Lautsprecher direkt vom iPhone oder iPad. Nachteil: Mit Android-Geräten kann der HomePod Mini nicht eingerichtet werden.

Die Sprachsteuerung aktiviert man auf zwei Arten: Entweder tippt man auf das Display, sobald Siri aktiviert ist, leuchtet ein farbiger, wabernder Kreis. Alternativ ruft man "Hey Siri". Anschließend gibt man die üblichen Befehle, die man vom iPhone kennt. Dass Siri nicht der vielseitigste Assistent am Markt ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Die normalen Alltags-Befehle ("Stelle einen Timer in sechs Minuten", "Suche mein iPhone", "Wie alt ist Donald Trump") beantwortet sie aber fehlerfrei. Das Mikrofon erkennt Befehle übrigens selbst bei lauter Musik mit hoher Zuverlässigkeit.

Die Einrichtung ist kinderleicht, nötig ist jedoch ein iPhone. Android-Nutzer*innen bleiben außen vor.


Die Einrichtung ist kinderleicht, nötig ist jedoch ein iPhone. Android-Nutzer*innen bleiben außen vor.
© Christoph Fröhlich/stern

Die verzahnte Apple-Welt

Die Musik zieht sich der HomePod Mini entweder aus Apple Music (Abonnement nötig) oder dem Radiosender TuneIn, zudem stehen Hunderttausende Podcasts kostenfrei zur Verfügung. Der Streamingdienst Amazon Music soll hierzulande ebenfalls demnächst als native Audioquelle zur Verfügung stehen. Spotify fehlt bislang in der Liste der unterstützten Dienste, ebenso der beliebte Hörbuchdienst Audible. Beide Dienste muss man via AirPlay vom Smartphone, Mac oder iPad auf den Lautsprecher streamen. Die Bluetooth-Schnittstelle wird nicht unterstützt, weshalb Android-Smartphones und -Tablets nur über Umwege mit dem HomePod kommunizieren können.

Wie sehr der HomePod Mini auf das Apple-Ökosystem ausgerichtet ist, zeigen zwei Features: Die Intercom-Funktion macht den HomePod Mini (aber auch das große Modell) zu einer Art Familien-Walkie-Talkie. Man kann etwa sagen "Hey Siri, Intercom an Kinderzimmer - Sven bitte kommen, Essen ist fertig". Das ist keine bahnbrechende Erfindung und bieten andere Hersteller ebenso. Bei Apple ist die Lösung aber insofern charmant, weil Intercom auch mit iPhones, der Apple Watch oder AirPods funktioniert. Es ist also möglich, unterwegs im Taxi per iPhone eine Nachricht in die eigene Wohnung zu schicken, die dort dann vorgelesen wird.

Ebenfalls neu ist das Handoff-Feature, eine Art smarte Übergabe. Hört man am Frühstückstisch einen Podcast und man macht sich auf den Weg zur Arbeit, kann man sein iPhone - sofern es sich um ein Modell neuerer Bauart mit integriertem U1-Chip handelt - einfach an den Lautsprecher halten, und der Sound wird "übertragen". Man kann also nahtlos auf dem Smartphone weiterhören. Als Bestätigung spürt man auf dem Telefon ein kurzes Klopfen. Ein Detail, das zeigt, wie tief Apple mittlerweile seine Geräte und Dienste miteinander verschränkt.

Links der große HomePod, rechts die Mini-Variante.


Links der große HomePod, rechts die Mini-Variante.
© Christoph Fröhlich/stern

So ist der Klang

Den Klang würde ich als gut einstufen, vor allem angesichts der kompakten Maße. Der Rundum-Sound füllt den Raum und lässt den Lautsprecher größer klingen, als er eigentlich ist. Bässe sind wahrnehmbar, jedoch nicht so dominant wie sie sich mancher vielleicht wünscht - das hängt aber auch vom Musikstil und den persönlichen Vorlieben ab. Insgesamt gibt es ein rundes, kräftiges Klangbild, das von Pop bis zu Podcasts eine gute Figur macht. An den tollen Klang des großen HomePods kommt der Nachwuchs natürlich nicht heran, das wäre jedoch auch eine Sensation gewesen. Er klingt jedoch besser als der Google Home Mini.

Im direkten Vergleich mit einem Sonos One zeigt sich: Der HomePod Mini ist bei gleicher Lautstärkeeinstellung leiser und hat weniger drückende Bässe, gibt aber die Höhen klarer wieder. Insgesamt hat der Sonos One etwas die Nase vorn. Man muss jedoch bedenken: Der Sonos-Speaker ist deutlich größer und vor allem doppelt so teuer (rund 195 Euro).

Wer zwei Exemplare des HomePod Mini besitzt, kann diese zu einem Stereopaar koppeln und den Sound somit noch weiter verbessern. Damit ist dann echte Stereo-Wiedergabe möglich - bei Songs wie Queens "Bohemian Rhapsody" hört man die Unterschiede am deutlichsten. Es ist jedoch nicht möglich, einen großen HomePod mit einem Mini-Modell zu koppeln.

Was ich mir gewünscht hätte: Seit Kurzem beherrschen die großen HomePods Dolby Atmos, sodass zwei gekoppelte Exemplare als Soundbar-Ersatz am Fernseher genutzt werden können. Zwei HomePods Mini wären ideal, um daraus zwei Rücklautsprecher und somit ein strippenloses Surround-System zum überschaubaren Preis zu machen - doch das ist (noch) nicht möglich.

Links der Sonos One, rechts der kleine HomePod.


Links der Sonos One, rechts der kleine HomePod.
© Christoph Fröhlich/stern

HomePod Mini als Smart-Home-Zentrale

Nun ist bei einem Gerät dieser Größenordnung die Tonqualität für viele Menschen nicht das Wichtigste, das zeigt der Erfolg des Echo Dot. Gerade die ersten Generationen des Winz-Echos klangen wie ein Dosentelefon, und trotzdem haben sie sich millionenfach verkauft. Denn die Mini-Lautsprecher sind kein Ersatz für die früheren Stereoanlagen, sondern landen eher in den Küchen, Bade- und Kinderzimmern.

Deshalb positioniert Apple den HomePod Mini auch als kleine Smart-Home-Zentrale. Immer mehr Produkte besitzen mittlerweile eine Internetanbindung - sei es das smarte Thermostat, die Wohnzimmerlampe oder die Überwachungskamera im Garten. Damit die Geräte mit dem iPhone oder dem Lautsprecher kommunizieren können, müssen sie Apples eigenes Smart-Home-System namens HomeKit unterstützen. Ob dies der Fall ist, ist auf jeder Packung oder den Webseiten der Hersteller vermerkt. Der HomePod Mini fungiert dann als eine Art Brücke zwischen all diesen Geräten. Heißt: Selbst wenn er gerade gar keine Musik abspielt, synchronisiert er womöglich im Hintergrund gerade die Sicherheitskameras.

Verwaltet wird all das in einer Anwendung, die auf jedem iPhone und iPad vorinstalliert ist - der "Home"-App. Die Idee, alles an einem Ort zu haben, anstatt in Dutzenden Apps verschiedener Hersteller hin- und herzuklicken, ist großartig. Leider ist die Home-App immer noch ziemlich unübersichtlich. Es gibt zu viele verschachtelte Menüs und nur die wenigsten sind auf Anhieb selbsterklärend. Hier ist in meinen Augen noch echter Verbesserungsbedarf.

Privatsphäre: Lauscht da wer?

So begeistert viele Nutzer*innen anfangs über Sprachlautsprecher auch waren, in den vergangenen zwei Jahren sind einige zentrale Fragen in den Vordergrund gerückt. Die beiden dominierenden Konzerne sind Amazon und Google - und beide verdienen Milliarden mit dem Sammeln und systematischen Auswerten unserer Daten. Mit ihren Sprachassistenten Alexa und Google Assistant kommen sie uns dabei so nah wie nie. Immer wieder gibt es Berichte von Mitarbeiter*innen, welche versehentlich getätigte Aufnahmen (weil der Lautsprecher etwa irrtümlich das Startwort verstanden hat) abhören.

Und vielen Menschen wurde erst dadurch richtig bewusst, dass es gute Gründe gibt, warum der Echo Dot und der Nest Home Mini so günstig sind. Amazon bietet seine Lautsprecher aus denselben Gründen mehrfach im Jahr zum halben Preis an, aus denen auch Google seinen Nest Home Mini zum Preis einer Pizza beim Italiener verschleudert. Für beide Konzerne sind die Daten, welche diese Geräte sammeln, mehr wert als der eigentliche Hardwareverkauf.

Apple dagegen betont immer wieder, die Privatsphäre der Nutzer*innen achten zu wollen. Einen Dämpfer gab es im vergangenen Jahr, als bekannt wurde, dass auch Siri-Aufnahmen zur Verbesserung der Spracherkennung ausgewertet wurden. Danach änderte der Konzern seine Richtlinien weitreichend: So werden Unterhaltungen mit den Sprachassistenten seitdem nicht mehr langfristig gespeichert, zudem muss man die Erlaubnis zum nachträglichen Anhören von Mitschnitten durch Mitarbeiter*innen erteilen. Der Konzern erhält laut eigener Aussage keinen Zugriff auf die Daten, Zugriff auf Nachrichten erhält das Gerät beispielsweise direkt vom iPhone und nicht aus der Cloud.

Fragt man Siri etwas, wird die Anfrage mit einer zufälligen ID verknüpft und nicht mit der eigenen, personalisierten Apple ID, verspricht das Unternehmen. Heißt: Aus den eigenen Anfragen lassen sich keine umfassenden Interessen ableiten und die Daten werden nicht an Dritte oder Werbetreibende weitergegeben.

Wer also argumentiert, ein nagelneuer Echo Dot koste nur die Hälfte, hat damit völlig Recht. Apple verfolgt mit dem HomePod Mini jedoch ein anderes Geschäftsmodell als die Mitbewerber. Welchen Ansatz man besser findet, muss jede*r für sich selbst entscheiden.

Der HomePod Mini lockt mit simpler Einrichtung, einem niedrigen Preis und hoher Privatsphäre. Allerdings könnte das System offener gestaltet sein.


Der HomePod Mini lockt mit simpler Einrichtung, einem niedrigen Preis und hoher Privatsphäre. Allerdings könnte das System offener gestaltet sein.
© Christoph Fröhlich/stern

Fazit: Gute Ergänzung für die Apple-Welt

Der HomePod Mini ist mit 96 Euro eines der günstigsten Apple-Geräte überhaupt. Klangliche Wunder sollte man von dem Sprachlautsprecher nicht erwarten, aber der Sound klingt angesichts der kompakten Maße beachtlich voluminös. Sein volles Potenzial kann er erst im Stereo-Modus entfalten.

Vor allem aber punktet der HomePod Mini mit einem Fokus auf Privatsphäre und der tiefen Integration in das Apple-Ökosystem. Man kann Musik direkt vom Lautsprecher auf das iPhone ziehen und Nachrichten von einem Raum in den anderen wie mit einem Familien-Funkgerät schicken. Wer seinen Haushalt hauptsächlich mit Geräten von Apple ausgestattet hat, kann mit diesem Gerät viel Freude haben. Alle anderen sollten sich besser bei der Konkurrenz umsehen, denn Android-Geräte werden nicht unterstützt.

Luft nach oben gibt es in punkto Konnektivität. Mit einem eigenen App Store, mehr unterstützten Streaming- und Hörbuchdiensten, Bluetooth und einer Android-App würde Apple weiter zu den Mitbewerbern aufschließen und die Zahl der möglichen Nutzer*innen vergrößern.

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