VG-Wort Pixel

ÖBB und SBB Schlafwagen statt Flieger: Über Nacht mit dem Zug nachhaltiger reisen

Nachts umweltfreundlich reisen: im Schlafwagen dem Ziel entgegenschlummern
Nachts umweltfreundlich reisen: im Schlafwagen dem Ziel entgegenschlummern
© Getty Images
Die Deutsche Bahn hat all ihre Schlaf- und Liegewagen aufs Abstellgleis geschoben. Anders die Nachbarländer Schweiz und Österreich. Beide Bahnen wollen ihr Angebot im Nachtzugverkehr von sechs auf zehn Linien ausbauen.

Wer morgens zum Geschäftstermin in einer anderen Großstadt sein muss, nimmt entweder die 7-Uhr-Maschine oder den Nachtzug. Doch der Schlafwagen als Alternative zum Flugzeug, der auch von Touristen und Menschen mit Flugangst gerne benutzt wird, beschränkt sich auf sehr wenige Strecken – noch. Endlich kommt mehr Bewegung in den Markt.

Das aktuelle Heft gibt es hier zu kaufen. Den stern im Abo gibt es hier.
Das aktuelle Heft gibt es hier zu kaufen. Den stern im Abo gibt es hier.

Die Bahnen gehen in die Offensive: nicht die Deutsche Bahn, sondern die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Zusammen mit der Schweizerische Bundesbahnen (SBB) hat das Unternehmen jetzt neue Ausbaupläne vorgestellt. Im internationalen Personenverkehr wollen beide Gesellschaften ihr Engagement mit Nachtzügen verstärken. Geplant sind neue Verbindungen von der Schweiz auch zu touristisch attraktiven Zielen wie Amsterdam, Rom und Barcelona.

Schon jetzt gilt die ÖBB mit ihrem Nightjet-Angebot als Marktführer in Europa. Mit 19 Nightjet-Linien und acht weiteren Verbindungen mit Partnern betreibt die ÖBB bereits heute das umfangreichste Nachtzugnetz zwischen europäischen Metropolen.

Als die Deutsche Bahn ihr Schlafwagenangebot vor vier Jahr aus wirtschaftlichen Gründen einstellte, nutzen die Österreicher die Gunst der Stunde und übernahmen die Strecken von Hamburg nach München (Fahrzeit: 10.40 Stunden) und Zürich (12.15 Stunden) sowie von Berlin nach Zürich (11.50 Stunden).

Mit den Schweizern besteht schon seit Jahren eine enge Zusammenarbeit. Am 11. September unterzeichneten die beide Bahnen der Alpenländer eine Absichtserklärung und stellten später der Presse ihre Ausbaupläne vor: Unter dem Begriff "Nightjet-Netz Schweiz 2024" sollen die Verbindungen ab der Schweiz auf zehn Nightjet-Linien erhöht werden. Ab 2022 werden die Ziele schrittweise bis zu 25 Städte umfassen, die über Nacht mit Zügen zu erreichen sind.

Mehr Nachfrage nach Nachtzügen

Schon vor der Corona-Krise habe die Nachfrage nach Nachtzügen deutlich zugenommen. Laut SBB steig die Anzahl der Reisenden in den Schlaf- und Liegewagen ab der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr um über 25 Prozent.

ÖBB und SBB: Schlafwagen statt Flieger: Über Nacht mit dem Zug nachhaltiger reisen

"Nachtzüge haben eine klar nachweisbare positive Klimawirkung, da sie eine Verlagerung von anderen Verkehrsmitteln auf den Zug bewirken", heißt in der Stellungnahme der Bahngesellschaften. "Das gemeinsame Ziel von ÖBB und SBB ist, mehr Reisen auf die Bahn zu verlagern und damit einen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen im Reisesektor zu leisten."

Ab Ende 2022 im Einsatz: die "Minisuiten" im Liegewagen des Nightjets
Ab Ende 2022 im Einsatz: die "Minisuiten" im Liegewagen des Nightjets
© ÖBB

Alle Bahnen haben allerdings das Problem des "Rollmaterials", wie es im Bahnjargon heißt: Es fehlt an modernen Schlaf- und Liegewagen, um auch für Geschäftsreisende attraktiv zu sein. Um ab Dezember 2021 die neue tägliche Nightjet-Verbindung von Zürich über Basel, Frankfurt und Köln nach Amsterdam aufzunehmen, mietet die SBB Waggons des deutschen Anbieter RDC Asset an.

Die neuen Verbindungen über Nacht

Von und nach der Schweiz aus Berlin, Hamburg und Prag sollen die bereits angebotenen Kapazitäten deutlich erhöht werden. Ab dem Fahrplan 2023 werden wenn möglich zwei separate Züge auf der ganzen Strecke zum Einsatz kommen.

Die Verbindung nach Prag soll als Zugteil des Berliner Nightjet mit Schlaf- und Liegewagen neu auch über Deutschland geführt werden. Durch die geänderte Linienführung entsteht eine direkte Verbindung nach Leipzig und Dresden.

Außerdem soll eine neue Linie von Zürich über Bern, Brig, Domodossola nach Rom geführt werden sowie eine tägliche Verbindung von Zürich über Bern, Lausanne und Genf bis nach Barcelona. Allerdings sei die Einführung dieser beiden neuen Linien nicht gesichert, da es noch Gespräche mit weiteren Partnerbahnen geben wird.

Schon ab Januar 2020 fährt zweimal wöchentlich ein Nachtzug von Wien nach Brüssel. Und der im Sommer eingeführte Alpen-Sylt-Nachtexpress des privaten Unternehmens RDC Deutschland wird auch im Winter 2020/2021 verkehren, von ab Mitte Dezember bis Anfang Januar, was für norddeutsche Wintersportler attraktiv wird.

Das Problem mit den alten Waggons wird sich in zwei Jahren entschärfen. Die ÖBB hat 13 Nightjet-Garnituren der neusten Generation bestellt, die ab Ende 2022 zum im Einsatz kommen werden. Eine Garnitur besteht aus zwei Sitzwagen, drei Liegewagen und zwei Schlafwagen, die vor allem eines bieten: mehr Privatsphäre.

Mehr Privatsphäre mit Garderobe, Dusche und WC: der Schlafwagen der neusten Generation des Nightjets
Mehr Privatsphäre mit Garderobe, Dusche und WC: der Schlafwagen der neusten Generation des Nightjets

So wird es in den Liegewagen "Minisuiten" für Alleinreisende und Familienabteile mit verschiebbaren Zwischenwänden geben. In die Abteile der Schlafwagen werden künftig Toilette und Dusche integriert.

Die ÖBB investiert in neue Züge. "Wir sind vom Erfolg des Nightjets überzeugt", sagt Andreas Matthä, der Bahnchef der Österreichischen Bundesbahnen. Nach seinen Angaben erwirtschaften die ÖBB-Nachtzüge bereits einen kleinen Gewinn.

Quellen: sbb.ch und oebb.at

Lesen Sie auch:

Nachhaltig reisen - geht das überhaupt? Wir haben zehn Tipps für Sie

Wie die Coronakrise die Renaissance des Schlafwagens beschleunigt

Airbus will bis 2035 das erste Wasserstoff-Flugzeug der Welt bauen


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker