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Nach Kollision: Venedig verbannt Kreuzfahrtschiffe - vielleicht

Es ist ein Unglück zu viel: Am Sonntagmorgen hat ein manövrierunfähiges Kreuzfahrtschiff ein kleineres in der Lagunenstadt gerammt. Dabei sollte der Giudecca-Kanal längst gesperrt sein.

Seit Jahren wird in Venedig gefordert, diskutiert und beschlossen: Große Kreuzfahrtschiffe sollen aus der Altstadt verbannt werden. Immer wieder wir das Verbot für Kreuzfahrtriesen, die den Hafen von Venedig durch den Giudecca-Kanal in den Hafen von Venedig ansteuern, verschoben.

Am Wochenende ist nun etwas passiert. Keine Entscheidung der Behörden, sondern ein Unglück, das durchaus hätte schlimmer ausgehen können. Die Besatzung der "MSC Opera" hatte beim Navigieren vor den Kaimauern von San Basilio die Kontrolle verloren, der Kreuzfahrtriese war in das Flusskreuzfahrtschiff "River Countess" gekracht.

Jedes größere Schiff, das am Markusplatz vorbei durch den Giudecca-Kanal fährt, muss von einem Schlepper vorn und hinten begleitet werden. Das war auch am Sonntagmorgen bei der "MSC Opera" der Fall. Doch wegen einer "Fehlfunktion der Maschine" hätte das Kreuzfahrtschiff an Fahrt eher noch zugelegt, berichtet die Zeitung "La Republica". Die Schlepper hätten versucht, das Schiff abzubremsen. Doch vergeblich. Dabei sei das Tau zum vorderen Schlepper sogar gerissen.

Einen Tag nach der Kollision liegt die "MSC Opera" noch im Hafen von Venedig. Auf der Karte der  Website "Marine Traffic" ist deutlich die Schifffahrtsroute durch den Giudecca-Kanal zu sehen.

Einen Tag nach der Kollision liegt die "MSC Opera" noch im Hafen von Venedig. Auf der Karte der  Website "Marine Traffic" ist deutlich die Schifffahrtsroute durch den Giudecca-Kanal zu sehen.

Zum Glück waren die meisten der 130 Gäste der am Kai liegenden "River Countess" schon von Bord gegangen, als der Bug gegen das Flusskreuzfahrtschiff der US-Reederei Uniworld krachte. Allerdings wurden mindestens vier Menschen verletzt. Mehrere Gäste fielen ins Wasser.

Bürgerinitiative "No Grandi Navi"

"Man kann nicht darauf warten, dass diese Monster erst von Toten gestoppt werden", heißt es auf Facebook-Seite des "Comitato No Grandi Navi". Diese Vereinigung von Kreuzfahrtschiffgegnern setzt sich seit Jahren für ein sofortiges Durchfahrverbot durch den Giudecca-Kanal für große Kreuzfahrtschiffe ein.

No Grandi Navi: Proteste gegen immer mehr Kreuzfahrtschiffe, die durch den Giudecca-Kanal fahren und mit ihren Wellen die Fundamente der Lagunenstadt bedrohen

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Nicht nur die Bedenken vor einer möglichen Katastrophe sind deren Beweggründe. Vielmehr werden mit jeder Durchfahrt großer Schiffe auch die Fundamente der Gebäude an den Ufern des Kanals angegriffen. Bereits 2016 hatte das Weltkulturerbe-Komitee der Unesco eine Lösung gefordert.

Bei dem Thema einer Tonnagebeschränkung vertreten Stadt-, Regional- und Zentralregierung unterschiedliche Positionen. Gerichte hatte frühere Beschlüsse für nichtig erklärt. Jetzt heißt es, ab 2021 sei Schiffen mit mehr als 55.000 BRZ die Passage durch den Giudecca-Kanal untersagt. Die "MSC Opera" hat eine Größe von 65.600 BRZ.

Umweltschützer setzten sich dafür ein, dass Kreuzfahrtschiffe generell nicht mehr die Stazione Marittima in Venedig anlaufen, sondern den Hafen Marghera am Festland benutzen. Statt der Meerenge nördlich des Lido sollen die Kreuzfahrtgiganten im Süden durch den Canale dei Petroli wie die Containerschiffe in die Lagune einlaufen.

Havarie - made in Italy

Das bei Touristen beliebte Venedig hat jedes Jahr bis zu 30 Millionen Besucher zu verkraften. Im Zuge der Diskussion über Overtourism, dem Touristenansturm im Übermaß, hat die Stadt in diesem Jahr ein "Eintrittsgeld" für Tagestouristen in Höhe von drei Euro eingeführt. Auch eine Zugangsbeschränkungen zu Plätzen und über eine Quotierung der Besucherzahlen wird diskutiert.

Im Gegensatz zu Aida Cruises, deren Schiffe auch Venedig ansteuern, hat Tui Cruises schon vor längerer Zeit entschieden, Venedig nicht in ein Routing aufzunehmen. "Gründe hierfür sind unter anderem die anhaltende Diskussion um die negativen Auswirkungen von Kreuzfahrtschiffen auf die historischen Bauten Venedigs und eine mögliche Aberkennung des Status als Weltkulturerbe", sagte ein Pressesprecher der Hamburger Reederei auf Anfrage des stern.

Quellen: "La Republicca", No Grandi NaviTui Cruises

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