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Osterreiseverkehr Trotz aller Warnungen: Run auf Mallorca – Eurowings bietet Hunderte Zusatzflüge an

Airbus von Eurowings hebt vom Flughafen Palma de Mallorca ab
Ein Airbus von Eurowings hebt vom Flughafen Palma de Mallorca ab – das soll in der Coronavirus-Pandemie in Zukunft häufiger passieren (Archivbild)
© Markus Mainka / Picture Alliance
Das Auswärtige Amt rät weiter von Reisen auf die Balearen ab, doch das scheint viele nicht abzuschrecken. Wegen der stark gestiegenen Nachfrage baut die Lufthansa-Tochter Eurowings die Zahl ihrer Verbindungen nach Mallorca massiv aus.

Kaum hat die Bundesregierung Mallorca und die übrigen Baleareninsel von der Liste der Coronavirus-Risikogebiet gestrichen, reagiert die Fluggesellschaft Eurowings auf die offenbar gestiegene Nachfrage.

Die Lufthansa-Tochter werde die Zahl der wöchentlichen Flüge nach Palma de Mallorca in der Osterreisezeit um 300 auf 325 erhöhen, teilte das Unternehmen am Sonntag mit. "Mallorca ist bei den Urlaubern zurzeit besonders nachgefragt", hieß es zur Begründung. Es gebe Reisebuchungen "in einer bisher nicht gekannten Dynamik". Auch die Konzernmutter erhöht demnach die Zahl der wöchentlichen Verbindungen von Frankfurt und München auf die größte Baleareninsel von acht auf insgesamt bis zu 31.

Eurowings und Lufthansa fliegen häufiger nach Mallorca

Für den Lufthansa-Konzern ist die Ausweitung des Angebots ein kleiner Schritt zurück zur Normalität. Das Unternehmen steht durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie finanziell mit dem Rücken zur Wand, der Bund ist als Anteilseigner bei der Kranich-Airline eingestiegen. Grund ist der weitgehende Zusammenbruch des Reise- und Tourismusmarktes im vergangenen Jahr.

Durch die Rücknahme der Einstufung Mallorcas als Risikogebiet entfällt für Reisende die Pflicht zur Quarantäne nach ihrer Rückkehr nach Deutschland. Damit verbunden ist auch die Aufhebung der Reisewarnung durch das Auswärtige Amt. Es rät jedoch weiter von nicht notwendigen Reisen auf die Balearen ab. Die Entscheidung der Bundesregierung hat eine Signalwirkung für die in Kürze beginnenden Osterferien in etlichen Bundesländern – die steigende Nachfrage nach Mallorca-Flügen ist mutmaßlich die Folge davon.

Die Zahl der registrierten Neuinfektionen mit dem Sars-CoV-2-Erreger lag auf den Balearen zuletzt bei 21 auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Zum Vergleich: Für Deutschland gibt das Robert-Koch-Institut (RKI) an diesem Sonntag den Wert von 79,1 an. Der Grenze für die Einstufung als Risikogebiet liegt bei 50.

Bei Hoteliers auf Mallorca kommt die Entscheidung wenig überraschend gut an. Sie sei "wichtig", sagte zum Beispiel Joan Trian Riu, Manager der Hotelkette Riu Hotels and Resorts der Nachrichtenagentur DPA. "Wir erwarten, dass sie sich sofort auf die Zahl der Buchungen aus Deutschland auswirken wird."

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Doch trotz aller Euphorie in der Luftfahrt- und Tourismusbranche oder bei den Reisenden: Urlaubsreisen, vor allem ins Ausland, widersprechen fundamental allen Verhaltensregeln der Behörden zum Infektionsschutz. "Nicht notwendige Reisen sollten weiterhin, insbesondere aufgrund der zunehmenden Verbreitung der besorgniserregenden Virusvarianten, unbedingt vermieden werden", heißt es zum Beispiel eindeutig vom RKI. Die Bundesregierung teilt mit: "Alle Bürgerinnen und Bürger bleiben aufgerufen, auf Reisen im In- und ins Ausland möglichst zu verzichten." Bei vielen verhallen die Appelle offenbar.

Tourismus als Treiber der Coronavirus-Pandemie?

Bereits im vergangenen Jahr erwiesen sich Reisen als Brandbeschleuniger für die Ausbreitung der Pandemie. Aus dem österreichischen Wintersportort Ischgl exportierten Touristinnen und Touristen das Coronavirus in die halbe Welt; auch der Anstieg der Fallzahlen hierzulande im vergangenen Herbst wird mitunter mit Reiserückkehrenden in Verbindung gebracht.

Verantwortliche in den Urlaubsgebieten verweisen auf die getroffenen Infektionsschutzmaßnahmen vor Ort und auch Eurowings und Lufthansa hoffen, Ansteckungen in den Flugzeugen durch ihre Hygienekonzepte vermeiden zu können. "An Bord der Flugzeuge nach Mallorca sitzen nur Gäste mit einem negativen PCR-Test, wie es die Balearen-Regierung vorschreibt", teilt der Konzern mit. Zudem müssen alle Passagiere an Flughäfen und im Flugzeug dauerhaft, außer beim Essen und Trinken, eine FFP- oder OP-Maske tragen; ausgenommen Kinder unter sechs Jahren und Personen mit ärztlichem Attest. 

Der empfohlene Mindestabstand zu Mitmenschen von mindestens 1,50 Meter ist indes an Bord kaum einzuhalten, selbst ein freier Mittelsitz kostet bei Eurowings mindestens zehn Euro, bei der Lufthansa ab 35 Euro extra. Der Luftfahrtkonzern verweist auf eine durch regelmäßiges Filtern hohe Sauberkeit der Kabinenluft, die für ein "äußerst geringes" Risiko einer Infektion sorge. Abschließende wissenschaftliche Untersuchungen zum Infektionsrisiko auf Flugreisen liegen noch nicht vor.

Quellen: Robert-Koch-Institut zu Coronavirus-Risikogebieten, Täglicher Situationsbericht des Robert-Koch-Instituts, Bundesregierung zu Reisen, Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen AmtesPressemitteilung Lufthansa, Nachrichtenagenturen DPA und AFP


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