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Globales Weihnachtsshopping: Advent, Advent, auf Schnäppchenjagd

Die Vorweihnachtszeit hat sich längst zum kollektiven Kaufrausch zwischen San Francisco und Shanghai gewandelt. Früher düste man ins teure New York, jetzt sind günstigere Einkaufsziele angesagt. stern.de gibt Tipps, wo Sie bei der Schnäppchenjagd sparen können.

Von Andreas Srenk

Beim Christmas-Shopping kombinieren Reisende das Angenehme mit dem Nützlichen: So stehen bei einem verlängerten Wochenende in fernen Metropolen neben dem Besuch von touristischen Sehenswürdigkeiten auch ausgiebige Einkaufstouren auf dem Programm.

Wir stellen vier Orte vor, die von Deutschland aus schnell zu erreichen sind. Attraktive Wechselkurse und unverwechselbare Produkte reizen zu einem Kurztrip nach Budapest, Montreal, Dubai und Shanghai.

Noch ein Tipp für die Rückreise: Die Freimenge für Einkäufe in Übersee hat der Zoll auf 430 Euro erhöht. Ein iPad gibt es in Kanada für umgerechnet knapp 400 Euro.

Günstiger Wechselkurs: Budapest

Zwar gehört Ungarn der EU an, aber noch nicht der Eurozone. Da der ungarische Forint aufgrund der Finanzkrise unter Druck geriet, ist die Kaufkraft des Euro erheblich gestiegen. Ein Shopping-Besuch lohnt sich, da inzwischen auch Billigflieger die Zwei-Millionenstadt im Flugplan haben.

Eine der Haupteinkaufsstraßen von Budapest ist die Vaci utca mit ihrem Geflecht von Nebenstraßen. Hier gibt es all die bekannten Shopping-Namen aus dem Westen, allerdings bieten die Läden vergleichbare Waren teilweise deutlich günstiger an. Bei Sonderangeboten und Rabattaktionen kann man zusätzlich sparen.

Auch um die Rakoczi ut in der Nähe des Ostbahnhofes kann man nach Schnäppchen Ausschau halten. Ein Blick in die Innenhöfe verspricht oft ungeahnte Einkaufsmöglichkeiten, da sich hier viele Boutiquen mit ausgefallener Mode in Kleinserie oder in Designer-Einzelstücken verbergen. Noch ein Tipp: Viele Läden verbergen sich hinter schäbigen Fassaden. Bloß nicht abschrecken lassen.

Sucht man typisch ungarische Qualitätsware, wird man beim ehemals kaiserlich-königlichen Porzellan-Hoflieferanten "Herend" fündig (Vaci Jozsef nador ter 11, Nähe Kettenbrücke); bei Designermode aus Ungarn ist man bei Naray Tamas (Vaci Karolyi Mihalyut 12) gut aufgehoben. Ungarns bekanntester Modedesigner bietet elegante Kollektionen, für die man etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Die berühmten Budapester Schuhe gibt es handgenäht für rund 300 Euro bei "Vass" (Haris köz 2). Viele Besucher kennen zwar maßgeschneiderte Hemden oder Seidenblusen von einem Asienurlaub. Aber in punkto Schuhe ist der Groschen noch nicht gefallen. Laszlo Vass stellt seit 1978 handgenähte Schuhe aus englischem Leder auf klassischen Leisten her.

Bei Jugendlichen sind Klamotten und Accessoires in guter Qualität gefragt. Besonders beliebt ist die noch aus der kommunistischen Ära bekannte Sportartikelmarke Tisza mit dem "T" und dem doppelten Mittelbalken als Emblem. Fast jeder Spitzensportler des ehemaligen Ostblocks ging in "Tiszas" (Károly körút 1) auf Rekordjagd. Deren Mützen, Kappen, Taschen, Schuhe (ab 70 Euro) gelten als retro-futuristisch.

Infos Budapest
Einreise: Da Ungarn Mitglied der EU ist, genügt der Personalausweis.
Anreise: Neben der ungarischen Malev und Lufthansa haben auch Air Berlin und Germanwings Budapest im Flugplan.
Hotel: Wer nostalgisches Flair sucht, ist im Hotel Gellert richtig aufgehoben. Die Zimmer sind zwar nicht die besten der Stadt, aber das berühmte Thermalbad und Café gehören zum Haus: www.danubiushotels.com
Fremdenverkehrsamt Budapest: www.budapestinfo.hu/de
Wechselkurs: Für einen Euro bekommt man aktuell 276 Forint.

Shopping in der Unterwelt: Montreal

Französisches Savoir-vivre paart sich in Montreal mit amerikanischer Hochhaus-Architektur. Zwar ragen die Wolkenkratzer in den kalten Winterhimmel, aber ein wichtiger Teil des winterlichen Alltags spielt sich unter der Erde ab, in der wohl temperierten "Underground City", die vor 50 Jahren unter der "Place Ville-Marie" gegründet wurde.

Jahr um Jahr wächst die Stadt unter dem Asphalt. Durch die Wandelarkaden sind Hauseingänge, Läden und Métro-Stationen untereinander vernetzt. Mittlerweile kommt die Shopping-Unterwelt auf eine Länge von 32 Kilometern mit 1700 Geschäften, 200 Restaurants, 30 Kinos und 40 Banken, deren Automaten zum Geldabheben bei Weihnachtseinkäufen nützlich sind. Da der kanadische Dollar an den US-Dollar gekoppelt ist, stieg mit dem Währungsverfall auch die Kaufkraft des Euro.

Über der Erde wartet das eine oder andere Schnäppchen, zum Beispiel in der Rue Sainte-Catherine, der mit 15 Kilometern längsten Einkaufsstraße Nordamerikas. Hier liegen die beiden großen Elektronikmärkte. Im "Apple Store" (1321 Sainte-Catherine Ouest) und "Future Shop" (470 Sainte Catherine Ouest) gibt es das neuste Apple MacBook, das bei uns für 1100 Euro im Handel ist, für rund 1200 kanadische Dollar (ca 750 Euro). Vielleicht ein Kamera-Schnäppchen gefällig? Bei LL Lozeau (6229 Saint-Hubert) wird man im größten Fotofachgeschäft Kanadas fündig.

Da Montreal einst ein bedeutender Pelzhandelsposten war, lebt diese Tradition heute noch in edlen Kürschnereien fort: Im "Harricana Par Mariouche" (3000 Saint Antoine Street West) kann man sogar etwas für sein "grünes Gewissen" tun: Die Mäntel sind aus recyceltem Pelz und haben allerbeste Qualität.

Drei weitere Einkaufszentren sind empfehlenswert: Das Montreal Eaton Centre (750 Sainte-Catherine Ouest) mit 175 Geschäften. Im Marche-Bonsecours, im historischen Gebäude des ehemaligen Rathauses (350 Saint-Paul Street East), wird auch kanadisches Kunsthandwerk angeboten. Der Complexe-Desjardins (150 Sainte-Catherine Ouest) ist für seine guten Klamottenläden bekannt.

Noch ein Tipp: Wer über Weihnachten in Montreal bleibt, kommt am 26. Dezember (Boxing Day) in den Genuss der "One Day Sales", dem vorgezogenen Winterschlussverkauf.

Infos Montreal
Einreise: Für die Einreise nach Kanada benötigt man einen gültigen Reisepass.
Anreise: Fluggesellschaften wie Air Canada und Lufthansa fliegen nonstop nach Montreal.
Hotel: Das Vier-Sterne-Haus "Auberge du Vieux Port", ein stilvoller Altbau, liegt am alten Hafen: www.aubergeduvieuxport.com
Tourist-Infos: www.tourisme-montreal.org, www.montreal.com
Wechselkurs: Für einen Euro bekommt man 1,33 kanadische Dollar.

Die große Shopping Mall: Dubai

Wer zum ersten Mal nach Dubai kommt, wähnt sich auf einer riesigen Baustelle. Überall Kräne, halbfertige Hochhäuser und Baugruben. Trotz Krise schwellen die Besucherströme von Jahr zu Jahr an. Und alle wollen nur das eine: einkaufen.

Shoppen gehört in Dubai zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen von Einheimischen und Touristen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die im Vergleich zur einheimischen Währung Dirham, die an den Dollar gekoppelt ist, starken Kaufkraft des Euro. Weiter die geringen Steuern und das riesige Warenangebot in den vollklimatisierten 40 Shopping Malls. Hier warten alle westlichen Modehäuser mit Waren zu deutlich günstigeren Preisen als bei uns.

Exotisch wirken die orientalischen Souks mit ihren verwinkelten Gassen. Der Gold-Souk im Stadtteil Old Deira ist der größte Umschlagplatz für das Edelmetall und bietet in 320 Geschäften unschlagbare Preise - in der Regel um die Hälfte günstiger als in Deutschland. Wichtig: Die Preise sind Verhandlungssache: Nur wer den ursprünglichen Händlerpreis um 40 bis 50 Prozent drücken kann, macht ein gutes Geschäft. Im Vorteil sind die Bargeldzahler mit Euro-Scheinen in der Tasche. So sparen die Händler die vier- bis sechsprozentige Kommission, die bei einer Zahlung mit Kreditkarte anfällt. Weitere Themen-Souks sind der Textil-Basar im Viertel Bur Dubai und der Gewürz-Souk im Stadtteil Deira parallel zur Uferstraße.

Bei Einheimischen besonders beliebte Boutiquen zeigen attraktive Entwürfe, die junge arabische Designer mit Ausbildung in Paris und Mailand entworfen haben. Zwei Tipps: "If" im Westen an der Umm al Sheif Street und "Sauce" an der Jumeirah Beach Road.

Infos Dubai
Einreise: Für die Einreise benötigt man einen gültigen Reisepass.
Anreise: Airlines wie Emirates und Lufthansa fliegen Dubai täglich an.
Hotel: Die Auswahl an Hotels ist fast grenzenlos, das Preisniveau günstiger als noch vor zwei Jahren.
Web-Infos: www.dubai.de und www.dubai-city.de
Wechselkurs: Für einen Euro erhält man 4,85 Dirham.
Günstige Geschenke: Besonders lohnt sich der Kauf von Textilien, Gold, Schmuck, Kunsthandwerk. Das Feilschen um den Endpreis gehört auf Märkten und in kleineren Geschäften einfach dazu.

Original und Fälschungen: Shanghai

Die Bewohner der 18-Millionen-Metropole sind grundsätzlich in Kauflaune. Das animiert auch Shanghai-Besucher zur Einkaufstour. Neuster Trend: Sogar die Produkt-Piraten setzten auf Qualität.

In der Nanjing Road haben sich neben ausländischen Marken auch chinesische Ketten wie "Youngor" etabliert, die Herrenmode zu vernünftigen Preisen anbieten. Jacketts mit modischen westlichen Schnitten gibt es für 100 Euro. In derselben Straße verkauft "Baleno" zeitgemäße Klamotten für junge Leute mit kleinem Budget.

Gleich um die Ecke hat der ehemalige Weltklasse-Turner Li Ning, der bei den Olympischen Spielen 1984 sechs Medaillen gewann, seinen Laden eröffnet. Mittlerweile ist die Person, die im Sommer 2008 die olympische Flamme in Peking entzünden durfte, ein erfolgreicher Sportartikel-Unternehmer. Seine Laufschuhe sind von guter Qualität und mit 60 Euro meist preisgünstiger als westliche Marken.

Extravagante Geschäfte gibt es im Stadtteil Puxi in der Huaihai Road, wo man sehen kann, wie die Preise auch in China anziehen. Doch in all diesen Läden geht es vergleichsweise gesittet zu. Das richtige Einkaufserlebnis hat man erst auf den Märkten. Da wird geschubst, gedrängelt und leidenschaftlich gefeilscht. Wer den angebotenen Preis nicht um mindestens 50 bis 60 Prozent nach unten treibt, beleidigt die Händler.

Bei den Märkten sollte man sich nicht auf die Tipps im Reiseführer verlassen, denn in Shanghai ist alles im Fluss: Heute Klamottenmarkt, morgen Parkplatz, übermorgen Bürogebäude, so rasant entwickelt sich die Stadt. Und noch eine Tendenz zeichnet sich ab, die die Verbraucher jubeln lässt, die Marken-Detektive der internationalen Konzerne jedoch nervös macht: Nachgemachte Waren sind immer noch illegal, aber sie halten inzwischen länger.

Die "Fenshine Fashion & Accessoires Plaza" in der Nähe des Volksplatzes ist so genialer Ort zum Stöbern. Händler lauern bereits am Eingang dem Besucher auf und versuchen ihn zu bestimmte Verkaufsstände zu locken. Hier warten gefälschte Markenuhren, die nur eine Woche ticken, aber es gibt auch Schuhe für 20 Euro, die gut verarbeitet sind. Einen genaueren Überblick zu geben, ist unmöglich, da sich die vielen hundert Verkaufsboxen in Angebot und Qualität erheblich unterscheiden.

Wer die überfüllten Märkte irgendwann über hat, streift einen Vormittag durch eines der alten Stadtviertel, die "Nongtang" heißen und restauriert werden. Hier gibt es kleine Läden mit Schmuck, Mode und Kunsthandwerk. Schnäppchen kann man bei Essstäbchen machen, edlen Mah-Jong-Spielen oder Seide für wenige Euro. Vor Ort lässt sich der Stoff gleich zu Blusen oder Hemden weiterverarbeiten. Wartezeit: Ein bis drei Tage. Vieles, was maßgeschneidert ist, kostet nur ein Viertel der aus Europa gewohnten Preise.

Infos Shanghai
Einreise: Für die Einreise nach Shanghai benötigt man einen Reisepass und ein Visum, welches über die Botschaft in Berlin oder die Generalkonsulate besorgt werden kann.
Anreise: Fast alle großen internationalen Fluggesellschaften fliegen Shanghai täglich an.
Hotel: Große Auswahl, zum Beispiel das „Hyatt on the Bund“, das günstig zu den angegebenen Shopping-Gegenden liegt.
Infos über Shanghai: www.fac.de
Wechselkurs: Für einen Euro erhält man 8,80 Yuan.

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