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Kreuzfahrtbranche und Corona Nicht nur Tui Cruises sagen große Weihnachts- und Silvester-Kreuzfahrten ab

Weiterhin Kiel statt Karibik: Ein Schiff der Flotte von Tui Cruises liegt im Hafen von Kiel
Weiterhin Kiel statt Karibik: Ein Schiff der Flotte von Tui Cruises liegt im Hafen von Kiel
© Till Bartels
Schwerer Schlag für die Kreuzfahrtbranche: Eigentlich sollte ein Schiff von Tui Cruises ab nächster Woche für fünf Wochen durch die Karibik schippern. Doch die Häfen verweigern die Abfahrt. Zweifel an dem Konzept werden laut. Auch mehrere US-Reedereien verschieben den Neustart auf März 2021.

Eigentlich sollte die "Mein Schiff 1" schon am 10. Dezember von einem deutschen Hafen aus auf große Fahrt gehen. Motto der Reise: "Mit der Seele um die Wette baumeln". Doch dazu wird es nicht kommen. Die kurzfristig aufgelegte 35-täigige Kreuzfahrt über den Atlantik bis in die Karibik über Weihnachten und Silvester wurde nur wenige Tage vor dem Ablegen ersatzlos abgesagt.

"Aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens haben Bund und Länder gestern eine Verlängerung der Corona-Maßnahmen bis zum 10. Januar 2021 beschlossen," zitiert das Fachmagazin "FVW.de" die Reederei. "Soeben erreichte uns die Nachricht, dass uns nunmehr alle deutschen Häfen die geplante Abfahrt im Dezember verweigern."

Zurzeit liegt die "Mein Schiff 1" im Hafen von Kiel. Die Reise über die Feiertage verstand Tui Cruises laut Werbung als "ein einmaliges Angebot für alle Langzeiturlauber, die dem deutschen Winter entfliehen möchten." Allerdings standen weder der Abfahrtshafen noch das genaue Routing des fünfwöchigen Törns fest. Anstelle von Landausflügen waren "viele entspannte Seetage und neun Strandtage in der Karibik" geplant. Statt abwechslungsreicher Landgänge standen Unterhaltung und Kulinarik auf dem Programm: "Nicht nur an den Feiertagen darf nach Herzenslust geschlemmt werden", hieß es vollmundig in der Ankündigung.

Beherbungsverbot an Land und auf See?

Tui Cruises hatte sich ausdrücklich vorbehalten, dass die Fahrt nur mit einer "Mindestteilnehmerzahl von 1000 Gästen" durchgeführt werden kann. Im Rahmen des Hygienekonzeptes sollten 1700 statt der bis zu 2900 möglichen Passagiere an Bord sein. "Das Produkt sei im Rahmen der zugelassenen Kapazität ausverkauft gewesen, und das zu guten Preisen", sagte Tim Krätke vom Kreuzfahrt-Portal E-hoi der "FVW". Pro Person hatten Passagiere ab 2999 EUR in einer Balkonkabine und 5999 EUR in einer Suite bei Doppelbelegung zu bezahlen.

Dass die Behörden für die Langzeit-Cruise kein grünes Licht gegeben haben, überrascht selbst Reiseverkäufer kaum. Denn in Deutschland gibt es seit vielen Wochen ein Beherbungsverbot für touristische Zwecke. Selbst an einen Skiurlaub ist im Moment nicht zu denken.

"Für mich war es echt ein geplanter Wahnsinn, das zu organisieren und überhaupt zu wagen", schreibt Userin Yvonne in einem Kommentar auf "FVW.de". "Wir haben jeden Tag so viel Tote, wie als wenn jeden Tag ein Flugzeug abstürzt. Bei uns sterben die Menschen in den Pflegeheimen, dass da Gruppenansammlungen für eine Kreuzfahrt nicht gehen, ist doch eigentlich klar."

Noch kritischer sieht es Dietmar. "Immerhin hat Tui somit noch ein paar Millionen einsammeln können, für die jetzt attraktive Angebote von der Resterampe oder Gutscheine angeboten werden können." Für den auf Kreuzfahrten spezialisierten Reisebüroinhaber steht fest. "Der Kreuzfahrtbranche tut niemand einen Gefallen, mit Absagen nach großen Ankündigungen das eh kaum noch vorhandene Verbrauchervertrauen weiter gegen Null zu fahren."

Keine Abfahrten ab Häfen in Italien

Am Freitag häuften sich auch die Meldungen, dass Costa Crociere und MSC Cruises ihre Weihnachts- und Silvesterkreuzfahrten ab Italien absagen müssen. "In Übereinstimmung mit den Bestimmungen der italienischen Regierung werden Costa Kreuzfahrten vom 20. Dezember 2020 bis zum 6. Januar 2021 ausgesetzt."

Das Kreuzfahrtschiff Costa Smeralda" im Hafen von Civitavecchia in der Nähe von Rom
Das Kreuzfahrtschiff Costa Smeralda" im Hafen von Civitavecchia in der Nähe von Rom
© Andrew Medichini/AP / DPA

Zwar haben sich die die eingeführten Gesundheitsschutzprotokolle als wirksam erwiesen, "aber die Kreuzfahrtbranche schließt sich den weiteren Einschränkungen an, denen sich alle Italiener stellen müssen." Frühstens sei ein Neustart mit der "Costa Smeralda" ab dem 7. Januar 2021 in Italien geplant.

Auch die Mittelmeer-Kreuzfahrten von MSC Cruises, die am 18. und 20. Dezember beginnen sollten, wurden gestrichen. "Weitreichende Beschränkungen in ganz Italien machen es lokalen und internationalen Gästen praktisch unmöglich, von und zu den italienischen Einschiffungshäfen zu reisen", heißt es in der Begründung.

Noch düsterer sieht es für die US-Reedereien aus. Diese Woche kündigte Norwegian Cruise Line mit Sitz in Miami die erneute Verlängerung ihrer "temporären Aussetzung" aller Reisen an. Betroffen sind alle Buchungen zwischen dem 1. Januar und 28. Februar 2021 sowie ausgewählte Abfahrten im März 2021. Dazu gehören auch alle Kreuzfahrten der Marken Oceania Cruises und Regent Seven Seas Cruises.

Besser sieht es für Abfahren ab den Kanaren aus: Die von deutschen Reedereien geplanten Kreuzfahrten über die Feiertage, die auf Gran Canaria beginnen, sind noch nicht von Absagen betroffen. 

Quellenwww.tuicruises.com, www.msccruises.de, www.costakreuzfahrten.de, www.ncl.com und www.fvw.de

Ergänzung vom 5. Dezember um 16.50 Uhr:

Tui Cruises teilte inzwischen mit, dass allen betroffenen Gästen eine dreiwöchige Kreuzfahrt auf die Kanarischen Inseln angeboten wurde. Der Großteil der Gäste nehme die Umbuchung an. Ursprünglich war für die Tour die "Mein Schiff 6" geplant, nun übernimmt den Törn die "Mein Schiff 1".

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