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Kreuzfahrtschiffe 2020 Nabu-Ranking: "Klimaschutz in der Kreuzschifffahrt ist derzeit vor allem ein Lippenbekenntnis"

Zwei Kreuzfahrtschiffe im Sommer 2019 im Geirangerfjord im Südwesten Norwegens
Zwei Kreuzfahrtschiffe im Sommer 2019 im Geirangerfjord im Südwesten Norwegens
© Sigrid Harms / DPA
Die meisten Reedereien sind weit davon entfernt, den Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens zu entsprechen. Das ist das Ergebnis des heute veröffentlichten Nabu-Kreuzfahrt-Rankings. Doch die Organisation stellt auch die Vision für emissionsfreie Kreuzschifffahrt vor.

Zum zehnten Mal hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sein Umwelt-Ranking für Kreuzfahrtschiffe vorgestellt. Noch immer gibt es nur wenige saubere Schiffe, und kaum eine Reederei verzichtet auf den Einsatz von Schweröl zugunsten des schwefelärmeren Marinediesel.

In diesem Jahr verzichtetet die Umweltorganisation auf die Bewertung einzelner Schiffe. Denn durch die Abfrage bei den 18 größten Kreuzfahrt-Anbietern auf dem europäischen Markt wurde ein genaues Raster erstellt, inwiefern die Reedereien bereits kurzfristige Klimaschutzmaßnahmen bis 2023 umsetzen.

"Kaum eine Kreuzfahrt-Reederei hat derzeit eine konkrete Strategie, um den konsequenten Umbau der Flotte in Richtung emissionsfreiem Betrieb voranzutreiben", lautet das Fazit, der am Donnerstag in Hamburg vorgestellten Studie.

Beim Fokus auf die Reedereien stehen Anbieter wie Ponant aus Frankreich, Aida Cruises aus Rostock und MSC aus der Schweiz noch am besten da. Diese haben bei einzelnen Schiffen mit umweltschonenden Antrieben bereits begonnen und teilweise in Pilotprojekten zum Einsatz gebracht. Auch haben Hapag Lloyd Cruises, Hurtigruten und Ponant, die in ihren Flotten vor allem kleine Expeditionsschiffe betreiben, das giftige Schweröl verbannt und fahren mit Diesel.

Schlusslicht bei dem diesjährigen Ranking sind Norwegian Cruise Line aus Miami und Phoenix Reisen aus Bonn, die unter anderem die "Amadea" betreibt, das ZDF-Traumschiff.

"Klimaschutz in der Kreuzschifffahrt ist derzeit vor allem ein Lippenbekenntnis", sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. "Neun von 15 Anbietern bekennen sich zwar auf Nachfrage zu den Pariser Klimazielen. Sie haben aber keine nachvollziehbare Strategie, wie die Ziele erreicht werden können."

Branche sollte Zwangspause nutzen

Der Nabu fordert, dass die Branche wegen der Corona-Krise keine bereits in Aussicht gestellten Investitionen in den Klimaschutz zurückstellt. "Die bislang erfolgsverwöhnte Branche sollte die Zwangspause nutzen, um sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, unter welchen Vorzeichen die Kreuzfahrt eine Zukunft haben kann", so Daniel Rieger, der Kreuzfahrtexperte des Nabu.

Die Organisation appelliert an die Politik, dass Umwelt- und Klimaschutzauflagen zur Voraussetzung für eventuell in Aussicht gestellte staatliche Hilfen werden. Außerdem müsse die Schifffahrt in den Emissionshandel einbezogen werden. Zu lange habe man es der Industrie selbst überlassen, zu entscheiden, ob und welchen Beitrag zum Klimaschutz sie leisten möchte.

Vision für eine emissionsfreie Kreuzschifffahrt

Durch die Indienststellung erster Hybridschiffe mit Flüssiggas- oder zeitweiligem Elektroantrieb gilt die Kreuzfahrtbranche als Trendsetter in der Schifffahrt. Doch damit Kreuzfahrten zukunftsfähig bleiben, ist ein Umstieg auf emissionsfreie Antriebstechnologien bis spätestens zum Jahr 2050 maßgeblich.

Dazu hat der Nabu einen dreistufigen Zeitplan mit Maßnahmen entwickelt. "So müssten in den kommenden drei Jahren der Abschied vom Schweröl, die Entwicklung einer individuellen Klimastrategie und die Nutzung von Landstrom umgesetzt werden.

Bis zum Jahr 2030 müsste das erste emissionsfreie Schiff in Betrieb gehen und ein Null-Emissionsstandard für sämtliche Neubauten greifen", so lautet die Forderung des Nabu. Der Nabu verlangt auch eine EU-weite Landstrompflicht, damit die Anwohner in den Häfen von Luftverschmutzungen entlastet werden.

Zur Zeit fahren kaum Kreuzfahrtschiffe durch die Weltmeere. Durch die Corona-Pandemie ist der Kreuzfahrttourismus im März fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Schiffe liegen seitdem mit Rumpfmannschaften auf Reede. Positiver Nebeneffekt: Dadurch konnte der Schadstoffausstoß durch Kreuzfahrtschiffe weltweit erheblich reduziert werden.

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