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Kampf im Cockpit: Mitten im Flug - Kopilot verprügelt die Pilotin

Als an Neujahr auf einem Linienflug von London nach Mumbai zwischen der Cockpit-Crew ein Streit ausbricht, fliegen die Fäuste. Die Pilotin ergreift die Flucht und läuft weinend durch die Kabine.

Es passierte kurz nach dem Start in London-Heathrow. Die riesige Boeing 777 der indischen Fluggesellschaft Jet Airways hatte gegen 10 Uhr morgens planmäßig abgehoben. Ziel war die Metropole auf dem indischen Subkontinent. Nach einer geplanten Flugdauer von knapp neun Stunden sollte das Ziel erreicht werden.

Die für kurz nach Mitternacht errechnete Ankunftszeit in wurde auch eingehalten. Doch während des Fluges kam es zu einem dramatischen Zwischenfall, der die 324 Passagiere an Bord in Atem hielt.

Wie die "Times of India" berichtet, kam es im Cockpit zu einem Streit zwischen der Pilotin und dem Kopiloten, der dermaßen eskalierte, dass es zu einer körperlichen Auseinandersetzung kam. "Der als Kopilot fliegende Kommandant soll auf die Pilotin mitten im Flug eingeschlagen haben, woraufhin sie unter Tränen das Cockpit verließ", schreibt die Zeitung. Daraufhin flüchtete die Geschlagene in die Galley, wo sie bei der Kabinen-Crew Schutz suchte.

Kein Pilot mehr im Cockpit

Doch der im verbleibende Pilot verlangte über die Gegensprechanlage, dass sie sofort zurückkommen sollte. Was dann passierte, kann nur als grob fahrlässig bezeichnet werden, denn es verstößt gegen jegliche internationale Sicherheitsanweisungen.

Als die Flugbegleiter dem Kopiloten mitteilten, dass die Pilotin sich nicht zurück ins Cockpit traut, verließ er seinen Arbeitsplatz und ging in die Galley. Damit war die Pilotenkanzel für einen Moment unbemannt. Anscheinend hatte der Schläger Erfolg: Beide nahmen anschließend wieder auf ihren Sitzen im Cockpit hinter den Steuerrudern Platz.

Zweiter Streit über den Wolken

Damit war jedoch noch längst kein Frieden in die Pilotenkanzel eingekehrt. Es kam ein weiteres Mal zu einem Kampf. Erneut flüchtete die Pilotin in Richtung Kabine. Doch nun bekam es die Kabinenbesatzung mit der Angst zu tun. Die Kollegen baten sie eindringlich "ins Cockpit zu gehen und das Flugzeug sicher zu ihrem Bestimmungsort zu fliegen", heißt es in der "Times of India".

Wie geplant, setzte die Maschine am 2. Januar um 16 Minuten nach Mitternacht auf der Piste des Chhatrapati Shivaji International Airport in Mumbai auf.

Die Airline bestätigte inzwischen den Kampf im Cockpit. Doch spielt sie den Zwischenfall herunter und spricht von einem "Missverständnis zwischen der Cockpit-Crew an Bord des Fluges 9W 119", so ein Pressesprecher. Der Konflikt sei "schnell freundschaftlich gelöst" worden.

Schlechtes Crew Ressource Management

Die Fluggesellschaft meldete den Zwischenfall den indischen Behörden. Die zuständige Directorate General of Civil Aviation (DGCA) hat eine Untersuchung eingeleitet. Unabhängig von deren Ergebnis hat beide Piloten vom Dienst suspendiert.

Diese Entscheidung ist richtig. Denn das Verhalten beider widerspricht jeglichen Grundlagen des Crew Ressource Management, das von der Nasa und großen Fluggesellschaften seit Ende den 70er Jahren entwickelt wurde. Flugzeugunglücke, ausgelöst durch menschliches Versagen wie der Zusammenstoß zweier Jumbo-Jets 1977 auf dem Flughafen von Teneriffa, hatten zu einem Überdenken der Befehlsstruktur im Cockpit geführt. Macht der Pilot einen Fehler, muss die zweite Person im Cockpit nicht nur ihre Kritik äußern, sondern der ranghöhere Kapitän die Kritik auch annehmen.

Dieses praktizierte Verfahren mit einem "flying pilot" und einem "monitoring pilot" ist heute internationaler Standard im Cockpit. Doch dieses Model wird gerade in asiatischen Kulturkreisen, deren Gesellschaften streng hierarchisch sind, nicht hinreichend gelebt. 

Was genau die Ursache für den Konflikt im Cockpit auf dem Flug von London nach Mumbai war, ist unbekannt. Gerade in Indien kommt es häufiger zu "Verständigungsschwierigkeiten" in der Pilotenkanzel. Bereits 2015 soll der Kopilot einer Air-India-Maschine seinen Kapitän geschlagen haben.

Auch wurden vor zwei Jahren bei Kontrollen vor Dienstantritt auf indischen Flughäfen 122 Piloten mit Alkohol im Blut erwischt. Dabei gingen allein 33 Vorfälle auf das Konto von Piloten von Jet Airways.

+++ Lesen Sie auch den Artikel über die schlimmste Flugzeugkatastrophe: "Tod im Nebel von Teneriffa - Der schwärzeste Tag der Luftfahrt" +++

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