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Angst vor Piraten: Regierung gegen Kreuzfahrten vor Somalia

Die Bundesregierung warnt alle deutschen Reedereien davor, mit ihren Kreuzfahrtschiffen entlang der somalischen Küsten zu fahren. Die Veranstalter sind jedoch völlig anderer Meinung: Sie fordern, dass der deutsche Staat ihre Passagiere schützen soll.

Wegen der Piraterie im Golf von Aden hat die Bundesregierung alle deutschen Reedereien aufgefordert, auf Kreuzfahrten entlang der Küste Somalias zu verzichten. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte, Vergnügungsreisen vor dem Horn von Afrika halte er für unverantwortlich.

Der Tourismusbeauftragte der Regierung, Ernst Hinsken (CSU), erklärte, dort herrschten unvertretbare Risiken für Leib und Leben der Passagiere. Hinsken zeigte zwar Verständnis für die wirtschaftlichen Interessen der Branche, betonte aber: "Die Sicherheit von Urlaubern auf Kreuzfahrtschiffen hat oberste Priorität."

Es sei "völlig falsch, das große Abenteuer zu suchen", sagte der CSU-Politiker der "Berliner Zeitung". Es gehe auch nicht an, dass die Bundesrepublik Kosten für Rettungs- und Befreiungsaktionen übernehme, falls Passagierschiffe von Piraten angegriffen werden sollten, betonte Hinsken. Jeder Einzelne werde zur Kasse gebeten, wenn er sich trotz Warnung in Gefahr begebe.

Verteidigungsminister Jung empfahl deutschen Reedern eine Abkehr von Billigflaggen. "Ich denke, dass es klug ist, dass man - wenn man hier als deutscher Reeder unterwegs ist - auch unter deutscher Flagge fährt mit deutscher Besatzung", sagte der CDU-Politiker am Mittwochabend im ZDF. Wer unter fremder Flagge fahre und keine deutsche Besatzung an Bord habe, habe bei einer möglichen Rettung vor Piraten nicht die höchste Priorität, betonte er.

Neun Schiffe bis Ende März

Die deutschen Reiseveranstalter verlangten dagegen militärischen Geleitschutz für jedes Kreuzfahrtschiff beim Durchqueren des gefährlichen Gebiets. "Lieb wäre uns eine Begleitung durch Marineschiffe", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbands (DRV), Hans-Gustav Koch. Bis Ende März würden neun deutsche Schiffe die Region passieren, das sei eine überschaubare Zahl. Eine Absage dieser Reisen komme wegen der hohen Kosten für die Reedereien nicht in Betracht: "Wir können es nicht lassen", sagte Koch. Die Anwesenheit von Soldaten an Bord der Kreuzfahrtschiffe lehnte er ab.

Allein in diesem Jahr wurden bereits etwa 100 Schiffe in der Gegend überfallen und fast 40 davon gekapert. Zuletzt waren auch Kreuzfahrtschiffe bedroht. Das Auswärtige Amt sprach bereits eine Reisewarnung aus, in der vor Reisen nach Somalia und in die Gewässer vor dem Land eindringlich gewarnt wird. Aufgrund dieser Reisewarnung müssen die Veranstalter ihren Kunden Umbuchung und Stornierung anbieten.

AP / AP

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