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Auswirkungen des Warnstreiks: Lokführer bringen Zugverkehr aus dem Takt

Die Lokführer haben ihren zweistündigen Warnstreik beendet, die Auswirkungen ziehen sich jedoch über den ganzen Tag hin. Fahrgäste müssen sich weiterhin auf Behinderungen einstellen. Was Reisende jetzt wissen müssen.

Bahnreisende mussten am Dienstagmorgen viel Geduld mitbringen: Zahlreiche Züge waren wegen der Warnstreiks der Lokführergewerkschaft GDL verspätet. Bei klirrender Kälte mussten viele Pendler und Fernreisende bis zu zwei Stunden auf den Bahnsteigen auf ihren Zug warten, manche Regionalbahnen fielen sogar ganz aus. Ausweichmöglichkeiten waren rar: Auch Lokführer der Privat- und S-Bahnen legten ihre Arbeit zwischen 6 und 8 Uhr nieder.

"Wir haben einen sehr guten Stillstand der Züge erreicht", sagte Lutz Schreiber, der Vorsitzende des GDL-Bezirks Nord. Unter den Auswirkungen der Arbeitskampfmaßnahmen haben Bahnkunden noch den gesamten Dienstag zu leiden, ehe sich die Lage wieder normalisiert. Hier die wichtigsten Infos zum Warnstreik für Reisende im Regional- und Fernverkehr.

Wann und wo wurde gestreikt?

Nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) kam es zu "erheblichen Einschränkungen" im Nah-, Regional- und Fernverkehr. Im Nahverkehr seien die S-Bahnen in Berlin, Nürnberg und Stuttgart sowie im Rhein-Main-Gebiet und in Nordrhein-Westfalen betroffen gewesen. Bei den S-Bahnen in Hamburg und München sei es zu Verspätungen gekommen. Im Regional- und Fernverkehr sei es bundesweit zu Zugausfällen und Verspätungen gekommen.

Wie lange muss ich mit Einschränkungen rechnen?

Fahrgäste müssten noch bis zum Abend mit Verspätungen rechnen, da die betroffenen Züge erst nach Stunden wieder an den vorgesehenen Einsatzstellen zur Verfügung stünden. Betroffen von dem Warnstreik waren auch private Bahnunternehmen.

Wird es zu weiteren Streiks kommen?

Ja, bis zum Ende der Urabstimmung am 7. März werde es auf jeden Fall weitere Arbeitskampfmaßnahmen geben, erklärte eine Gewerkschaftssprecherin am Mittwoch. Nach einem ersten Warnstreik der Lokführer am Dienstag hat die Gewerkschaft GDL mit weiteren Arbeitskämpfen in den nächsten Tagen gedroht und eine Urabstimmung über Dauer-Streiks eingeleitet. In zwei Wochen soll das Ergebnis vorliegen. Bis dahin kann es aber weitere Warnstreiks geben, sofern DB und Privatbahnen nicht zu neuen Verhandlungen bereit seien.

Wo kann ich mich bei der DB informieren, ob mein Zug fährt?

Details zur aktuellen Situation finden Bahnreisende im Internet unter www.bahn.de/aktuell. Die Deutsche Bahn hat eine kostenfreie Servicenummer unter Tel. 08000-996 633 eingerichtet, die über die Auswirkungen der Streiks informiert. Kunden aus dem Ausland können sich gebührenpflichtig über die Nummer +49 1805 334444 informieren. Wer ein iPhone oder Smartphone hat, sollte sich den kostenlosen "DB Navigator" runterladen.

Wie informiere ich mich bei den Privatbahnen?

Auch Lokführer der Privatbahnen haben sich dem Arbeitskampf angeschlossen. Informationen über Verspätungen und Ausfälle werden über die Webseiten kommuniziert. Im Norden sind das der Metronom und Nordostsee-Bahn (NOB), in Bayern die Regentalbahn, die Vogtlandbahn, die Berchtesgadener Landbahn und die Bayerische Regiobahn (BRB). Weitere Privatbahnen sind über ihre Webseiten zu erreichen: Abellio, Arriva, Benex, Keolis und Veolia.

Gibt es bei Verspätungen durch den Streik Geld zurück?

Nein, hier berufen sich die Bahngesellschaften auf höhere Gewalt. Entschädigungen, die sonst gestaffelt bei Verspätungen ab einer oder zwei Stunden fällig sind, gibt es bei Streiks nicht. Wer einen Fahrschein eines Verkehrsverbundes hat, muss dessen Tarifbedingungen zu den Erstattungsregeln prüfen. Das gilt etwa auch für Wochen-, Monats- und Jahreskarten.

Kann ich einen anderen Zug nehmen, wenn meine ursprüngliche Verbindung ausfällt?

Ja. Wenn der ursprüngliche Zug ausfällt oder der Anschlusszug wegen des Streiks ausfällt, kann eine andere Bahn genutzt werden - auch, wenn es sich etwa um einen Fernverkehrszug wie einen ICE handelt. Das gilt auch, wenn die Fahrkarte eigentlich eine Zugbindung hat. Fallen an einem Tag alle zumutbaren Züge aus, werden auch Spar- und Spezialtickets ohne Abzüge erstattet. Wer im Nahverkehr eigentlich mit einem Konkurrenten der Deutschen Bahn gefahren wäre, kann ebenfalls auf DB-Fernzüge umsteigen - dafür muss er sich dies nach Angaben der Bahn aber auf dem Ticket von einem Bahnmitarbeiter vermerken lassen.

Zahlt die Bahn ein Taxi oder ein Hotel, wenn ich am Bahnhof festhänge?

Auch hier beruft sich die Bahn auf höhere Gewalt und verpflichtet sich nicht zur Zahlung dieser Leistungen. Die Bahn entscheidet nach früheren Angaben aber jeweils konkret vor Ort, ob sie ein Hotel oder ein Taxi bezahlt.

Wie kann ich über eine Mitfahrzentralen Fahrten organsieren?

Große Internetportale wie www.mitfahrgelegenheit.de oder www.drive2day.de bringen Fahrer und Mitfahrer zusammen. Vorteil: Mehrere Parteien teilen sich dann die Spritkosten: Fahrten von Berlin nach München schlagen mit zwischen 40 und 50 Euro zu Buche.

Wo informiere ich mich über Linienbusse?

Für längere Fahrten gibt es Fernbusse. Die Tickets müssen vor Fahrtantritt gebucht werden. Die Fernbusse von Deutschen Touring und Eurolines fahren mehrmals täglich zu festen Zeiten zwischen größeren Städten.

Wo kann ich einen Mietwagen reservieren?

An Streiktagen sind Leihwagen ein knappes Gut. Die Autos können auf der Homepage des Autovermieters wie Avis, Europcar, Hertz und Sixt oder oder direkt in den Niederlassungen. Der Preis hängt von der Größe des Wagens ab. Oft gibt es Sonderangebote, wenn der Wagen für mehrere Tage gemietet wird. So könnte etwa ein Kleinwagen rund 70 Euro am Tag kosten.

Sind innerdeutsche Flüge eine Alternative?

Wer Verspätungen von ICE-Zügen möchte, kann bei einer Reise zwischen großen Metropolen auf einen Flug von Lufthansa und Air Berlin, die über das dichteste Streckennetz in Deutschland verfügen, umsteigen. Kurzfristig gebuchte Flugtickets sind jedoch besonders teuer.

Droht mir Ärger mit dem Chef, wenn ich zu spät zur Arbeit komme?

Zwar haben viele Arbeitgeber Verständnis, wenn Mitarbeiter wegen Streiks zu spät kommen. Dennoch könnten sie verlangen, dass die Arbeitszeit nachgeholt wird. Ein Abmahnungs- oder Kündigungsgrund ist das Zuspätkommen nicht.

Worum geht es im Tarifkonflikt?

Die Gewerkschaft GDL will einheitliche Standards für alle 26.000 Lokführer im deutschen Nah-, Fern- und Güterverkehr erzwingen - egal, bei welchem Betreiber sie arbeiten. Dafür hat GDL-Boss Claus Weselsky ein Ringen an drei Fronten aufgenommen. Zu verhandeln ist mit der bundeseigenen Deutschen Bahn (DB), die allein 20.000 Lokführer hat, sechs privaten Regionalbahnen sowie einer Gruppe privater Güterbahnen. Kernforderung der GDL: einheitliche Einkommen auf dem Niveau des Marktführers DB plus fünf Prozent Aufschlag. Die teils bis zu 30 Prozent niedrigeren Entgelte bei Privatbahnen sollen stufenweise angeglichen werden.

tib mit Agenturen

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