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Nabu-Kreuzfahrt-Ranking 2019: Die meisten Schiffe sind immer noch Dreckschleudern

Zum neunten Mal hat der Nabu sein Umwelt-Ranking für Kreuzfahrtschiffe präsentiert: Es gibt nur wenige einigermaßen saubere Schiffe. Noch immer setzten Reedereien auf Schweröl und verzichten auf Abgasreinigung.

Die Branche boomt - und belastet auch das Klima zunehmend: Der Nabu macht Kreuzfahrtgästen ein schlechtes Gewissen, "Cruise Shaming" genannt.

Die Branche boomt - und belastet auch das Klima zunehmend: Der Nabu macht Kreuzfahrtgästen ein schlechtes Gewissen, "Cruise Shaming" genannt.

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Das Gute gleich am Anfang: Bereits seit Ende vergangenen Jahres ist die "Aida Nova", das erste von Flüssigerdgas (LNG) angetriebene Kreuzfahrtschiff, auf den Weltmeeren unterwegs. Damit geht das Flaggschiff von Aida Cruises als Sieger aus dem Kreuzfahrt-Ranking 2019 des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) hervor.

Auf Platz zwei landete die "Costa Smeralda" von Costa Kreuzfahrten. Das ebenfalls mit LNG-betriebene Schiff für mehr als 6000 Passagiere soll noch in diesem Jahr der Reederei übergeben werden. "Doch auch dieses Flüssiggas ist weiterhin ein vollständig fossiler Brennstoff, der teilweise mit erheblichen Eingriffen in die Umwelt gewonnen wird", kritisiert der Nabu in seinem am Mittwoch in Hamburg vorgestellten Bericht.

Auf den folgenden Plätzen liegen die Schiffe "Europa 2", das neue Expeditionsschiff "Hanseatic Nature" und die in Kürze fertiggestellte "Hanseatic Inspiration" von Hapag-Lloyd Cruises. Die "Europa 2" war bereits der Sieger im Jahr 2013. Die sechs Schiffe von Tui Cruises müssen sich inzwischen mit Rang 13 zufriedengeben. Erst 2024 und 2026 wird die Tui-Flotte erstmals um zwei LNG betriebene Schiffe ergänzt.

Die hinteren Plätze im Nabu-Kreuzfahrtranking 2019 nehmen die Schiffe des US-Branchenriesen Royal Caribbean International und die der in Genf beheimateten MSC Cruises ein.

Die Branche boomt und belastet das Klima

"Es ist ein Schlag ins Gesicht der Jugend, dass sich die Kreuzfahrtbranche im Grunde geschlossen dem Klimaschutz verweigert", sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. "Gerade dieser Tage kann niemandem entgangen sein, unter welch enormen Handlungsdruck die Weltgemeinschaft angesichts der Klimakrise steht. Dennoch spülen die Anbieter Jahr für Jahr weitere Riesenschiffe auf den Markt, die allesamt mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden. Das ist absolut unzeitgemäß und verantwortungslos.

Für den Nabu hat die Kreuzfahrt-Branche nur eine Zukunft, wenn die Schiffe mit "Nullemissionsantrieben" in Dienst gestellt werden. "Die Steuerbefreiung mariner Kraftstoffe in Zeiten der Klimakrise ist fatal und muss dringend beendet werden", sagte Daniel Rieger, der Leiter Verkehrspolitik beim Nabu. "Solange der Einsatz fossiler Energieträger massiv subventioniert wird und auch die Emissionsstandards und Anforderungen an Energieeffizienz der Schiffe lächerlich gering sind, wird es keine Antriebswende in der Schifffahrt geben."

Bei seinem neunten Ranking erfasste der Nabu in diesem Jahr erstmals auch Technologien zum Klimaschutz im Bereich der Antriebe und der Energieversorgung, die jetzt in einer gesonderten Kategorie ausgewiesen sind. Positiv wurde vermerkt, dass neben der "Aida Nova" die "Roald Amundsen", das neue Hybridschiff von Hurtigruten, immerhin neue Maßstäbe setze.

Quelle: Naturschutzbund Deutschland

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