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Kritik an Flughafen-Sperrungen: Wie allgegenwärtig ist die Aschewolke wirklich?

Die Aschewolke ist wieder im Anmarsch. Fluggesellschaften kritisieren die erneuten Flughafensperrungen, und auch Meteorologen halten die Reaktion für übertrieben, warnen allerdings vor der nächsten Wolke.

Von Swantje Dake

Die Aschewolke hat Europas Flugverkehr weiterhin fest im Griff. In der vergangenen Woche war der Einfluss der Aschepartikel aus dem isländischen Vulkan unter dem Eyjafjalla-Gletscher nur in Irland und im nördlichen Großbritannien zu spüren, am Wochenende zog die Wolke dann von Südwesten über den europäischen Kontinent.

Vermutlich war das noch nicht das letzte Wiedersehen mit der Vulkanasche, denn die Wolke erstreckt sich wie ein Band vom nördlichen Großbritannien parallel zur Atlantikküste bis nach Spanien. Sollte der Wind auf westliche Richtung drehen, muss auch Mitteleuropa wieder mit den Folgen der allgegenwärtigen Aschepartikel kämpfen.

Asche liegt auch zu Wochenbeginn in der Luft

"Über dem Atlantik liegt derzeit ein richtig dicker Batzen", so Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst wetter.net. "Am Mittwochabend oder Donnerstag könnte der Wind drehen", so Jung. Allerdings sei aus den Modellen der Meteorologen nicht zu erkennen, wie hoch die Aschekonzentration exakt sei. "Die leichte Belastung, die am Wochenende zu der Sperrung der Flughäfen führte, liegt auch heute über uns. Die Situation hat sich im Vergleich zum Wochenende kaum verändert."

Am Wochenende wehte die Asche vom südwestlichen Zipfel Europas, der Algarve, über die Balearen, Italien über die Alpen bis nach Süddeutschland. Entsprechend wurden Lufträume gesperrt, fielen Hunderte Flüge in verschiedenen Ländern aus. Transatlantikflüge hatten Verspätung, da sie die Aschewolke umgehen mussten.

Die Luftraumsperrungen kann auch Meteorologe Karsten Brandt vom Wetterdienst donnerwetter.de nicht nachvollziehen. "Das ist recht kurios. Die Aschewolke war mehrere tausend Kilometer unterwegs, ist durch mehrere Niederschlagsgebiete gezogen und hat sich dadurch vermutlich stark verdünnt", so Brandt. Während Brandt die Sperrungen des irländischen Luftraums für vernünftig hält, da die Aschekonzentration auf Grund der Nähe zu Island höher sei, hält er die Sperrungen in Süddeutschland und Südeuropa für übertrieben. "Ich bin wirklich ein Sicherheitsfanatiker, aber hier gibt es keine Messdaten, die die Sperrungen begründen würden."

Weiterhin keine Messdaten für Deutschland

Die Konzentration der Asche wird wie schon bei der ersten Wolke nicht real gemessen, sondern mithilfe eines Modells berechnet. Die deutschen Flughäfen wurden am Wochenende auf Grund einer Flugwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gesperrt. Der DWD stütze sich dabei auf Prognosen des Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) in London. Daraus soll hervorgegangen sein, dass ein Teil des süddeutschen Luftraums hoch mit Vulkanasche belastet war.

Kritik für diese Entscheidung kommt von den Fluggesellschaften. "Ein Flugverbot darf nicht nur aufgrund von Berechnungen gelten", sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. Mit Messungen müsse überprüft werden, ob sich diese Annahmen auch bestätigten. "Wir haben keinerlei hinreichende Beweise vom Deutschen Wetterdienst, was da in der Luft ist", sagte ein Sprecher von Air Berlin. Die Schweizer Behörden schlossen ihren Luftraum nicht, führten aber eigene Messungen durch und kamen zu dem Schluss, dass die Dichte der neuen Aschewolke für Flugzeuge keine Gefahr darstelle.

Die Aschewolke blubbt wie Blasen nach Deutschland

Und der Gletschervulkan in Island schickt zum Wochenauftakt weiter Vulkanasche in die Atmosphäre. Nach Angaben des Katastrophenschutzes in Reykjavik erreichte die Rauchwolke am Montag eine Höhe von fünf Kilometern über dem Gletscher Eyjafjallajökull. Der Wind wehte in südlicher bis südöstlicher Richtung auf den europäischen Kontinent zu.

In den nächsten Tagen müssten Passagiere immer wieder mit Störungen rechnen, warnte bereits am Freitag die irische Luftfahrtbehörde IAA. Sämtliche europäische Flughäfen sind am Montag wieder geöffnet. Die Europäische Flugsicherheitsorganisation Eurocontrol erwartete im Laufe des Montags rund 28.500 Flüge - das sind 500 weniger als an einem normalen Tag. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) plant vorerst keine Sperrungen des deutschen Luftraums. Am Montag könnten alle Flüge wie geplant stattfinden, sagte ein DFS-Sprecher. Allerdings reiche die aktuelle Prognose nur bis Dienstagmorgen, so dass er zunächst keine längerfristigen Aussagen machen könne.

Am Mittwoch könnte die Aschewolke nach Angaben des DWD "eventuell" wieder nach Süddeutschland ziehen. Noch sei die Konzentration aber unklar. Diese ist ausschlaggebend für die Entscheidung der Deutschen Flugsicherung, ob Lufträume gesperrt werden. "Die Wolke kann aber auch an Deutschland vorbeiziehen. Wenn, blubbt sie wie Blasen hier rein", so ein DWD-Sprecher. Am Montag und Dienstag beeinträchtige die Asche den Luftverkehr über Deutschland nicht. "Wir haben eine Süd-West-Strömung. Die Asche zieht weg."

Doch die Asche aus Island kann Europas Luftverkehr noch über Wochen und Monate beeinträchtigen. "Wenn der Vulkan kontinuierlich weiter Asche abgibt, kann es zum ständigen Problem werden", so Karsten Brandt. Die Partikel hielten sich lange in der Luft, derzeit schützten die Tiefdruckgebiete Europa vor einem erneuten Stillstand am Himmel. "Die Asche wird in den Regengebieten ausgewaschen, und die Wolke ist ständig in Bewegung, liegt nicht wie beim ersten Ausbruch bleiern über dem Kontinent."

Mit DPA, AFP, Reuters, APN / Reuters

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