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Landebahn-Crashs Wenige Meter an der Katastrophe vorbei


Katastrophale Zusammenstöße auf dem Rollfeld sind auf amerikanischen Flughäfen jederzeit möglich: Der US-Kongress hat die Sicherheit an Flughäfen gerügt und auf die Gefahren der so genannten "Runway Incursions" hingewiesen. Allein 2007 kam es drei Mal zur Beinahe-Katastrophe.

Die Piloten der Boeing 757 kamen nochmal mit dem Schrecken davon. "UAL 1544. Stopp, stopp, stopp", rief der Fluglotse ins Mikrofon. Doch die Crew der United Airlines rollte weiter auf die Landebahn. Ihre Kollegen in einer Delta-Boeing hatten ihre Maschine bereits gelandet und starteten durch, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Die insgesamt 300 Passagiere in den beiden Flugzeugen entgingen nur um Meter einer Katastrophe. Was im Juli auf dem Flughafen Fort Lauderdale in Florida passierte, ist leider kein Einzelfall.

Auf den Flughäfen in den USA besteht die große Gefahr "eines katastrophalen Zusammenstoßes auf dem Rollfeld". Zu diesem Ergebnis kommt ein Untersuchungsbericht des US-Kongresses, der am Mittwoch in Washington vorgestellt wurde. Gründe seien die zögerliche Kontrolle durch Bundesbehörden, mögliche technische Pannen und überarbeitete Fluglotsen.

Sicherheitsrisiken wachsen mit zunehmendem Flugverkehr

Die Luftfahrtaufsichtsbehörde (FAA) habe es zwar geschafft, die Zahl der Unfälle seit 2001 deutlich zu reduzieren, heißt es, aber seitdem stagniere die Zahl der Unfälle auf niedrigerem Niveau. Im Haushaltsjahr 2007, das am 30. September endete, sei die Zahl der Vorfälle wieder auf 370 gestiegen. Das waren 6,05 Vorfälle auf dem Rollfeld pro eine Million Fluglotsen-Operationen. Das war fast wieder das Niveau von 2001, als es 407 Vorfälle gab und die Rate bei 6,1 lag.

Seitdem der Luftverkehr wieder in der ganzen Welt wächst, wird das Problem ernster. Denn Flughäfen wollen ihre Kapazität mit neuen Lande- und Startbahnen erhöhen, werden damit für Piloten aber oft unübersichtlich. Dann steigt das Risiko, dass Cockpit-Crews unerlaubt auf Pisten rollen. In der Fliegersprache werden diese Vorfälle als "Runway Incursions" bezeichnet. Das Problem stehe ganz oben auf der Agenda, sagt der Sprecher des internationalen Dachverbandes der Pilotengewerkschaften IFALPA, Gideon Ewers.

Drei Beinahe-Katastrophen auf amerikanischen Airports

Als sogenannter Runway-Vorfall wird jeder Zwischenfall gewertet, bei dem ein Flugzeug, ein Fahrzeug oder eine Person sich unberechtigterweise in dem Bereich aufhält, der für Starts und Landungen reserviert ist. Es gebe derzeit keine Behörde, die alleine zuständig sei für die Probleme auf dem Rollfeld und für mögliche Gegenmaßnahmen, hieß es in dem Bericht.

Seit 1990 wurden in den USA bei Vorfällen auf dem Rollfeld 63 Menschen bei sechs Zusammenstößen getötet. Auch in diesem Jahr gab es schon einige dramatische Beinahezustammenstöße: So verfehlten sich am 16. August auf dem Flughafen Los Angeles International zwei Maschinen mit 296 Menschen an Bord nur um 11,3 Meter. Auf dem New Yorker LaGuardia-Flughafen verfehlte am 5. Juli eine Boeing 737 nur knapp ein Nahverkehrsflugzeug. Und auch der Vorfall am 11. Juli in Fort Lauderdale war kurz vor der Katastrophe.

Schwerste Katastrophe der Luftfahrt durch Runway-Crash

Zwar verlaufen die meisten Zwischenfälle glimpflich, doch wenn zwei Flugzeuge zusammenstoßen, sind die Folgen oft tödlich. Mit der schwersten Katastrophe der Luftfahrtgeschichte endete der Zusammenstoß zweier Jumbojets 1977 auf Teneriffa. Die Pilot einer KLM-Maschine wollte ohne Freigabe starten und raste in eine Boeing 747 der Pan Am, die noch auf der Startbahn war. Damals kamen 583 Menschen ums Leben. Seitdem ist es immer wieder zu tödlichen Unfällen gekommen, etwa am 8. Oktober 2001 in Mailand, als eine Linienmaschine der skandinavischen SAS mit einem deutschen Geschäftsreiseflugzeug auf der Startbahn kollidierte. 118 Menschen wurden tödlich verletzt.

Mai/AP AP

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