HOME

Neues Problem: Bei Boeing 777 droht Triebwerksausfall im Flug

Nach der "Dreamliner"-Problemserie plagen den Flugzeugbauer Boeing neue Sorgen. Beim Großraumjet 777 sind bereits zweimal mitten im Flug Triebwerke ausgefallen. Boeing warnt die Airlines.

Nach dem Batterie-Debakel beim Prestigeflugzeug "Dreamliner" machen Boeing nun auch Probleme mit seinem Langstreckenflieger 777 zu schaffen. Die betroffenen Fluggesellschaften seien über das Risiko eines plötzlichen Ausfalls der Triebwerke informiert worden, teilte der US-Flugzeugbauer gemeinsam mit seinem Partner General Electric (GE) in der Nacht zum Donnerstag mit. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Motoren im Flugbetrieb von alleine ausschalteten.

Es habe bereits zwei Vorfälle dieser Art gegeben, einen im Februar und einen weiteren am 9. Mai. Dabei sei jeweils eines der beiden Düsentriebwerke während des Fluges ausgefallen. Die Maschinen hätten den Flug aber mit jeweils nur einem Triebwerk beenden können. Die Ursache ist noch unklar. Boeing zufolge könnte es sich um einen Materialfehler handeln.

Verteilergetriebe werden untersucht

Betroffen sind den Angaben nach etwa 118 Verteilergetriebe, die zwischen September und März von der italienischen Firma Avio hergestellt worden seien. Ein solches Teil ist in etwa 26 im Betrieb befindlichen Flugzeugen vom Typ 777-300ER eingebaut. Die Fluggesellschaften sollten diese Teile nun prüfen und gegebenenfalls austauschen. Die möglicherweise defekten Teile sind auch in 44 Maschinen verbaut, die noch in der Produktion sind. Einer der beiden Vorfälle ereignete sich bei einer Air-China-Maschine. Welche Fluggesellschaften noch betroffen sind, wurde nicht mitgeteilt.

Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA dürfte die Inspektionen der betroffenen Teile wohl noch offiziell anordnen. Die Behörden hatten erst vor wenigen Wochen das Flugverbot für den Dreamliner aufgehoben. Ende April nahm der erste 787er-Jet den regulären Flugbetrieb wieder auf. Wegen Batterieproblemen musste der Hoffnungsträger des Airbus-Rivalen insgesamt ein Vierteljahr am Boden bleiben.

An Bord verschiedener Maschinen hatten überhitzte Batterien Feuer gefangen oder waren geschmolzen. Sie wurden daraufhin überarbeitet und erneuert. Mittlerweile hat Boeing auch die Auslieferungen des "Dreamliners" wieder aufgenommen. Unklar ist, wie teuer die Probleme Boeing zu stehen kommt. Experten gehen von bis zu 600 Millionen Dollar aus. Mehrere Airlines wollen Schadenersatz von Boeing verlangen.

brü/REUTERS / Reuters

Wissenscommunity