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Qualitätstest des Verkehrsclubs: Schmuddel-ICs ärgern Bahnkunden

Dreckige Klos und schlechte Infos: Reisende stellen der Bahn vor allem bei Intercity-Zügen und auftretenden Problemen ein schlechtes Zeugnis aus - von der angekündigten Qualitätsoffensive ist hier keine Spur, wie der Bahntest des Verkehrsclubs Deutschland zeigt.

Nicht nur Pünktlichkeit und gute Anschlüsse machen die Bahn für Verbraucher attraktiv, sondern auch guter Kundenservice und saubere Toiletten. Ein am Dienstag veröffentlichter Bahntest des Verkehrsclub Deutschland (VCD) bescheinigt der Deutschen Bahn in den Bereichen Sauberkeit und Information nur Mittelmaß. Demnach beurteilen die Bahnreisenden das Gesamtangebot der Deutschen Bahn im Fernverkehr zwar positiv, für die Information der Fahrgäste beim Auftreten von Störungen erhielt das Unternehmen aber nur ein Befriedigend (Schulnote 3,2).

Die zweitschlechteste Note 3,1 gab es für die Sauberkeit der Toiletten in den Intercitys und Eurocitys. Knapp 56 Prozent der Befragten gaben den Intercitys eine schlechtere Note als 2. Überraschend sei das nicht, denn im Durchschnitt sind die ICs und ECs bereits 40 Jahre alt. "Die Bahn hat zu lange damit gewartet, neue Züge zu bestellen", kritisierte VCD-Bahnexpertin Heidi Tischmann.

Die Bahn wies dies zurück. Im Frühjahr 2012 beginne die Modernisierung des Innenraums von rund 800 IC-Wagen. Ab Dezember 2013 sollen 27 Doppelstockwagen als IC eingesetzt werden, sagte eine Sprecherin. Und 2016 soll die neue Fernzugflotte ICx kommen - für den VCD viel zu spät. "Die Bahn ist auf Verschleiß gefahren", sagte VCD-Vorsitzende Michael Ziesak.

Schlechte Informationspolitik der Bahn

Erheblichen Handlungsbedarf sieht der VCD weiterhin bei der Information der Bahnkunden bei Fahrplanabweichungen und anderen Problemen. Die Bahn müsse mehr Personal auf den Bahnsteigen postieren, das schnell und kompetent Auskunft erteilen könne, wenn es zu Störungen komme. Auch in den Zügen müsse das Bahnpersonal "befähigt und willens" sein, Informationen zu Anschlusszügen und Abfahrtsgleisen zu geben.

Es reiche nicht aus, auf Durchsagen auf dem Bahnhof zu verweisen, da diese wegen der Fülle der Ansagen oft untergingen oder akustisch schlecht zu verstehen seien. Im Normalfall seien die Reisenden allerdings mit den Informationen im Bahnhof zu Anschlusszügen und Abfahrtsgleisen zufrieden.

Verbesserungsbedarf besteht laut VCD auch bei der Pünktlichkeit. Auch wenn die Bahn nicht jede Verspätung selbst zu verantworten habe, müsse sie alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Pünktlichkeitswerte zu verbessern. Dafür müssten Züge und Infrastruktur kontinuierlich instandgehalten werden und genügend Reservezüge vorgehalten werden.

Fazit von über 1400 Bahnfahrten

Über einen Zeitraum von fünf Monaten ließ der VCD bundesweit 1404 Fahrten im Fernverkehr protokollieren. Die Organisation nahm für ihren Bahntest die Ziele unter die Lupe, die sich die Deutsche Bahn bei ihrer im September 2010 verkündeten Qualitätsoffensive gesetzt hatte. In den vergangenen Jahren hatte die Bahn wiederholt massive Probleme mit ihren Fahrzeugen. An heißen Sommertagen fielen die Klimaanlagen von rund 50 Zügen aus, was zu Verspätungen und Zugausfällen führte. Im Winter wiederum machte Schnee bei eisigen Temperaturen dem Unternehmen zu schaffen.

tib/DPA/AFP / DPA

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