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Reiseärger "Das hatte was von Geisterhotel": Urlauber berichten von toten Delfinen und anderen unschönen Erlebnissen

Janina Menger stieß im Hotelurlaub auf Kos auf erbärmliche Zustände
Janina Menger stieß im Hotelurlaub auf Kos auf erbärmliche Zustände
© privat
In der Reisebranche knirscht es gerade gewaltig. An den Flughäfen fehlt Personal und auch manche Hotels müssen erst wieder so richtig hochfahren, wie diese Berichte von Urlaubern zeigen.

Die Deutschen wollen wieder verreisen, doch kurz vor den Sommerferien funktioniert vieles so überhaupt nicht. Zahlreiche Urlauber haben dem stern ihre Horrorgeschichten berichtet. Was alles schon beim Hinflug schief gehen kann, hat der erste Teil unserer Reihe mit Reiseerlebnissen gezeigt. Aber auch wer erfolgreich in den Urlaub abgehoben hat, kann noch so einiges erleben.

Denn auch vor Ort läuft längst nicht alles rund, wie die Hotel-Erfahrung von Familie Menger zeigt (siehe unten). Und man muss ja auch noch wieder zurückkommen: Während Herr Kammerer sein Koffer verlustig ging, sollte sich Herr Lemke kurzfristig von seinen Töchtern trennen, um in drei verschiedenen Fliegern auf unterschiedlichen Routen nach Hause zu kommen. Teil 2 unserer unschönen Reiseerlebnisse. 

Familie Menger landet im Gruselhotel

Janina Menger (34) und ihre Familie hatten sich so gefreut. Zehn Tage im Mai im Vier-Sterne-Hotel "Tui Kids Club Grecotel Casa Paradiso" auf der griechischen Ferieninsel Kos, das erste Mal überhaupt mit dem Flugzeug ans Meer, seitdem die Kinder Merle, (5) und Mats (1) auf der Welt sind. Auch Mengers Schwester mit ihren Kindern waren dabei. Doch vor Ort entpuppte sich der vermeintliche Familien-Club als Horror-Hotel. "Bereit war da gar nichts", sagt Menger, die aus Bad Kreuznach stammt und als Krankenschwester arbeitet. Die gerade wieder eröffnete Anlage war nur teilweise renoviert, die Zimmer dreckig und das Bad voller Schimmel. Das Wasser im Pool war noch eiskalt, die Pool-Bar verrammelt. "Das hatte was von Geisterhotel, Urlaubsfeeling kam da nicht auf", sagt Menger. Die Realität passte eindeutig nicht zu den Fotos, mit denen die Anlage im Internet beworben worden war.

Vor allem aber war das Hotel in diesem Zustand ungeeignet für Kinder. Gebucht war die Reise bereits im November. Im April, drei Wochen vor Reisebeginn, eröffnete Tui den Urlaubern dann, dass die Kinderbetreuung des Tui Kids Club leider nicht gewährleistet sei und bot ein Alternativhotel an. Man könne aber "selbstverständlich dennoch reisen". Da das Hotel den Urlaubern auf Nachfrage bestätigte, dass die hoteleigenen Kinderangebote zur Verfügung stünden, verzichteten die Familien auf ein Umbuchen. 

Doch vor Ort entpuppte sich der Kinderspielplatz als Schaukel vor den Toiletten und scharfkantige Rost-Rutsche. Im Spielplatzsand fanden die Kinder ein rostiges Rohr, einen Köder mit Rattengift und einen verendeten Vogel. Letzterer wurde ebenso erst nach mehreren Tagen entfernt, wie der tote Delfin am Strand, der die Kinder noch mehr gruselte. "Das Hotel-Personal war überfordert und die Reiseleitung eine Katastrophe", sagt Menger. Erst nach drei Tagen vor Ort und hartnäckigem Drängen gelang es den Familien, sich von Tui in ein anderes Hotel umbuchen zu lassen. "Von da an hatten wir einen tollen Urlaub", sagt Menger. Für die gruseligen Erlebnisse im ersten Hotel zahlte der Veranstalter im Nachgang noch eine Reisepreisminderung von 260 Euro. 

Herr Kammerer braucht einen neuen Koffer

Für Achim Kammerer ist Fliegen eigentlich Routine. Der Unternehmensberater sammelt als Vielflieger Meile um Meile. "Das ist für mich eine Art der Erholung", sagt der 46-Jährige. Doch auch er erlebt derzeit Außergewöhnliches. An einem Montag vor wenigen Wochen kam er aus Dubai zurück nach Frankfurt – anders als sein Gepäck. Das blieb im Emirat. Auch nach zahlreichen Stunden in der Warteschleife war von seinem Koffer keine Spur.

Drei Tage später, am Donnerstag, ging bereits sein nächster Flug, diesmal nach Wien. Mit seiner Kleidung in Plastiktüten verpackt fuhr er zum Flughafen, dort kaufte er sich einen neuen Koffer. Angekommen am Gepäckband in Wien stand Achim Kammerer allerdings wieder mit leeren Händen da. "Ich habe schon über 1000 Flüge auf dem Buckel, in denen ist mein Gepäck vielleicht drei- oder viermal hängengeblieben". Diese Statistik hat Kammerer in dieser Woche deutlich nach oben geschraubt. "Die Begründung ist offensichtlich: Es fehlt momentan einfach Personal am Boden", sagt der Flug-Experte.

Auf dem Weg in sein Wiener Hotel kaufte sich Kammerer ein frisches T-Shirt im Hard Rock Café – dem einzigen Laden, der zu dieser Zeit geöffnet war. Doch noch am selben Abend klopfte es an seiner Zimmertür und davor stand: sein neu gekaufter Koffer. Ein Business-Meeting im Touristen-Outfit ist ihm also gerade noch erspart geblieben. 

Achim Kammerers Reisegepäck blieb gleich zweimal innerhalb weniger Tage hängen
Achim Kammerers Reisegepäck blieb gleich zweimal innerhalb weniger Tage hängen
© privat

Familie Lemke will sich nicht auf drei verschiedene Flieger verteilen

Es hatte alles so gut gepasst. Der erste gemeinsame Urlaub mit seinen zwei Töchtern nach der Pandemie. Es ging in die USA. "Meine zweite Heimat", sagt Oliver Lemke, Geschäftsführer einer Berliner Brauerei. Startpunt der Reise war Arizona, hier hatte die jüngere Tochter bis vor kurzem einen einjährigen Schüleraustausch gemacht. Von dort aus fuhren sie weiter: Grand Canyon, Las Vegas, Los Angeles, San Francisco.  Zwei Wochen, dreieinhalbtausend Kilometer. 

 

Wenige Tage vor dem Rückflug nach Berlin dann die Überraschung: Zwei der drei Tickets wurden einfach umgebucht. "Ohne Erklärung", sagt Lemke. Statt über Frankfurt sollte er nun über München zurückfliegen. Die ältere Tochter sollte einen Zwischenstopp in Istanbul einlegen. Nur für die jüngste änderte sich nichts. "Das fanden wir schon sehr befremdlich", sagt Lemke, "man kann doch nicht einfach eine Familie auseinanderreißen, vor allem wenn der ursprüngliche Flug noch stattfindet."  

Er versuchte herauszufinden, wo das Problem liegt. Irritiert hatte ihn schon, dass die Infos zu den Änderungen nicht von Condor kamen, wo er die Tickets gebucht hatte, sondern von Lufthansa, die nur für den Flug von Frankfurt nach Berlin zuständig sein sollten. Lemke schrieb Mails und rief bei Beschwerde-Hotlines an, die ihn darum baten, es doch später noch einmal zu versuchen.

Er fuhr zwei Tage vor Abflug zum Flughafen in San Francisco und lief dort vom Schalter der Lufthansa zum Schalter von Condor und wieder zurück. Das alles brachte nichts: Die Antworten variierten zwischen: Wir sind nicht zuständig. Wir können es nicht ändern. Sie wurden doch gar nicht umgebucht. Er könne ja verstehen, dass Flughäfen und Airlines in der Pandemie Mitarbeiter verloren haben, sagt Lemke. "Was aber gar nicht geht ist, dass der Kunde nicht vernünftig informiert wird und keine richtigen Ansprechpartner hat."

 

Also änderte Lemke seinen Plan. Am Tag des Abflugs stellte er sich an den Schalter und sagte: Ich bleibe hier so lange stehen, bis ich zusammen mit meinen Töchtern zurück nach Deutschland fliegen kann. Nach zwei Stunden gab die Airline schließlich nach. In Frankfurt musste sich die Familie dann aber einen Mietwagen nehmen. Der Flug nach Berlin war ausgefallen – der Grund für das ganze Chaos, wie sich später herausstellte. Extra-Kosten für das Auto: 400 Euro plus Sprit.  

Was heißt das für den Sommerurlaub der Familie Lemke? "Wenn es nach meiner Frau geht, sollten wir langsam die Flugtickets buchen", sagt Lemke. Er überlege noch. Schließlich sehe man schon jetzt, wie die Flughäfen im Chaos versinken. "Für Juli und August sehe ich schwarz" 


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