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Tourismus in der Krise: Tristesse in der Türkei: Leere Hotels, leere Strände

Tristesse am Mittelmeer: Die türkische Riviera erlebt einen Saisonstart ohne Urlauber. Viele Händler verzweifeln. Die Einheimischen geben vor allem der Regierung die Schuld. Inzwischen werden die Zimmerpreise immer günstiger.

Leere Strände ohne Ende

Nur wenige Menschen bevölkern Ende Juni 2016 den Strand Konyaalti in Antalya

Vor der Wassersportanlage an der türkischen Riviera dümpeln zwei Jetski und Motorboote im türkisblauen Wasser. Mehrere Kanus liegen unbenutzt am Strand. Es ist Mittag, die Sonne brennt, und Mehmet Tekerek hat noch keinen einzigen Euro verdient: "Dieses Jahr ist die reinste Katastrophe. Es sind keine Touristen da."

Seit 15 Jahren sei er im Geschäft - aber so eine schlechte Saison habe er noch nie erlebt. Tekerek hat sein T-Shirt ausgezogen und sitzt in Shorts auf einem Drehstuhl. Von hier aus hat er einen guten Blick über den Strand, der bis auf einige Urlauber leer ist. Ein Luftballonverkäufer versucht sein Glück und stapft durch den Sand.

Dabei ist Konyaalti einer der bekanntesten Strände in Antalya. Normalerweise tummeln sich hier Urlauber aus Russland, Deutschland und anderen Ländern Europas. Doch dieses Jahr steckt der Tourismus in der Türkei in einer schweren Krise. Im Bezirk Belek protestierten laut Medienberichten erst kürzlich Gewerbetreibende, weil sie wegen der Flaute ihre Mieten und Kredite nicht mehr zahlen können.

Feriengäste bleiben weg

Schon Ende des vergangenen Jahres blieben Besucher aus Russland weg,  nachdem Präsident Wladimir Putin wegen des Abschusses eines Kampfflugzeuges Sanktionen gegen die Türkei beschlossen hatte. Damals hofften die Unternehmer, bis zum Sommer die eingebrochenen Zahlen mit Urlaubern aus Europa auszugleichen.

Doch Anschläge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf Touristen in Istanbul verunsicherten viele. Auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hat immer wieder angedroht, in Zukunft Urlauber anzugreifen - auch wenn das bisher noch nicht geschehen ist.

Die Konsequenz dieser Unsicherheit lässt sich an der Statistik ablesen. Laut dem türkischen Tourismus-Ministerium ist die Zahl der Besucher, die im April im Vergleich zum Vorjahresmonat ins Land kamen, um 28,07 Prozent gesunken.

Fast 60 Prozent weniger Touristen

Betrachtet man die Region Antalya, wo die Menschen hauptsächlich vom Tourismus leben, sind die Zahlen noch dramatischer. Türkische Medien berichten unter Berufung auf Angaben des Flughafens in Antalya, in den ersten zwei Juni-Wochen seien rund 59 Prozent weniger Besucher angekommen - 45 Prozent weniger Deutsche, fast keine Russen. "Schwarzer Juni" titelten denn auch die Zeitungen.

Für Wassersportbetreiber Tekerek bedeuten diese Zahlen die drohende Pleite. 2015 habe er etwa 500 Euro am Tag verdient. Nun seien es mal 100 Euro - und manchmal komme überhaupt kein Geld rein. Er zählt seine Ausgaben auf: Miete für den Liegeplatz, Steuern, Gehalt und Versicherung für seine Mitarbeiter. Von fünf Angestellten habe er vor Saisonbeginn zwei entlassen müssen. Mit dem Geld vom Sommer müsse er eigentlich noch über den Winter kommen, erzählt Tekerek.

Zimmerpreise werden günstiger

Schuld an der Misere ist seiner Meinung nach eine falsche Politik. "Ständig explodiert irgendetwas, und die Außenbeziehungen sind auch schlecht. Dann das Theater wegen der Armenien-Resulution, das hat ein schlechtes Image verursacht." Hinzu kämen der Fastenmonat Ramadan und die Fußball-EM. Seine Forderungen an die islamisch-konservative AKP-Regierung sind deutlich: "Sie müssen ihre Beziehungen zu anderen Ländern verbessern, und sie müssen die Tourismus-Industrie stützen."

Ähnlich klagen viele in der Region. Händler verkaufen nichts, Hotels werden ihre Zimmer nicht los und müssen mit den Preisen runter. Die Schuldzuweisungen sind immer dieselben: Schlechte Außenpolitik, Terrorismus und ein schlechtes Image durch Präsident Recep Tayyip Erdogan - aber auch durch die Darstellungen der Medien.

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