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Fifa unter Druck Sponsor Sony will WM-Vergabe an Katar prüfen lassen


Der Druck auf die Fifa steigt: Für die WM-Vergabe nach Katar sollen weitere 1,7 Millionen Euro geflossen sein. Sponsor Sony mahnt den Fußball-Weltverband zu Integrität und ethischem Verhalten.

Die Causa Katar bringt den Fußball-Weltverband zunehmend in Bedrängnis und dürfte die Vorfreude von Fifa-Boss Sepp Blatter auf die WM-Endrunde in Brasilien gehörig trüben. Vier Tage vor dem Anpfiff in São Paulo sind neue Korruptionsvorwürfe rund um die Vergabe der Fußball-WM 2022 publik geworden - womöglich ein Vorgeschmack auf weitere Enthüllungen zur "besten Sendezeit" während der WM.

Das Unternehmen Sony, einer der Hauptsponsoren der Fifa, fordert eine Untersuchung der Vorwürfe, berichtet die BBC. "Als Fifa-Partner erwarten wir, dass diese Vorwürfe angemessen untersucht werden", zitierte die Londoner Zeitung "Sunday Times" aus einer Erklärung des japanischen Elektronikkonzerns. Sony erwarte von dem Verband, dass er sich in allen Bereichen an seine Prinzipien von Integrität, ethischem Verhalten und Fairness halte.

Der internationale Fußball ist ein Milliardengeschäft. Im vergangenen Jahr hat die Fifa rund 1,4 Milliarden Dollar eingenommen, umgerechnet gut eine Milliarde Euro. 600 Millionen Dollar stammten aus Übertragungsrechten, 400 Millionen von Sponsoren und Partnerfirmen, zu denen neben Sony auch Adidas, Coca-Cola, Emirates, Hyundai und Visa gehören.

1,7 Millionen Dollar für Stimmen aus Asien

Wie die "Sunday Times" am Sonntag berichtet, soll der frühere katarische Spitzenfunktionär Mohamed bin Hammam weitere 1,7 Millionen Dollar für Stimmen aus Asien bezahlt haben. Außerdem habe er Gespräche auf Regierungsebene mit Thailand für einen Gas-Deal eingefädelt, um sich die Stimme von Exekutivmitglied Worawi Makudi zu sichern.

Die Zeitung hat nach eigenen Angaben Zugang zu einer Million geheimer Dokumente. Sollten diese tatsächlich die Bestechung von FIFA-Exekutivmitglieder beweisen und Fifa-Chefermittler Michael Garcia bei seiner Untersuchung zum gleichen Schluss kommen, könnte es für den Golfstaat eng werden. Am Montag will Garcia seine Ermittlungen abschließen und sechs Wochen später - also kurz nach der WM - seinen Bericht an die Rechtskammern weiterleiten.

Dubioses Treffen mit russischen Vertretern

In der "Sunday Times" ist auch von einem Treffen mit russischen Vertretern einen Monat vor der umstrittenen Abstimmung am 2. Dezember 2010 die Rede. Dabei soll es um "bilaterale Beziehungen" zwischen den beiden Ländern im Sport gegangen sein. Pikanterweise erhielten beide Länder den Zuschlag für die WM-Endrunden 2018 und 2022.

Die Fifa wollte sich nach einer Sitzung des Exekutivkomitees zu den Vorwürfen nicht äußern. Man werde vor einer Stellungnahme die Arbeit des Ethikkomitees abwarten. Das WM-OK von Katar hatte zuletzt jegliches Fehlverhalten zurückgewiesen und betont, dass Bin Hammam im Bewerbungsverfahren keine Rolle gespielt habe.

Erst in der vergangenen Woche hatte das englische Blatt berichtet, dass Bin Hammam fünf Millionen Dollar an Offizielle für die Unterstützung von Katars WM-Bewerbung gezahlt habe. Außerdem soll er dem ehemaligen Exekutivmitglied Reynald Temarii aus Tahiti 305.000 Euro für Anwaltskosten gezahlt haben.

Gas-Deal mit Thailand für die WM-Stimme?

Unter dem Titel "Gas-Deal erhitzt die WM" berichtet die Zeitung nun vor allem über die Verbindung zwischen Bin Hammam und Makudi, die zusammen in der Fifa-Exekutive saßen. Der Thailänder taucht nicht das erste Mal in Verbindung mit Korruptionsvorwürfen auf. Bereits wenige Monate nach der WM-Vergabe hatte der frühere englische Verbandschef David Triesmann ein Fifa-Quartett um Makudi beschuldigt, unlautere Forderungen vor der Abstimmung gestellt zu haben. Konsequenzen waren damals ausgeblieben.

Bin Hammam soll zwei Treffen von Verantwortlichen aus Thailand mit der katarischen Königsfamilie arrangiert haben, um einen lukrativen Vertrag für Gaslieferungen auszuhandeln. Makudi bestritt indes, dass er persönliche Vorteile erlangt habe.

So oder so dürfte es für Blatter beim Fifa-Kongress am Dienstag und Mittwoch ungemütlich werden. Im Machtkampf um die Funktionärs-Vorherrschaft im Weltfußball hat nun DFB-Präsident Wolfgang Niersbach eine zentrale Rolle in der Anti-Blatter-Fraktion eingenommen. "Für uns beim DFB gilt wie für alle Europäer nach wie vor, was Joseph Blatter beim UEFA-Kongress 2011 in Paris offiziell gesagt hat. Damals hat er erklärt, dass die laufende Amtszeit definitiv seine letzte sein wird. Dass er jetzt scheinbar andere Überlegungen hat, haben wir bisher nur den Medien entnehmen können", sagte Niersbach.

mka/DPA DPA

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