Formel 1 Gnade für Alonso und Renault


Beim großen Preis von Europa in Valencia darf Spaniens zweifacher Weltmeister Fernando Alonso an den Start gehen. Die Fia hob das Fahrverbot für Renault auf, das sie nach dem Rennen in Ungarn gegen den französischen Rennstall verhängt hatte.

Geldbuße statt Fahrverbot: Formel-1-Pilot Fernando Alonso darf nun doch mit dem Renault-Team bei seinem Heimrennen in Valencia am Sonntag an den Start gehen. Die Berufungsrichter des Internationalen Automobilverbands Fia hoben am Montag die Sperre gegen den französischen Rennstall auf und verhängten stattdessen ein Strafgeld in Höhe von 35 000 Euro. Damit dürfen auch die Organisatoren des Großen Preises von Europa am Sonntag (ab 14.00 Uhr im Liveticker von stern.de) aufatmen, die nach der Comeback-Absage von Michael Schumacher nun zumindest wieder mit der Zugnummer Alonso den schleppenden Kartenverkauf ankurbeln können. "Das ist eine hervorragende Nachricht, besonders für die Fans", jubelte der Vizepräsident des Streckenbetreibers, Jorge Martinez Aspar.

Die Fia erkannte mit ihrer Entscheidung die Reue des Renault-Teams an, das beim Ungarn-Grand-Prix Ende Juli den zweimaligen Weltmeister mit einem nicht ausreichend befestigten Rad auf die Strecke geschickt hatte. Alonso hatte den Reifen später verloren. "Wir geben zu, dass wir Fehler gemacht haben. Aber wir denken nicht, dass die Strafe dem Vergehen entspricht", hatte Teammanager Steven Nielsen bei der Anhörung in Paris deutlich gemacht.

Für Milde plädiert


Der französische Motorsportverband legte im Namen von Renault Protest ein. Sowohl der Chef des spanischen Motorsport-Verbandes, Carlos Gracia, wie auch ein Vertreter des Streckenbetreibers von Valencia hatten bei den Fia-Richtern für Milde geworben. Der Weltverband teilte später mit, Renault habe seinen Verstoß gegen das sportliche Regelwerk eingeräumt. Nach Austausch aller Argumente sei die Entscheidung gefallen, die Sperre aufzuheben. Eine Urteilsbegründung soll in den kommenden Tagen folgen.

Die Lastwagen mit der Ausrüstung des Renault-Teams waren vorsorglich schon einmal nach Valencia gerollt. Offen ist allerdings noch, wen der Rennstall als zweiten Fahrer neben Alonso an den Start schickt. Der Brasilianer Nelson Piquet jr. war nach dem Ungarn-Rennen entlassen worden. Als Favorit für seine Nachfolge gilt der Franzose Romain Grosjean.

Der in Valencia ersehnte Richterspruch soll nun den spanischen Veranstalter zumindest vor einem kapitalen Defizit bewahren, nachdem der erwartete Ansturm der "Rotkäppchen" nach der Absage von Rekordchampion Schumacher ausbleiben wird. "Fernando ist der Hauptgrund dafür, dass es zwei Rennen in Spanien gibt. Die Leute in Spanien waren nicht an der Formel 1 interessiert, bis er kam", meinte Renault-Sportchef Nielsen. "Es war eine Sache von sportlicher Gerechtigkeit. Es hätte keinen Sinn gehabt, einen Grand Prix in Spanien ohne das Idol des Motorsports in Spanien auszurichten", befand Martinez Aspar.

Weniger Zuschauer


Trotzdem werden wohl viele Plätze an der Strecke frei bleiben. Auf der offiziellen Internetseite heißt es in großen Lettern: "Tickets zu kaufen." Dabei soll die Zuschauer-Kapazität von 112 000 aus dem Premierenjahr 2008 bereits auf 75 000 gesenkt worden sein, berichteten spanische Medien. Mindestens 65 000 Besucher sollen die Boliden bei ihrer Hatz durch die Hafenstadt bewundern, hoffen die Organisatoren. Angeblich sind derzeit erst 45 000 Karten verkauft.

Deshalb hatte auch die Entscheidung von Ferrari, den Italiener Luca Badoer anstatt des Spaniers Marc Gené für den verletzten Felipe Massa einzusetzen, in Spanien für Kritik gesorgt. Verbandschef Gracia ereiferte sich über eine der "absurdesten" Entscheidungen, die er von der Ferrari-Führung je gesehen habe. Gené habe dieses Jahr als erster Spanier überhaupt die "24 Stunden von Le Mans" gewonnen. Badoer, der am Montag bei Werbeaufnahmen in Fiorano erstmals am Steuer des F60 saß, hält hingegen den wenig ruhmreichen Rekord mit den meisten Renn-Teilnahmen ohne einen einzigen Punkt.

Christian Hollmann und Jens Marx/DPA


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