Formel-1-Kolumne Chaos-Tag in der Eifel


Auf nichts ist mehr Verlass in dieser Formel-1-Saison, nur auf die Launen des Eifel-Wetters. Ein Wolkenbruch am Anfang und Ende des Großen Preises von Europa spülten den Titelverteidiger Fernando Alonso nach vorn - Felipe Massa wurde vom Regenkönig auf die harte Tour nass gemacht.
Von Elmar Brümmer

Wie sehr der Spanier diesen Erfolg sieben Rennen vor Saisonende gebraucht hat, und wie frustriert der Zweitplatzierte Felipe Massa im Ferrari war, war auf dem Weg zur Podiumszeremonie zu spüren. Die beiden Streithähne, deren Autos sich in der entscheidenden Szene vier Runden vor Schluss berührten, wären beinahe handgreiflich geworden.

Alonso überlegte es sich im letzten Moment anders, und gab nach. Er wollte lieber den - abgesehen vom Chaos auf der Piste - merkwürdigsten Moment des Tages genießen: Als ausgerechnet Ferrari-Superassistent Michael Schumacher den Pokal für den siegreichen Rennstall an Ron Dennis übergeben musste. Schumis Miene als bittersüß zu bezeichnen wäre eine glatte Übertreibung gewesen. Eigentlich hätte er auch Fernando Alonso als neuen Regen-König krönen können. Der Spanier entschuldigte sich später für seine rüde Fahrweise in der entscheidenden Bergab-Passage bei Massa, wollte sich aber nicht mehr zu weiteren Aussagen provozieren lassen: "Ich habe gewonnen. Punkt."

Eher ein Ausrufezeichen! Und dass sein Teamkollege Lewis Hamilton nach seinem spektakulären, aber glimpflich verlaufenen Crash in der Qualifikation erstmals punktlos blieb, beflügelt Alonso weiter. Nur noch zwei Zähler Vorsprung hat der Brite in der Gesamtwertung. Zwei Schauer haben die komplette Weltmeisterschaft wieder richtig dramatisch gemacht. Denn das Verhältnis zwischen Hamilton und Alonso ist nur in Nuancen herzlicher als das zwischen Alonso und Massa.

Liuzzi haarscharf am Sicherheitsfahrzeug vorbei

Vielleicht sollte ein Regenschauer pro Rennen per Reglement zur Pflicht gemacht werden. Als innerhalb der ersten drei Runden aus der Formel 1 eine Schwimm-Weltmeisterschaft wurde, kam es im Knick nach der Startgeraden zu einem Kuriosum: Erst raste Jenson Button in die Reifenstapel, ihm folgten Sekunden später an gleicher Stelle Adrian Sutil, Lewis Hamilton, Nico Rosberg und Scott Speed. Als das Safety Car schon das Rennen neutralisierte, raste Vitantonio Liuzzi haarscharf am Sicherheitsfahrzeug vorbei und hätte fast noch einen Bergekran gerammt. Ein verdammt gefährliches Spektakel vor 135.000 Zuschauern, das folgerichtig den Abbruch nach sich zog. "Es waren unglaubliche Bedingungen", bilanzierte der spätere Sieger über die ebenso hektische wie chaotische Startphase.

Den größten Lacher konnte der Spitzenreiter für sich verbuchen: Als solcher führte der schwäbische Debütant Markus Winkelhock im Spyker beim Neu-Start das Feld an, der als Letzter gestartet war, aber als Erster Regenreifen aufgezogen hatte. Seine Freude hielt nicht lange, nach 15 Runden verrauchte der Motor seines chancenlosen Autos. Ralf Schumacher wurde wenig später von Nick Heidfeld unsanft aus dem Rennen geschubst, der Begriff Heimpleite bietet sich trotz des sechsten Platzes des Mönchengladbachers zusammenfassend an.

"Ich würde auf keinen Fahrer setzen"

Nur Alonso hatte an diesem Sonntag alles Glück auf seiner Seite, schließlich rollte mit Kimi Räikkönen auch noch ein wichtiger WM-Rivale aus. Für den Spanier, der dank seiner spektakulären Aufholjagd seinen Druck deutlich gelindert hat, bleiben die unsicheren Konditionen in dieser Formel-1-Saison nicht auf die Wetterlage am Nürburgring beschränkt: "Ich würde auf keinen Fahrer irgendwelches Geld setzen. Es ändert sich alles so schnell." Zum Guten, was die Spannung angeht.


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