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Formel 1: Michael Schumachers große Lücke

Im ersten Jahr nach dem Rücktritt von Michael Schumacher will ein deutsches Formel-1-Quartett auf die Überholspur fahren. Zu den Favoriten zahlen Ralf Schumacher, Nick Heidfeldt, Nico Roseberg und Adrian Sutil allerdings nicht.

"Natürlich steigt der Erwartungsdruck, weil ich zusammen mit Ralf Schumacher jetzt zu den erfahrenen deutschen Piloten zähle. Aber als Formel-1-Fahrer ist man diesen Druck gewohnt", sagt BMW-Pilot Nick Heidfeld aus Mönchengladbach. Auch der in Österreich lebende Toyota-Fahrer Ralf Schumacher will endlich Vollgas geben und hofft auf "den einen oder anderen Sieg". Der Wiesbadener Nico Rosberg im Williams will nach seinem Lehrjahr noch keine Prognosen für die neue Saison abgeben: "Das wäre Quatsch."

Der Starnberger Adrian Sutil, der vierte deutsche Stammfahrer in der Formel 1, war nach seiner Verpflichtung durch das Spyker-Team kurz vor Weihnachten hin und weg: "Ich bin rundum glücklich und zufrieden, dass ich 2007 in der Formel 1 sein darf. Es war mein Traum und mein Ziel vom ersten Tag an. Dass wir es in so kurzer Zeit geschafft haben ist unglaublich."

Rasante Aufholjagd

Unglaublich war auch die Aufholjagd von Ferrari-Star Michael Schumacher in seiner 16. und letzten Formel-1-Saison. Beinahe hätte der Rekordweltmeister trotz seines unrühmlichen Parkmanövers in Monte Carlo das scheinbar Unmögliche noch möglich gemacht und dem Spanier Fernando Alonso im Renault den schon sicher geglaubten WM-Titel noch entrissen. 25 Punkte hatte der 37-Jährige in unnachahmlicher Manier aufgeholt, sein achter Titel schien kurz vor Schluss zum Greifen nah. "Plötzlich hat sich der Motor abgemeldet und alles hat sich in Rauch aufgelöst, auch unsere Hoffnungen auf die Fahrer-WM", sagte Schumacher nach dem vorletzten Grand Prix seiner Karriere.

In Brasilien, am 22. Oktober 2006, startete "Schumi" zum 250. und letzten Mal in der Formel 1, wurde nach einem tollen Rennen trotz eines Reifenplatzers Vierter und Vize-Weltmeister hinter dem zu McLaren-Mercedes wechselnden Alonso. In seinem Buch zum Karriere-Ende schrieb Schumacher über seine Gefühle in den Minuten nach dem großen Formel-1-Finale: "Da war viel mehr Erleichterung als Wehmut. Ich würde fast sagen, das Verhältnis liegt bei 90:10. Im Endeffekt kamen einfach zu Jahresbeginn mehrere Dinge zusammen, die mich fragen ließen: Warum machst du das noch? Und ich habe keine Antworten mehr gefunden auf diese Fragen."

Ehrung ohne Schumacher

Ganz viele Fragen blieben offen auch nach der Wahl zu Deutschlands Sportlern des Jahres. Wie viele Fußball-Nationalspieler war auch der hinter dem dreimaligen Olympiasieger Michael Greis auf Platz zwei gewählte Schumacher nicht zur festlichen Gala nach Baden-Baden gekommen. Waren es in den Jahren davor sportliche Gründe gewesen, musste diesmal die Familie als Entschuldigung herhalten. Während den Fußball-Profis von Franz Beckenbauer die Leviten gelesen wurden, fehlte bei Schumacher das Korrektiv. "Er wird Berater von Ferrari werden. Er wird sein eigenes Büro haben, er kann kommen, wann immer er möchte, und er wird bei ein paar Grands Prix dabei sein", sagte sein Chef Luca di Montezemolo über die neuen Aufgaben des "Formel-1- Rentners".

Auch ohne Schumacher dürfte die neue Saison spannend werden. Mercedes mit dem britischen Partner McLaren hat in Alonso einen Topfahrer verpflichtet, musste aber den Weggang von Kimi Räikkönen zu Ferrari verkraften. Das Weltmeisterteam Renault fährt mit dem Italiener Giancarlo Fisichella und dem Finnen Heikki Kovalainen. BMW dagegen setzt fast ausschließlich auf "Made in Germany". Die Münchner könnten mit den Stammpiloten Heidfeld und Robert Kubica aus Polen sowie den Testfahrern Sebastian Vettel und Timo Glock in der Königsklasse des Motorsports für Furore sorgen.

Volker Gudrun/DPA

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