Formel 1 Schumi cool - Alonso trotzig


Michael Schumacher ist nicht überrascht vom Verbot des so genannten Schwingungsdämpfers am Renault seines WM-Rivalen. Auch Alonso trägt das Urteil mit Fassung und verbreitet vor dem GP der Türkei trotzig Optimismus.

Der Niederlage vor Gericht folgte die Kampfansage: Auch nach dem Verbot des so genannten Schwingungsdämpfers an seinem Renault glaubt Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso im Duell mit Ferrari-Pilot Michael Schumacher weiterhin alle Trümpfe in seiner Hand. "Das hat keinen Einfluss", sagte der Spanier am Donnerstag in Istanbul zum Urteil des Berufungsgerichts des Internationalen Automobilverbandes (FIA) tags zuvor. "Wir haben bewiesen, dass wir ohne das Teil konkurrenzfähig sind. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in den letzten fünf Rennen ein stärkeres Paket haben als Ferrari."

Sein Herausforderer war nicht überrascht von der Entscheidung des FIA-Gremiums. "Anfang des Jahres wurde ein Flügel von uns, der innerhalb der Regeln war, nicht erlaubt. Diese Sache liegt ziemlich ähnlich", sagte Schumacher. Ob Ferrari nun im Vorteil sei, mochte der 37-Jährige nicht sagen: "Das ist schwer einzuschätzen." Zurück hielt sich der siebenmalige Weltmeister auch beim Thema Zukunftsplanung. "Ich habe noch keine Entscheidung getroffen", sagte der Kerpener vor dem ersten Grand Prix nach der Sommerpause. Erst in zwei Wochen in Monza will er verkünden, ob er weitermacht oder in Rennrente geht.

Schumi mit beeindruckender Aufholjagd

Das Berufungsgericht hatte in Paris entschieden, dass die zuerst verbotenen und dann doch wieder von den Rennkommissaren beim Hockenheim-Rennen erlaubten Schwingungsdämpfer in der Nase des Renaults regelwidrig seien. Die FIA hatte Berufung gegen den Beschluss ihrer eigenen Rennkommissare eingelegt.

"Die FIA spielt gegen uns. Es ist absurd, die Regeln nach der Hälfte der Saison zu ändern", hatte sich Teamchef Flavio Briatore schon vor dem Urteil aufgeregt. In der Ferrari-Heimat jubelte "La Gazzetta dello Sport" am Donnerstag: "Gute Nachrichten für Ferrari und Michael Schumacher, noch bevor im Autodrom von Istanbul die Motoren starten." Die Entscheidung trifft Alonso und Renault im WM-Kampf mit Schumacher härter, als der Titelverteidiger zugeben will. Sein Herausforderer hat mit drei Siegen in den letzten vier Rennen und insgesamt 31 Zählern mächtig aufgeholt. Alonso machte im gleichen Zeitraum gerade einmal 16 Punkte.

"Das ist etwas komisch"

Vor dem 14. WM-Lauf am Sonntag im "Istanbul Park" ist Rekordweltmeister Schumacher (90 Punkte) bis auf zehn Punkte an den WM-Spitzenreiter (100) herangerückt und kann in den letzten fünf Grand Prix aus eigener Kraft zum achten WM-Titel rasen. "Michael ist unter Druck. Schließlich liegt er hinter mir", gab sich der 25-jährige Alonso trotzig. Schumacher konterte: "In der Situation, in der ich bin, fühle ich mich nicht unwohl."

Renault verzichtete bereits in Hockenheim und in Budapest auf die Dämpfer wegen der unklaren Rechtslage. Beim Großen Preis von Deutschland belegte Alonso Platz fünf. Beim Rennen in Budapest war der Spanier wieder auf dem Weg zum Sieg, als er wegen eines nicht festgezogenen Hinterrades ausfiel. Die ersten elf Grand Prix hatte Renault ohne Beanstandungen mit dem System bestreiten dürfen. Erst im Juli wurde die FIA aktiv. "Vorher war das legal und jetzt nicht mehr - das ist etwas komisch, wunderte sich BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld.

Drei Zehntelsekunden pro Runde Vorteil

Von dem Verbot sind zwar auch Ferrari und weitere Nachahmer wie Red Bull, Toro Rosso und Midland betroffen. Doch die Folgen sind bei weitem nicht so stark wie für Renault. Schließlich spielt der Schwingungsdämpfer im Fahrzeugkonzept des Renault R26 eine entscheidende Rolle. Das WM-Team muss das Auto nun modifizieren.

Das System wurde von den Franzosen erfunden. Dabei schwingt an einer Feder ein Gewicht von rund zehn Kilogramm. Die Vibrationen werden aufgefangen, der Vorderbau des Autos bleibt ruhig. Je weniger sich ein Auto bewegt, desto besser ist vor allem die Aerodynamik. Das FIA-Berufungsgericht hatte sein Verbot damit begründet, dass der Schwingungsdämpfer ein bewegliches aerodynamisches Hilfsmittel sei. Diese Hilfsmittel sind aber bereits seit 1969 verboten. Laut Renault bringt das System je nach Strecke einen Vorteil von drei Zehntelsekunden pro Runde.

DPA


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